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Sonntag, 12.02.2012
Immer mehr HIV-Infizierte in Deutschland
Robert Koch-Institut: Jährlich 700 Aidstote

HI-Virus 
HI-Virus
© CDC
In Deutschland leben derzeit nach aktuellen Schätzungen des Robert Koch-Instituts etwa 40.000 bis 45.000 Menschen mit einer HIV-Infektion. "Die Zahl der HIV-Infizierten wird auch in den kommenden Jahren weiter steigen, da dank der Behandlungserfolge weniger Menschen sterben, als sich im selben Zeitraum neu infizieren", sagt Reinhard Kurth, Präsident des RKI. Jedes Jahr stecken sich rund 2.000 Menschen neu mit HIV an, 600 bis 700 pro Jahr sterben an den Folgen der HIV-Infektion. Etwa die Hälfte der Neuinfizierten sind Männer mit gleichgeschlechtlichen Sexualpartnern. Nach einem leichten Rückgang der HIV-Erstdiagnosen am Ende der Neunzigerjahre haben die Infektionsepidemiologen im RKI in dieser Gruppe aktuell wieder einen leichten Anstieg registriert.

Etwa zeitgleich ist seit etwa 1999 die Zahl der Syphilisinfektionen bei Männern mit gleichgeschlechtlichen Sexualkontakten deutlich gestiegen. Untersuchungen zum sexuellen Risikoverhalten homosexueller Männer in Deutschland belegen seit Mitte der Neunzigerjahre einen allmählichen Rückgang des Kondomgebrauchs und eine Zunahme von sexuellen Risikokontakten.

Ein zunehmendes Problem bei der Behandlung der HIV-Infektion ist die Entwicklung von Resistenzen gegen die verfügbaren Medikamente. Die unter der Therapie resistent gewordenen Viren können aber bei ungeschützten Sexualkontakten auch auf andere übertragen werden. Eine vom Robert Koch-Institut initiierte Studie zeigt: etwa jeder sechste steckt sich mit HI-Viren an, die bereits bei mindestens einem der gängigen Medikamente eine verringerte Empfindlichkeit zeigen. "Daher sollte entsprechend der europäischen Therapierichtlinien vor Behandlungsbeginn eine Resistenztestung durchgeführt werden", unterstreicht Reinhard Kurth.

Auf einem europäischen Treffen der nationalen HIV-Epidemiologen kürzlich in Paris wurde aus einigen Ländern Westeuropas über eine zunehmende Zahl von neu diagnostizierten HIV-Infektionen vor allem unter Personen aus so genannten Hochprävalenzgebieten berichtet. Gleichzeitig gewinnen insbesondere die HIV-Infektionen bei Drogengebrauchern aus Osteuropa zunehmend an Bedeutung.

"Vor diesem Hintergrund ist die Ankündigung über das Auslaufen der EU-Förderung für das Projekt EuroHIV auf völliges Unverständnis der versammelten nationalen Experten gestoßen", sagt Dr. Osamah Hamouda, Leiter des Fachgebietes Sexuell übertragbare Infektionen, der das Robert Koch-Institut in Paris vertreten hat. EuroHIV sammelt, bewertet und veröffentlicht regelmäßig die aktuellen epidemiologischen Daten aus den Mitgliedsstaaten der EU sowie den 51 Staaten der WHO-EURO-Region.

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