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Montag, 13.02.2012
Savant-Portraits
Bekannte Menschen mit Inselbegabungen kurz vorgestellt

Stephen Wiltshire – die lebende Kamera
 Stephen Wiltshire beim Zeichnen eines zehn Meter langen London-Panoramas
Stephen Wiltshire beim Zeichnen eines zehn Meter langen London-Panoramas
© Stephen Wiltshire Gallery  Stephen Wiltshire beim Zeichnen eines zehn Meter langen London-Panoramas
Der 1974 in London geborene Junge wurde mit drei Jahren als Autist diagnostiziert. Einige Jahre später trat sein ungewöhnliches Zeichentalent, gestützt durch ein extrem genaues visuelles Gedächtnis zutage. 2001 zeichnete er nach einem nur gut zehn Minuten dauernden Hubschrauberrundflug über London ein Stadtpanorama, das mehr als 200 Gebäude detailgetreu und perspektivisch korrekt abbildete.

Inzwischen hat er mehrere Bücher mit seinen Zeichnungen veröffentlicht und eine eigene Galerie stellt seine Bilder aus, die in alle Welt verkauft werden. Stephen Wiltshire wurde auch in mehreren TV-Dokumentationen portraitiert, der Neurologe Oliver Sacks beschreibt in einem Kapitel seines Buchs „An Anthropologist On Mars“ seine Begegungen mit dem Jungen.

Kim Peek – der echte Rain Man
1951 wurde Kim Peek mit einem anormal vergrößerten und unvollständig geschlossenen Schädel geboren. Wenig später stellten die Ärzte fest, dass der Verbindungsbalken zwischen beiden Hirnhälften fehlte. Im Laufen und Sprechen lag er während der Kindheit um Jahre zurück, konnte aber schon mit 16 Monaten lesen. Sein enzyklopädisches Gedächtnis fiel schon sehr früh auf, mit vier Jahren hatte er den Inhalt von acht Lexikonbänden komplett im Kopf. Um sich den Inhalt zu merken, muss sich der „Kimputer“, so sein Spitzname, eine Buchseite nur einmal anschauen, sie ist dann gespeichert. Außerdem beherrscht er unter anderem das Kalenderrechnen und kann sich einmal gehörte Melodien merken.

1988 traf Peek auf einer Tagung den Drehbuchautor Barry Morrow, der ihn zum Vorbild für seinen Film „Rain Man“ machte. Dustin Hoffman spielte darin die Rolle des autistischen Savants Raymond Babbit und traf sich in der Vorbereitung darauf auch mit Kim Peek.

Daniel Tammet – Rechenkünstler mit visuellem Gedächtnis
Der 1979 in London geborene Tammet ist einer der Savants, die ihre Fähigkeiten nicht von Geburt an besitzen. Mit drei Jahren erlitt er einen epileptischen Anfall, der ihn zum Autisten mit Asperger-Syndrom machte, ihm dafür aber außergewöhnliche mathematische und sprachliche Fähigkeiten verlieh. Nach eigener Aussage hilft ihm ein extrem visuell ausgerichtetes Gedächtnis dabei.

Er beherrscht zehn Sprachen, darunter so unterschiedliche wie Französisch, Finnisch oder Walisisch. Eine davon, das als besonders schwer geltende Isländisch, lernte er in nur einer Woche im Rahmen einer Dokumentation. 2004 stellte Tammet einen europäischen Rekord im Rezitieren der Nachkommastellen der Kreiszahl Pi auf. In mittlerweile zwei Büchern gibt er einen Einblick in die Innenwelt und das Leben eines autistischen Savant.

 Temple Grandin war eine der ersten Menschen mit Autismus, die über sich schrieben
Temple Grandin war eine der ersten Menschen mit Autismus, die über sich schrieben
© Joshua Nathaniel Pritikin/ William Lawrence Jarrold
Temple Grandin – die Anthropologin auf dem Mars
Die 1947 in Boston geborene Temple Grandin sprach bis zum Alter von drei Jahren kein Wort und konnte körperliche Nähe nicht ertragen. Anstatt sie in ein Heim zu geben, wie von Ärzten empfohlen, förderten ihre Eltern sie jedoch und schickten sie auf Privatschulen. Dadurch überwand sie viele ihrer Verhaltensauffälligkeiten und lernte auch sprechen, wenn auch mühsam „wie eine Fremdsprache“ wie sie selbst schreibt. Gleichzeitig entwickelte sie eine spezielle „Berührungsmaschine“, die durch sanften Duck beruhigend auf sie wirkte und heute auch in der Therapie von anderen Autisten eingesetzt wird.

Heute ist Grandin eine weltweit anerkannte Spezialistin für das Design von Anlagen für die kommerzielle Tierhaltung und Dozentin für Tierwissenschaften an der Colorado State University. Ein extrem visuelles Gedächtnis, sie vergleicht es mit einem Videorekorder, ermöglicht es ihr, die Pläne auch komplexester Anlagen aus dem Kopf fertig zu Papier zu bringen. In mehreren Büchern beschreibt sie ihre Erfahrungen und engagiert sich in der Aufklärung über den Autismus. Der Neurologe Oliver Sacks beschreibt seine Begegnung mit ihr ausführlich in seinem Buch „Die Anthropologin auf dem Mars“, dessen Titel auf einen Ausspruch von Gradin zurückgeht.

Matt Savage – Mozart des Jazz
Der 1992 in Sudbury Massachusetts geborene Matt Savage entwickelte sich als Kleinkind zunächst schnell, mit drei Jahren jedoch traten autistische Symptome auf. Er wich Berührungen aus und konnte Geräusche kaum ertragen, hatte jedoch eine hohe Intelligenz, ein extrem gutes Gedächtnis und ein absolutes Gehör. Mit sechs Jahren brachte er sich Klavierspielen bei und entwickelte bald ungewöhnliches Talent. 1999 begann er ein Musikstudium am New England Conservatory of Music, entdeckte aber gleichzeitig auch seine Liebe zum Jazz.

Heute spielt Savage in einem eigenen Jazztrio, ist vor mehreren Staatsoberhäuptern aufgetreten, hat renommierte Musikpreise gewonnen und gilt als der „Mozart des Jazz“. Sechs CDs mit seiner Musik sind mit großem Erfolg erschienen.

Leslie Lemke - Musik als Gabe
1952 kam Lemke als Frühgeburt schwerbehindert zur Welt. Da ihm wegen eines angeborenen grünen Stars beide Augen entfernt werden mussten, ist er zudem quasi von Geburt an blind. Schon früh reagierte er stark auf Musik und gab nicht nur ganze Gespräche Wort für Wort wieder, sondern summte auch Lieder, die seine Adoptivmutter ihm vorsang. Mit 14 Jahren überraschte sie ihn dabei, wie er nachts am Klavier saß und Teile des ersten Klavierkonzerts von Tschaikowsky spielte. Dieses war am Abend zuvor als Filmmusik in einem TV-Film gesendet worden, Lemke hatte sich nach nur einmaligem Hören das gesamte Stück gemerkt und konnte es fehlerfrei wiedergeben.

Inzwischen gibt der blinde Ausnahmemusiker Konzerte in den gesamten USA, spielt dabei vor allem Lieder aus dem Folk- oder Gospelbereich, aber auch Klassik und eigene Stücke. Dustin Hoffman soll nach einer 1983 gesendeten TV-Dokumentation über Lemke zu Tränen gerührt gewesen sein.

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