Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Sonntag, 12.02.2012
Stochern im Nebel....
Impfstoffforschung mit Hindernissen

HI-Viren 
HI-Viren
© CDC
Auch wenn es inzwischen für die Aids-Therapie einige vielversprechende Ansätze gibt, in der Impfstoffforschung sind die Ergebnisse eher kümmerlich. Nach mittlerweile 15 Jahren der Suche hat es mehr falsche Hoffnungen und Holzwege als tatsächlich erfolgreiche Ansätze gegeben. Keinem der experimentellen Impfstoffe ist es bisher gelungen, den Hindernislauf der Tests bis zum Schluss zu durchlaufen. Und die Prognosen für einen effektiven Impfstoff lauten nach wie vor: "Frühestens in fünf bis zehn Jahren."

Dies ist um so fataler, da nur ein Impfstoff einen echten Durchbruch im Kampf gegen die sich noch immer ausbreitende Seuche bringen kann. Er könnte im Idealfall eine Neuinfektion verhindern oder aber wenigstens - so die Hoffnung der Forscher - den Ausbruch der Krankheit bei bereits Infizierten blockieren.

Weltweit sind die Aidsforscher deshalb schon seit Jahren fieberhaft auf der Suche nach einer solchen Waffe gegen die Krankheit. Sie verfolgen dabei sehr unterschiedliche Ansätze und testen sowohl die Wege der klassischen Impfstoffforschung, als auch völlig neue, bisher noch nie im Kampf gegen ein Virus eingesetzte Methoden und Strategien. Die Wandelbarkeit des Virus und die noch immer nicht vollständig verstandenen Mechanismen, die bei der HIV-Infektion im Körper und in den Zellen ablaufen, machen ihre Suche nach einem Impfstoff nicht nur zu einem Rennen gegen die Zeit, sondern stellenweise auch zu einem Hindernislauf im Nebel.

An den bisher mangelnden konkreten Erfolgen sind jedoch auch die Pharmakonzerne nicht ganz unschuldig: Während für die Entwicklung von Aids-Therapien Milliardensummen investiert werden, erhält die Impfstoffforschung nach wie vor nur einen Bruchteil dieser Förderung. Ein Impfstoff, der im besten Falle nach einmaligem Einsatz dauerhaft schützt, ist eben lange nicht so lukrativ wie ein Aids-Medikament, dass von den HIV-Infizierten lebenslang genommen werden muss.

Inzwischen beginnt sich allerdings diese Haltung zu verändern, der politische Druck auf die Konzerne wächst: 1997 erklärte der amerikanische Präsident Bill Clinton die Entwicklung eines Aids-Impfstoffs innerhalb der nächsten zehn Jahre zu einem offiziellen nationalen Ziel der USA. Auf internationaler Ebene riefen die G7 und G8-Gipfel zum Kampf gegen Aids und der verstärkten Suche nach einer wirksamen Impfung als globale Aufgabe auf.

Die 1996 gegründete Internationale Aids-Vaccine Initiative (IAVI), eine regierungsunabhängige Organisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Entwicklung eines sicheren, effektiven und weltweit allen zugänglichen Impfstoffes zu fördern, hat sich inzwischen zu einer der treibenden Kräfte in der internationalen Koordinierung der unterschiedlichen Forschungsansätze entwickelt. Unterstützt wird die Initiative nicht nur durch Spenden von Privatmenschen und Organisationen, auch politisch Verantwortliche tragen die IAVI mit. 1999 gehörte daher nicht nur Bill Gates mit immerhin 25 Millionen Dollar zu den Spendern, auch die britische Regierung unterstützte die IAVI mit 14 Millionen Pfund.

Doch selbst unter den mittlerweile etwas besseren finanziellen Bedingungen ist die Suche nach einer wirksamen Strategie gegen Aids nicht einfach. Viele der anfänglich favorisierten klassischen Ansätze haben sich inzwischen als ungeeignet herausgestellt, die neuen Techniken und Methoden sind zwar vielversprechend, aber noch unerforscht und wegen ihrer Komplexität erheblich zeitaufwendiger.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Facts
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
AIDS
Auf der Suche nach der Wunderwaffe
UNAIDS: Aids wütet wie nie zuvor
Drei Millionen Tote in diesem Jahr
Immer mehr HIV-Infizierte in Deutschland
Robert Koch-Institut: Jährlich 700 Aidstote
Waffe gegen ein Virus gesucht...
Das Problem der richtigen Ansatzstelle
Prinzip: Blockieren wo es nur geht
Die Ansatzstellen der gängigen Aids-Medikamente
Die Übersetzung verhindern
Reverse Transkriptase Inhibitoren
Die Protein-Schere stumpf machen...
Protease-Inhibitoren
Die Selbstmord-Strategie
Apoptose-Induktion bei HIV-befallenen Zellen
Das Übel an der Wurzel packen...
Gentherapie gegen Aids?
Stochern im Nebel....
Impfstoffforschung mit Hindernissen
Erster Versuch: die klassische Variante
Schutzimpfung mit abgeschwächten oder abgetöteten Erregern
Zweiter Versuch: Bruchstücke statt ganzer Viren
Protein und Peptid-Impfstoffe
Dritter Versuch: Schafe im Wolfspelz
Andere Impfstoffe als Träger
Der vierte Versuch: Die Do-it-Yourself Methode
Plasmide als DNA-Überträger
Sind DNA-Impfstoffe die Lösung?
Erste Erfolge, aber auch erste Enttäuschungen
Eine Seuche breitet sich aus...
Die Chronik der Ereignisse
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Lake Wostok
Quallen
Aktuelle Dossiers
Wie eine lebende Haut
Neue Korrosionsschutzschichten sollen Defekte selbstständig heilen
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts