Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Sonntag, 12.02.2012
Erster Versuch: die klassische Variante
Schutzimpfung mit abgeschwächten oder abgetöteten Erregern

Im Prinzip haben alle Impfstoffe das gleiche Ziel: zu verhindern, dass eine Krankheit ausbricht. Um dieses Ziel zu erreichen, nutzen sie jedoch ganz unterschiedliche Strategien. Am besten wäre es natürlich, schon von vornherein jede Infektion mit einem Krankheitserreger zu verhindern, doch dies gelingt bisher kaum einem Impfstoff. In den allermeisten Fällen setzt der Imfpschutz erst ein, wenn die Erreger bereits in den Körper eingedrungen sind.

Auf unterschiedliche Weise mobilisiert dabei der Impfstoff schon frühzeitig die Immunabwehr des Körpers gegen den Erreger und verhindert so dessen Ausbreitung und Vermehrung. Die meisten klassischen Impfstoffe wirken nach diesem Prinzip: Sie bestehen entweder aus einer harmlosen Form des Erregers oder einigen Teilkomponenten, die schon vor der eigentlichen Infektion die Produktion von Antikörpern gegen den speziellen Erreger auslösen. Zusätzlich werden B- und T-Gedächtniszellen gebildet, die den "Feind" bereits kennen, und bei einer Infektion daher nicht erst lernen müssen, mit wem sie es zu tun haben.

Im Falle des Aidserregers ist diese Strategie der klassischen Schutzimpfung allerdings problematisch: Alle bisherigen Versuche, geschwächte oder teilweise inaktivierte HI-Viren als Impfstoff zu nutzen, erwiesen sich als nicht sicher genug: 1992 sah es zunächst sehr hoffnungsvoll aus: Forschern des New England Primate Center in den USA war es gelungen Affen vor einer Infektion mit der Primatenvariante von Aids (SIV) zu schützen, indem sie ihnen ein durch die Zerstörung eines Gens geschwächtes Virus verabreichten. Schon hoffte man auf den lange ersehnten Durchbruch.

In Frankreich und Großbritannien begannen umgehend auch andere Wissenschaftlergruppen, mit dem geschwächten Virusstamm zu experimetieren und so viele Aidsgene wie möglich auszuschalten, ohne die Schutzwirkung zu schwächen. Neue Nahrung erhielt das Ganze auch durch Berichte aus Australien und den USA, nach denen Menschen, die bereits auf natürlichem Wege mit einem durch den Verlust dieses "nef-Gens" geschwächten Virus infiziert worden waren, kaum Anzeichen einer Verschlechterung ihres Zustands zeigten.

Doch schon wenige Jahre später mussten die Forscher ihre Hoffnung auf einen Durchbruch aufgeben: Bei zahlreichen Tests hatte sich herausgestellt, dass auch das durch den Genverlust abgeschwächte Virus noch eine Immunschwäche auslösen konnte. Versuche, noch mehr Gene des HI-Virus auszuschalten, um diese Gefahr abzuwenden, schlugen fehl: Fehlten zu viele Gene, unterschied sich die geschwächte Form zu sehr vom "echten" Virus, der Impfschutz war nicht mehr ausreichend.

Ähnlich erging es auch den Versuchen, durch Abtötung inaktivierte Viren als Impfstoffe einzusetzen. Das Risiko, unbeabsichtigt eine Infektion auszulösen, wird heute bei beiden Varianten der klassichen Methode als viel zu hoch angesehen, sie werden daher nicht mehr weiter verfolgt. Stattdessen sind die Forscher gezwungen, auf der Suche nach einem Schutz vor Aids neue Wege zu beschreiten...

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Facts
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
AIDS
Auf der Suche nach der Wunderwaffe
UNAIDS: Aids wütet wie nie zuvor
Drei Millionen Tote in diesem Jahr
Immer mehr HIV-Infizierte in Deutschland
Robert Koch-Institut: Jährlich 700 Aidstote
Waffe gegen ein Virus gesucht...
Das Problem der richtigen Ansatzstelle
Prinzip: Blockieren wo es nur geht
Die Ansatzstellen der gängigen Aids-Medikamente
Die Übersetzung verhindern
Reverse Transkriptase Inhibitoren
Die Protein-Schere stumpf machen...
Protease-Inhibitoren
Die Selbstmord-Strategie
Apoptose-Induktion bei HIV-befallenen Zellen
Das Übel an der Wurzel packen...
Gentherapie gegen Aids?
Stochern im Nebel....
Impfstoffforschung mit Hindernissen
Erster Versuch: die klassische Variante
Schutzimpfung mit abgeschwächten oder abgetöteten Erregern
Zweiter Versuch: Bruchstücke statt ganzer Viren
Protein und Peptid-Impfstoffe
Dritter Versuch: Schafe im Wolfspelz
Andere Impfstoffe als Träger
Der vierte Versuch: Die Do-it-Yourself Methode
Plasmide als DNA-Überträger
Sind DNA-Impfstoffe die Lösung?
Erste Erfolge, aber auch erste Enttäuschungen
Eine Seuche breitet sich aus...
Die Chronik der Ereignisse
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Quallen
Lake Wostok
Aktuelle Dossiers
Wie eine lebende Haut
Neue Korrosionsschutzschichten sollen Defekte selbstständig heilen
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts