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Montag, 13.02.2012
Schüler blamiert NASA – oder doch nicht?
Die Geschichte mit der Satelliten-Kollision

April 2008 in Deutschland: „Ich hab den Weltuntergang ausgerechnet!“ Dieser Titel springt den Lesern der deutschen Bildzeitung am Morgen des 13. April in die Augen. „…Und die NASA hat gesagt ich habe recht“, legt das nur bedingt für wissenschaftliche Publikationen bekannte Blatt in der Unterzeile nach. Worum geht es? Wieder einmal um den „Killerasteroid“ Apophis.

Die „sensationelle“ Story…
Der 13jährige Schüler Nico Marquardt, so berichtet die Zeitung, habe die Einschlagswahrscheinlichkeit des Asteroiden neu berechnet. Demnach könnte dieser bei seinem Vorbeiflug im April 2029 mit einem der rund 40.000 Satelliten in der Erdumlaufbahn zusammenstoßen. Abgelenkt durch diese Kollision, hätte Apophis im Jahr 2036 ein Trefferrisiko von 1:450 – und damit deutlich höher als bisher von der NASA errechnet.

Ist ein Einschlag doch wahrscheinlicher als gedacht? 
Ist ein Einschlag doch wahrscheinlicher als gedacht?
© NASA / Don Davis  Ist ein Einschlag doch wahrscheinlicher als gedacht?
Zustande gekommen seien die Berechnungen mit Hilfe sowohl von einem Astronomen der Universität Potsdam als auch von einem Satellitenexperten der ESA. Die NASA habe über den Umweg der ESA ausrichten lassen, er habe recht. Dem Wettbewerb „Jugend forscht“ ist das Projekt des Schülers einen Sonderpreis wert. Und für die Medien ist es ein gefundenes Fressen. „Schüler blamiert NASA“ - mit diesem Tenor machen der Berliner Tagesspiegel und die Fernsehsender N24 und Sat1 mit der Geschichte groß auf. Die Bildzeitung zitiert den Siebtklässler „Der Asteroid hat mir keine Ruhe gelassen. Ich wollte wissen, wie es wirklich ist.“

…und die Wirklichkeit
Wirklich ist an dieser Geschichte allerdings kaum etwas. Außer vielleicht der Tatsache, dass Apophis am 13. April 2029 der Erde so nahe kommt, dass er dabei noch unterhalb der Bahnen der geostationären Satelliten fliegt. Damit hat es sich dann aber auch schon. Denn weder sind die Berechnungen des Schülers korrekt wiedergegeben, noch stimmt das angebliche "Düpieren" der NASA durch Marquardt.

 Erde und geostationärer Satellit
Erde und geostationärer Satellit
© NOAA  Erde und geostationärer Satellit
Die meisten geostationären Satelliten umkreisen die Erde in einem Bereich zwischen dem Äquator und den mittleren Breiten. Der Asteroid wird 2029 diese Zone rund 90 Minuten vor seiner größten Annäherung erreichen. Er ist dann noch 52.000 Kilometer entfernt und damit rund 10.000 Kilometer höher als die Umlaufbahnen der Satelliten. In einem Winkel von 40 Grad fliegt er dann weiter Richtung hohe Breiten und erreicht erst dort seine Minimalentfernung von der Erde von rund 30.000 Kilometern. Hier allerdings gibt es nur wenige Satelliten, die ihm in die Quere kommen könnten.

„Nicht mehr als eine Fliege auf der Windschutzscheibe“
„Die Wahrscheinlichkeit einer zufälligen Kollision mit einem künstlichen Satelliten im Jahr 2029 ist verschwindend gering“, kommentiert daher die NASA am16. April 2008 das Medienspektakel. „Vanishingly unlikely“, wie Apophis-Experte Jon Giorgini es in einem Statement ausdrückt. Tatsächlich war der Potsdamer Schüler in seinen Berechnungen zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen. Wie er gegenüber scinexx erklärt, kam er auf eine Wahrscheinlichkeit von eins zu drei oder vier Millionen. Das allerdings war der Bilduzeitung vermutlich nicht sensationell genug, weswegen es prompt unterschlagen wurde.

Und auch auf ihr Eingeständnis eines Fehlers reagieren die NASA-Forscher eher verständnislos: „Diese Geschichte ist absurd, eine Falschmeldung oder beides“, so Don Yeomans, Leiter des Near Earth Object-Programms der NASA. „Entgegen den Presseberichten wurden wir weder kontaktiert, noch haben wir mit dem deutschen Schüler korrespondiert.“

Und selbst wenn eine Kollision mit einem Satelliten doch eintreten sollte: „Im Extremfall könnte ein großer Satellit die Position von Apophis sieben Jahre später gerade mal um 100 Kilometer verändern“, so Giorgini. „Zu diesem Zeitpunkt [2029] wäre eine Kollision mit einem Satelliten für Apophis wie eine Fliege auf der Windschutzscheibe.“ Die maximale Auslenkung entspräche nicht einmal einem Zehntel der Fehlerspanne, die ohnehin in die Berechnungen einkalkuliert sind.

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