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Sonntag, 12.02.2012
UNAIDS: Aids wütet wie nie zuvor
Drei Millionen Tote in diesem Jahr

London (rpo). Die Immunschwäche Aids wütet weiter weltweit. Allein in diesem Jahr werden drei Millionen Tote erwartet, so viele wie nie zuvor. Und auch die Zahl der Neuinfektionen war nie höher. Die Zahlen in Deutschland gehen auch wieder in die Höhe.

Zu diesem deprimierenden Resultat gelangen das Aids-Bekämpfungsprogramm der Vereinten Nationen (UNAIDS) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in ihrem Jahresbericht zur Ausbreitung der Krankheit, der am Dienstag in London veröffentlicht wurde.

Demnach starben in diesem Jahr etwa drei Millionen Menschen an Aids, fünf Millionen infizierten sich mit HIV. "Unsere derzeitigen weltweiten Bemühungen bleiben gänzlich unangemessen angesichts einer Epidemie, die weiter außer Kontrolle gerät", sagte UNAIDS-Direktor Peter Piot.

Weltweit derzeit etwa 40 Millionen HIV-Infizierte
Der Bericht korrigiert vorangegangene Schätzungen leicht nach unten. Die Zahlen von 5 Millionen Neuinfizierten und 3,1 Millionen Aidstoten aus dem vergangenen Jahr hätten sich als etwas zu hoch erwiesen, erläuterte UNAIDS-Epidemiologe Peter Ghys.

Dies bedeute jedoch nicht, dass die Zahl der HIV-Infizierten gesunken oder etwa die Aidsepidemie rückläufig sei, betonte UNAIDS. Bessere Daten hätten lediglich zu genaueren Schätzungen geführt.

Dem neuen Bericht zufolge leben weltweit derzeit etwa 40 Millionen HIV-Infizierte, darunter 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren. Im Jahr 2003 steckten sich täglich 14 000 Menschen neu mit dem Virus an, hieß es. Von diesen lebten mehr als 95 Prozent in Ländern mit durchschnittlichen oder niedrigen Einkommen.

39.000 Infizierte in Deutschland
In Deutschland ist die Zahl der HIV-Neuinfektionen im vergangenen Jahr erstmals seit 1997 wieder gestiegen. Dies geht aus dem UN-Jahresbericht hervor, der allerdings keine Zahlen nennt.

Nach Zahlen des Robert-Koch-Instituts lebten Ende 2002 rund 39.000 Menschen mit HIV-Infektion in der Bundesrepublik. Die Neuinfektionen im vergangenen Jahr wurden auf 2.000 beziffert. Im Gegensatz zu UNAIDS spricht das Institut bei den Neuinfektionen des vergangenen Jahres offiziell noch nicht von einem Anstieg.

Ein Sprecher des Instituts erläuterte der AP, dass aus dem Datenmaterial in der Tat ein leichter Anstieg herausgelesen werden könne, der aber möglicherweise mit dem Meldeverhalten zu erklären sei. Deshalb interpretiere das Robert-Koch-Institut die Daten vorsichtiger.

Fest stehe, dass ein abnehmendes Schutzverhalten und eine Zunahme riskanter Sexualpraktiken bei homosexuellen Männern zu beobachten sei. Von daher könne mit einer Tendenz zur Zunahme von HIV-Erkrankungen gerechnet werden. Das belegten auch die Zahlen des ersten Halbjahres 2003.

Südliches Afrika am schlimmsten betroffen
Am schlimmsten betroffen sind weiterhin die Länder im südlichen Afrika. Dort seien mittlerweile 20 Prozent aller Erwachsenen infiziert, dies sei die höchste Rate seit Ausbruch der Aids-Epidemie. "Effektive HIV-Vorbeugeprogramme müssen drastisch verstärkt werden, wenn wir eine realistische Chance haben wollen, die Zahl der Neuinfektionen einzudämmen", sagte Piot.

Eine neue HIV-Welle bedrohe China, Indien, Indonesien und Russland, hieß es weiter. Die meisten Infektionen rührten dort von ungeschütztem Sex und Drogenspritzen her. Es gebe klare Warnsignale, dass Osteuropa und Zentralasien Ausgangspunkt für neue Aids-Epidemien werden könnten, heißt es in dem Bericht.

Obwohl politische Kampagnen und die Ausgaben für den Kampf gegen Aids in den vergangenen Jahren ständig zugenommen hätten, seien die Verbesserungen zu gering. Besonders der Zugang zu Behandlungen müsse dringend verbessert werden.

Außer den unzureichenden Behandlungsmöglichkeiten kritisiert der UNAIDS-Bericht insbesondere, dass in vielen betroffenen Ländern "überraschend wenig" getan werde, um grundlegende und kostengünstige Vorbeugemaßnahmen umzusetzen.

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