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Sonntag, 12.02.2012
Petermanns Visionen
Der Nordpol in einem schiffbaren Meer

82.7° Nord - weiter als der Brite W.E. Parry ist Mitte des 19. Jahrhunderts noch niemand Richtung Pol vorgedrungen. Ideen und Vorstellungen darüber, wie es weiter nördlich aussehen könnte, gibt es trotzdem viele, doch sind sie noch wenig konkret und häufig ausgesprochen widersprüchlich.

Während manche Forscher der Meinung sind, dass ein arktischer Kontinent existieren könnte, gehen andere davon aus, dass der Nordpol inmitten eines gigantischen Ozeans liegt, der schiffbar ist. Um an dieses Meer zu gelangen müsste "nur" der ausgedehnte Eisgürtel überwunden werden, der das Polarmeer überall umgibt.

Kartograph August Petermann 
Kartograph August Petermann
© Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung
Zu den Anhängern dieser letzten Theorie gehört auch der deutsche Kartograph August Petermann im Jahr 1865. Zwar hat er keine großartige Arktiserfahrung, dafür aber um so genauere Visionen, wie man an das Ziel aller Träume, an den Nordpol, gelangt: "Schiffe, welche diesen Eisgürtel durchbrechen, werden ein schiffbares Meer in den höchsten Breiten und bis zum Pol selbst finden. Ein geeigneter Schraubendampfer könnte in der rechten Jahreszeit eine Reise nach dem Nordpol und zurück in zwei bis drei Monaten zurücklegen."

Ganz so leicht, wie er sich die Sache vorstellt, wird der Vorstoß nach Norden für die Deutschen nicht. Das wird sich schon bald herausstellen. Immerhin gelingt es ihm aber mit seinen euphorischen Versprechungen und Ausführungen das Interesse in Deutschland für eine Nordpolar-Reise zu wecken. Trotz bereits fertig ausgearbeiteter Routenvorschläge und einem Appell an die nationale Ehre findet er zunächst aber keine Geldgeber für seine Expedition, die neben Ruhm auch wissenschaftliche Erkenntnisse bringen soll.

Schließlich - nach dreijähriger vergeblicher Suche nach Sponsoren - startet dann aber 1868 dann doch noch die erste deutsche Expedition von Bergen aus zum Nordpol. Nur ein einziges Schiff - der umgebaute norwegische Robbenfänger Grönland - soll sich unter Leitung der erfahrenen Kapitäns Carl Koldewey sich bis 75° Nord und weiter polwärts vorzukämpfen. Entlang der Ostküste Grönlands wird die Fahrt gehen, alternativ ist an eine Erkundung des Seegebiets östlich von Spitzbergen gedacht.

Doch so sehr sich die Männer um Koldewey auch bemühen, überall stoßen sie auf undurchdringliches Packeis. Beim letzten Versuch erreicht die Grönland immerhin eine nördliche Breite von 81° 1'. Doch dann ist auch hier in der Spitzbergen-Region an eine Weiterfahrt nicht mehr zu denken.

Trotz Strömungs-, Wind- und Temperaturmessungen und wichtigen Eisbeobachtungen geht selbst Koldewey davon aus, dass die Mission gescheitert ist. Frustriert, aber nicht entmutigt, treten die Arktisforscher ihre Heimreise an und treffen am 10. Oktober 1868 gesund und munter wieder in Bremerhaven ein.

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