Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Sonntag, 12.02.2012
Faltungen, Eisberge und einseitige Kräfte
Das Rätsel der Gebirgswurzeln

Auch wenn die Theorie des "schrumpfenden Apfels" nach wie vor die Grundlage der meisten geologischen Überlegungen bildete, im Laufe des 19. Jahrhunderts wurde immer deutlicher, dass sie zur Erklärung der Gebirgsentstehung nicht ausreichte. Es musste noch andere Kräfte und Bewegungen geben, die die merkwürdigen Faltungen und Verwerfungen der Alpen, Anden und Appalachen erklären konnten.

Die Alpen aus dem All gesehen 
Die Alpen aus dem All gesehen
© Jacques Descloitres, MODIS Rapid Response Team, NASA/GSFC  Die Alpen aus dem All gesehen
Nordneigung der Alpen passt nicht ins Bild
Besonders die komplexen Formationen in den Alpen gaben den Geologen Rätsel auf. Die gefalteten und teilweise überkippten Gesteinsschichten waren teilweise auffällig nach Norden gekippt, wie Wellen an einem Strand zeigten sie in eine Richtung. Diese Beobachtung widersprach der gängigen Annahme, Gebirge seien durch Stauchung und Zusammendrücken der Gesteine beim Schrumpfen der Erdkruste entstanden. Stattdessen legten sie den Gedanken nahe, dass hier einseitig wirkende seitliche Verschiebungen am Werk gewesen sein mussten.

Und noch eine weitere Beobachtung warf Probleme auf: Im Zuge der Vermessung Indiens wurde die gewaltige Größe und Ausdehnung des Himalaya-Massivs immer deutlicher. Wie konnten diese aufgetürmten Materialmengen nur durch Schrumpfen der Kruste erklärt werden? Und warum blieb ein solcher Koloss von einem Gebirge auf der nur dünnen Erdkruste, ohne in das glutflüssige Innere der Erde einzusinken?

 Entstehung von Gebirgen
Entstehung von Gebirgen
© MMCD
Auch Gebirge haben Wurzeln
Die einzige plausible Erklärung war die, mit der der Geologe und Astronom G.B. Airy aufwartete: Er verglich die Gebirge mit Eisbergen, und stellte fest, dass sie unter der Oberfläche tiefreichende "Wurzeln" haben mussten, die sie im Gleichgewicht hielten. Zusätzlich aber müsse es einen Unterschied in der Dichte des Materials geben, damit die Berge auch wie Eisberge auf dem flüssigen Magma schwimmen.

Tatsächlich schienen die Gesteinsschichten unter den Gebirgen erheblich dicker zu sein, als die dünnen Ablagerungen auf dem Meeresgrund. Und auch ein Dichteunterschied zeigte sich: Die ozeanischen Böden bestanden meist aus dunklem basaltischen Gestein hoher Dichte, während in den Gebirgen meist helles Granitgestein geringerer Dichte überwog. Doch wie waren diese Unterschiede zustande gekommen? Der "schrumpfende Apfel" allein lieferte dafür keinerlei Erklärung...

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Diaschauen zum Thema
Alfred Wegener
Das Innere der Erde
Hochgebirge
Erdbeben
Vulkanismus
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
100 Jahre Plattentektonik
Alfred Wegener und seine Theorie
Auf der Suche nach einer "Theorie der Erde"
Descartes und die Anfänge eines geologischen Weltbildes
Feuer oder Wasser?
Streit um die "Hauptrolle" bei den geologischen Veränderungen
Von schrumpfenden Äpfeln und Pentagonalnetzen
Wie entstehen Gebirge?
Faltungen, Eisberge und einseitige Kräfte
Das Rätsel der Gebirgswurzeln
Jede Menge ungelöster Rätsel...
Die Situation zur Zeit Wegeners
Die "Bombe" platzt
Wegener präsentiert seine Theorie
Auf tönernen Füßen....
Ablehnung und Kritik
Die Konvektion kommt ins Spiel
Wegener erhält Unterstützung
"Und sie bewegen sich doch..."
Der späte Sieg der Plattentektonik
Wechselwirkungen aller Art
Was passiert an den Plattengrenzen?
Die leise Revolution in der Theorie der Tektonik
Was hat sich bis heute getan?
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Lake Wostok
Quallen
Aktuelle Dossiers
Wie eine lebende Haut
Neue Korrosionsschutzschichten sollen Defekte selbstständig heilen
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts