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Sonntag, 12.02.2012
Schiefer, Moor und Plattenkalk
Beispiele für „gelungene Konservierung“ in der Vergangenheit

„In der Fossilüberlieferung sind Weichteile eine absolute Seltenheit. Sämtliche Fossilienlagerstätten, in denen Paläontologen solche Funde machen konnten, werden als seltene und ganz besondere Fenster in den biologischen Reichtum der tiefen Vergangenheit angesehen und entsprechend gefeiert“, so Zalasiewicz in seinem Buch „Die Erde nach uns“.

 Bei diesem Pholidophorus-Fossil aus dem Solnhofer Plattenkalk sind selbst die Schuppen erhalten.
Bei diesem Pholidophorus-Fossil aus dem Solnhofer Plattenkalk sind selbst die Schuppen erhalten.
© GFDL  Bei diesem Pholidophorus-Fossil aus dem Solnhofer Plattenkalk sind selbst die Schuppen erhalten.
So selten solche Weichteilfossilien auch sind, Fundorte wie das Burgess Shale in British Columbia, der Solnhofer Plattenkalk in Deutschland oder der Rhynie Chert in Schottland zeigen, dass sie im Glücksfall auch über hunderte von Millionen Jahren erhalten bleiben können. Ihnen gemeinsam ist, dass sie fast alle unter Mitwirkung von Wasser entstanden sind, die Relikte in ihnen mit hoher Geschwindigkeit fossilisiert wurden und außergewöhnlich wenige Störungen in Form von abbauenden Kräften oder Organismen einwirkten.

Solnhofen: Lebensfeindlicher Kalkschlamm
Der Plattenkalk von Solnhofen beispielsweise war ursprünglich ein Kalkschlamm in einer von Korallen abgeteilten flachen Lagune. Während sonst die Lagunenböden von Würmern und anderen Lebewesen stark zerwühlt wurden, muss die Solnhofer Senke so salzig und lebensfeindlich gewesen sein, dass der feine Kalk die in ihm eingesunkenen Tier- und Pflanzenteile ungestört bedecken und einbetten konnte. So verdankt auch ein Archäopteryx-Fossil mit sichtbaren Federabdrücken dieser Lagune seine Konservierung.

Fosasil eines Anomalocaris, einer ausgestorbenen Garnelenart des Kambrium, aus dem Burgess Shale 
Fosasil eines Anomalocaris, einer ausgestorbenen Garnelenart des Kambrium, aus dem Burgess Shale
© Keith Schengili-Roberts/GFDL  Fosasil eines Anomalocaris, einer ausgestorbenen Garnelenart des Kambrium, aus dem Burgess Shale
Burgess Shale: sauerstoffarmer Meeresboden
Der weltbekannte Burgess Shale ist dagegen die vielleicht berühmteste Fossilfundstätte für Organismen aus der Frühzeit des Lebens, aus dem Kambrium. In dem schwarzen Gestein, das aus ehemals schlickigem Meeresboden entstand, finden sich Fossilien einiger der ersten Mehrzeller, von Würmern, Gliederfüßern und den ersten Wirbeltieren. „Diese ganze Menagerie steht den Paläontologen vollständig zur Verfügung, komplett mit Eingeweiden, Haut, Nervenbahnen, Blutgefäßen und Augen in Form dünner Filme aus Kohlenstoff, die häufig mit einem Flechtwerk von mikroskopischen Pyritkristallen durchsetzt sind“, so der Geologe Zalasiewicz. Dieser gute Zustand ist vermutlich den fast sauerstofffreien Verhältnissen am damaligen Meeresboden zu verdanken, die Bakterien und Aasfresser fernhielten.

Rhynie Chert: Mineralregen auf Torfmoor
Ein absoluter Sonderfall ist der Rhynie Chert im schottischen Aberdeenshire. Denn dieser Hornstein lagerte sich nicht unter Wasser ab, wie die meisten anderen Gesteine der Weichteilfundstätten, er entstand in einem fast trockenen Torfmoor. In der Nähe dieses Moores befanden sich heiße Quellen, die immer wieder mineraliengesättigtes Wasser auf Pflanzen und Tierreste herabregnen ließen. Eine so entstehende Kieselsäurekruste trug zu deren Konservierung bei. So sind nicht nur 400 Millionen Jahre alte fossile Blattläuse erhalten, sondern sogar die Einstichstellen in den von ihnen angebohrten Pflanzenteilen.

 Bei diesem Stammquerschnitt einer Pflanze aus dem Rhynie Chert blieben auch die Leitungsbahnen erhalten.
Bei diesem Stammquerschnitt einer Pflanze aus dem Rhynie Chert blieben auch die Leitungsbahnen erhalten.
© CC-by-sa 2.0 GB  Bei diesem Stammquerschnitt einer Pflanze aus dem Rhynie Chert blieben auch die Leitungsbahnen erhalten.
Aber seltsamerweise finden sich nur in diesem einen Moorstück so gut erhaltene Relikte, obwohl heiße Quellen auch anderswo auf der Welt vorkamen. „Irgendwas an der Art und dem zeitlichen Ablauf der Umstände, unter denen die Kieselsäure in die Organismen gelangt ist, muss anders gelaufen sein als anderswo“, so Zalasiewicz. „Sie ist vermutlich in Form feiner Kristalle in das Gewebe eingedrungen und hat sich hier abgesetzt, so dass Einzelheiten der Zellstrukturen erhalten blieben.“

Wie aber sieht es mit unseren Chancen aus, Teil solcher ungewöhnlich gut konservierten Schichten zu werden?

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