Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Sonntag, 12.02.2012
Ausrutscher oder Zukunftstrend?
Die Aussagen der Statistiken

Sind die Extreme dieses und der letzten Jahre nur "Ausrutscher" im Wettergeschehen oder müssen wir uns darauf einstellen, dass solche Ausnahmen zukünftig zur Regel werden? Die Antwort lautet: Sowohl als auch. Zwar macht "eine Hitzewelle noch keinen Klimawandel" und aus einzelnen Wetterextremen kann noch nicht auf einen Zusammenhang mit dem Klimawandel geschlossen werden, wie auch Klimaforscher immer wieder betonen.

Elbe-Flut Sommer 2002 
Elbe-Flut Sommer 2002
© UFZ
Eine Häufung der Extreme allerdings gilt sehr wohl als wichtiges Indiz, wie auch Stefan Rahmstorf vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PiK) erklärt: "Die Frage lautet nicht, ob speziell die Elbeflut eine Folge der Erderwärmung war, sondern ob die Häufigkeit solcher Unwetter durch die Erderwärmung zunimmt."

Genau dies scheinen die Statistiken jedoch mehr und mehr zu belegen: Rückversicherer - die "Versicherungen für die Versicherungen" - gehören zu den eifrigsten Beobachtern der Ereignisse im Bereich der Naturkatastrophen. Kein Wunder, sind sie es doch, die im Schadensfall die meisten Kosten tragen müssen. Entsprechend viel Arbeit investieren sie in die Dokumentation und statistische Erfassung von Naturkatastrophen.

Und ihre Ergebnisse scheinen eindeutig: Die Münchener Rückversicherung beispielsweise registrierte eine deutliche Zunahme der Katastrophenschäden seit 1950. Die Auswertungen zeigen, dass sich in den 90er Jahren fast drei Mal so viele schwere Naturkatastrophen ereigneten wie in den 60er Jahren. Besonders stark zugenommen haben dabei Stürme und Überschwemmungen - sowohl in ihrer absoluten Anzahl als auch gemessen am Ausmaß der Schäden. Die volkswirtschaftlichen Schäden durch Wetterkatastrophen sind in diesem Zeitraum auf das Dreifache, die versicherten Schäden sogar auch das acht bis vierzehnfache angestiegen.

Für Gerhard Berz, Leiter der GeoRisikoforschung bei der Münchener Rückversicherung, sprechen diese Zahlen eine deutliche Sprache: "Natürlich ist ein Zeitraum von 30 Jahren nicht ausreichend, um ein wirklich repräsentatives Bild von der Katastrophengefährdung in Deutschland zu vermitteln. Der gewählte Zeitabschnitt kann aber im Hinblick auf die beobachteten Naturkatastrophen als durchaus typisch gelten."

Der gleichen Ansicht ist auch Professor Christian Schönwiese vom Institut für Meteorologie und Geophysik der Universität Frankfurt: Zwar sei klar, dass einige warme Monate noch kein Beleg für einen Klimawandel seien, "Aber der diesjährige Sommer liegt im Trend", erklärte der Wissenschaftler Anfang August gegenüber der dpa.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Wetterextreme
Klimatische "Ausrutscher" oder Folgen des Klimawandels?
Rekordsommer und schleichendes "Fieber"
Die Situation in Deutschland
Hitze, Hochwasser und Tornados
Weltweite Wetterextreme 2003
Rote Flecken über Europa...
Die europäische Hitzewelle im Vergleich zu 2001
Ausrutscher oder Zukunftstrend?
Die Aussagen der Statistiken
Der alljährliche Jahrhundertsommer...
Nehmen Wetterkatastrophen zu?
Ein geteiltes Deutschland...
Wie wird das Klima der Zukunft in Deutschland?
Mit "No-Regret" und "Win-Win"-Strategien...
Ist das Klima noch zu retten?
Anpassen statt Verdrängen
Was kann (muss) getan werden?
Weniger Autofahren für den Klimaschutz?
Umfrage testet Klimabewusstsein der Deutschen
und mehr...
Zum Weiterlesen...
Links und Literatur zum Thema
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Lake Wostok
Quallen
Aktuelle Dossiers
Wie eine lebende Haut
Neue Korrosionsschutzschichten sollen Defekte selbstständig heilen
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts