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Sonntag, 12.02.2012
Ein "normales" Reptil mit Federn
…und eine Kampfansage an Darwin und Co.

Steinbruch von Solnhofen 
Steinbruch von Solnhofen
© gemeinfrei  Steinbruch von Solnhofen
Im Jahr 1861 stoßen Arbeiter in einem anderen Bereich des Solnhofener Steinbruchs erneut auf ein Fossil, diesmal ein vollständiges Skelett. Allerdings ist es ziemlich seltsam, wie selbst die Steinbrucharbeiter erkennen: Deutlich zeichnen sich in dem feinen Material krallenbesetzte Klauen und ein dinosaurierartig langer Schwanz ab, gleichzeitig aber finden sich eindeutige Abdrücke von federbesetzten Flügeln. Sie bergen den Fund und verkaufen ihn wenig später an den Landarzt Karl Häberlein, der einen von ihnen medizinisch behandelt.

Häberlein weiß zwar auch nicht genau, um was es sich bei dem Fund handelt, aber auch ihm ist klar, dass es eine Rarität von potenziell großer Bedeutung sein muss. Er bietet das Fossil der Bayerischen Staatssammlung in München an, dieser jedoch ist der von ihm geforderte Preis zu hoch. Im Rahmen der Verhandlungen inspiziert der Paläontologe Albert Oppel das Exemplar und fertigt davon später heimlich eine Skizze an. Heimlich deswegen, weil Häberlein allen Interessenten ausdrücklich verbietet, sich bei der Besichtigung des Fossils Notizen oder Zeichnungen zu machen. Er hofft, durch den Nimbus des Geheimnisvollen den Kaufpreis in die Höhe treiben zu können.

 Der von Häberlien gefundene Archaeopteryx
Der von Häberlien gefundene Archaeopteryx
© H. Raab / CC-by-sa 3.0  Der von Häberlien gefundene Archaeopteryx
„…ein Reptil der Ordnung der Saurier“
Doch noch während Häberlein versucht, das Fossil meistbietend an den Mann zu bringen, hat Oppels heimliche Zeichenaktion weitreichende Folgen. Denn sein Chef, der Konservator der Staatsammlung und Münchener Professor Andreas Wagner, analysiert das Fossil allein aufgrund von Oppels Skizze. Für ihn, der zu dieser Zeit erbitterter Gegner von Darwin und seiner Evolutionstheorie und glühender Anhänger der Schöpfungslehre ist, kann dieses Fossil allerdings nichts anderes sein als ein Reptil. Ein - zugegebenermaßen ungewöhnlicher - Dinosaurier.

In einer Sitzung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften beschreibt er seinen Kollegen das Fossil und seine bisherige Fundgeschichte und kommt dann zu seiner Schlussfolgerung: „Strukturen, die an Federn erinnern, sind von Insekten bekannt, warum also nicht auch in fortgeschrittener Entwicklung bei Reptilien? Und auch wenn die Klasse der Letzteren bisher nichts dergleichen gezeigt hat, ist doch die Paläontologie gewöhnt, zuvor unbekannte Seltsamkeiten in neuen Entdeckungen zu finden. Solange ich nicht durch den Fund der fehlenden Teile vom Gegenteil überzeugt werde, zögere ich nicht, es zu einem Reptil der Ordnung der Saurier zu erklären. Ich gebe ihm daher den Namen Griphosaurus, abgeleitet von ‚Grifon‘ – Rätsel.“

„…fantastische Verblendung“
Eine Interpretation als früher Vogel oder gar Übergangsform zwischen Dinosauriern und Vögeln lehnt Wagner dagegen ausdrücklich ab – nicht ohne Seitenhiebe auf die Anhänger der neuen Evolutionstheorie: „Zum Schluss erlauben Sie mir noch ein paar Worte, um eine Darwinsche Fehlinterpretation unseres neuen Sauriers zu vermeiden. Der erste Eindruck des Griphosaurus mag durchaus den Eindruck erwecken, wir hätten hier eine intermediäre Kreatur vor uns, im Übergang vom Saurier zum Vogel begriffen. Darwin und seine Anhänger werden die neue Entdeckung wahrscheinlich als extrem willkommenen Anlass für eine Rechtfertigung ihrer abenteuerlichen Ansichten über die Veränderungen der Tiere nutzen. Aber dazu haben sie nicht das Recht.”

Denn, so fährt Wagner fort, belegen ließe sich ein echter Übergang nur durch eine lange Reihe von abgestuften Zwischenformen. Im Falle des Griphosaurus sei aber nur ein einziges, noch dazu unvollständiges Exemplar dieser Art bekannt. „Ich darf daher von den Darwinisten fordern, wenn sie Griphosaurus als Kreatur des Übergangs propagieren wollen, dass sie mir die Zwischenstadien zeigen, die die Wandlung eines jeden lebenden oder fossilen Tieres von einer Klasse zu einer anderen vermitteln müssten. Wenn ihnen dies nicht gelingt – und sie können es nicht – sollten ihre Ansichten als fantastische Verblendung verworfen werden, die nichts mit exakter Wissenschaft zu tun haben.“

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