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Sonntag, 12.02.2012
Die Selbstmord-Strategie
Apoptose-Induktion bei HIV-befallenen Zellen

Fast alle gängigen Ansätze in der Aids-Therapie konzentrieren sich bisher darauf, in den Lebenszyklus des Virus einzugreifen und ihn dadurch an der Vermehrung und am Befall neuer Zellen zu hindern. Inzwischen verfolgen jedoch einige Forscher eine völlig neue Strategie, sie wollen nicht den Virus stören, sondern kurzerhand gleich die gesamte befallene Zelle eliminieren.

Ihr Argument: Nicht die neu "vom Band laufenden" Viren müssen bekämpft werden, sondern die "Virusfabriken" selbst. Gerade die infizierten Zellen sind es, die für den andauernden Nachschub von Viren im Körper sorgen. Bei den üblichen Therapien wird zwar die Virusvermehrung in ihrem Inneren blockiert, aber diese Wirkung hält nur solange an, wie auch genügend Hemmstoffe vorhanden sind. Sinkt die Wirkstoffkonzentration, läuft die Produktion in den "Virusfabriken" wieder an und der Viruspegel im Körper steigt.

Eine Lösung für dieses Problem könnten nun Forscher der amerikanischen Washington Universität gefunden haben. Sie entdeckten eine Art "Selbstmord-Enzym", dass, einmal in eine befallene Zelle eingeschleust, diese dazu bringt, sich selbst zu zerstören. Das Enzym, die Caspase, gehört zur Gruppe der Proteasen, den Enzymen, die als Scheren in der Zelle Aminosäureketten zerschneiden. Doch wie läßt sich dieses Selbstmord-Enzym in die Zellen einschleusen?

Auch hierfür fanden die Forscher eine Lösung: Sie nutzen ein HIV-Protein als Träger. Die Caspase wurde so genetisch verändert, dass sie einen Teil eines HIV-Proteins mit sich führt. Dieses Protein hilft normalerweise dem Virus, relativ problemlos in die Wirtszellen einzudringen, und eignet sich daher optimal als Schleusermolekül für das "Selbstmord-Enzym" Caspase. Einmal in der befallenen Zelle angelangt, nutzt das trojanische Pferd nun auch noch die Dienste eines weiteren Virusproteins, um sich von seinem Träger zu befreien. Das freie Caspase-Molekül macht sich prompt an die Arbeit und programmiert die Zelle so um, dass sie Selbstmord begeht und abstirbt.

Erste Laborversuche haben gezeigt, dass diese Methode offenbar nicht nur hoch effizient in der Vernichtung der infizierten Zellen ist, sondern auch die gesunden Zellen verschont. Da bei diesem Therapieansatz nicht in den Lebenszyklus des Virus sondern in den der Zelle eingegriffen wird, ist auch die Gefahr einer Resistenzbildung sehr gering. Der Vorteil dieser Therapie liegt auf der Hand: Da der Wirkstoff nicht ständig in hoher Konzentration präsent sein muss, um seine Wirkung zu entfalten, könnte es genügen, diese Behandlung ein paar Mal in unregelmäßigen Abständen zu wiederholen, um nach und nach alle befallenen Zellen und damit auch die "Nester" der Viren im Körper zu eliminieren. Die Therapie wäre damit einfacher und erheblich billiger als alle bisher gängigen Behandlungsmethoden.

Ist damit vielleicht endlich die Wunderwaffe gegen Aids in Sicht? Die Hoffnungen sind groß, doch noch sind keine klinischen Tests gelaufen. Ob die Methode tatsächlich auch beim Menschen so effektiv funktioniert wie im Labor, muss sich erst noch erweisen.

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