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Sonntag, 12.02.2012
Alles fließt...
Conveyor Belt - Das große Förderband der Meere

Conveyor-Strom 
Conveyor-Strom
© MMCD
Ausgerechnet der Kapitän eines Sklavenschiffs war es, der vor knapp 250 Jahren die erste bahnbrechende Entdeckung machte: Kapitän Henry Ellis stellte fest, dass das Meerwasser des Atlantiks in der Tiefe deutlich kälter als das Oberflächenwasser war. Der mit seinem Schiff unter glühender Hitze kreuzende Schiffskapitän sah dies allerdings in erster Linie unter praktischen Gesichtspunkten und kühlte damit Wein und Trinkwasser: "...sehr angenehm bei diesem brennenden Klima". Von der Bedeutung oder den möglichen Ursachen für seine "Wasserkühlung" ahnte er noch nichts.

Einige Jahrzehnte später beschäftigte sich der Engländer Count Rumford näher mit dem Phänomen und kam erstmals auf die Erklärung, dass das kalte Tiefenwasser durch eine Strömung aus den polaren Regionen in die tropischen und subtropischen Meeresgebiete gelange müsse.

Wie ausgedehnt und weltumspannend das System der Meeresströmungen aber wirklich ist, begann man erst in den achtziger Jahren unseres Jahrhunderts zu begreifen. Wallace Broecker, ein Forscher der amerikanischen Columbia University entwickelte 1987 die Theorie eines "Conveyor Belts" - eines globalen Zirkulationssystems, das alle Meere der Welt miteinander verbindet. Wie ein Förderband, so postulierte Broecker, könnte diese weltumspannende Strömung Wärme und Salz von einer Meeresregion in die andere transportieren. Die warmen Strömungen müssten dabei entlang der Meeresoberflächen, die kalten Strömungen in den Tiefen verlaufen. Die Idee eines globalen "Conveyor Belts" überzeugte auf Anhieb und innerhalb kürzester Zeit wurde sie zum gängigen Modell.

Doch noch blieb die Frage offen, woher dieses Förderband der Meere seinen Antrieb erhielt. Was war der Motor der großen Strömung? Broecker hatte auch darauf eine Antwort: Für ihn kam nur die Verdunstung als treibende Kraft in Frage. Er glaubte, dass der atmosphärische Transport von Wasserdampf vom Atlantik zum Pazifik das System in Gang hielt. Je stärker die Verdunstung über dem Atlantik und die Niederschläge über dem Pazifik, so seine Theorie, desto stärker auch die Strömung des globalen Förderbands. Auch dieses Modell schien bestechend in seiner Einfachheit, doch viele Ozeanographen wollten es genauer wissen und forschten selber nach.

Seitdem haben zahlreiche Untersuchungen, darunter auch einige des deutschen Klimaforschers Stefan Rahmstorf vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, gezeigt, dass Broeckers Modell in einigen Punkten den realen Verhältnissen doch nicht entspricht. Zwar existiert im Atlantik tatsächlich ein relativ stark ausgeprägtes "Förderband", das warmes Oberflächenwasser nach Norden und kaltes Tiefenwasser nach Süden transportiert, doch die Ergebnisse von Rahmstorf zeigen, dass die Verbindung zwischen den beiden großen Weltmeeren nur sehr schwach ist.

Die Ozeane reagieren daher nicht als ein einheitliches System, wie Broecker glaubte. Und auch die Verdunstung als Motor des Ganzen wird durch neuere Ergebnisse nicht bestätigt. Was aber treibt die großen Ströme und damit auch die globale "Klimanalage" dann an?

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