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Mittwoch, 23.05.2012
Weg mit der grünen Hölle
Brandrodung für Papier und Hamburger

Nicht ganz so umweltverträglich wie die Ureinwohner mit ihrer shifting cultivation geht dagegen der Rest der Menschheit mit den tropischen Wäldern um. Jeder weiß von der systematischen Zerstörung des Regenwaldes, man kennt die Fernsehspots, die davor warnten, alle zwei Minuten werde eine Fläche, so groß wie ein Fußballfeld, abgeholzt. Viel getan hat sich dennoch nicht.

Gerodeter Tropenwald 
Gerodeter Tropenwald
© Avis Multimedia Entertainment Inc.
Die Tropenwälder werden schneller zerstört als jeder andere Lebensraum. Vor nur 150 Jahren noch bedeckten sie 12% der Erdoberfläche und bargen dabei rund die Hälfte aller weltweiten Wälder. Mehr als die Hälfte hat der Mensch bereits zerstört. Auch heute noch werden rund 200.000 km² Wald pro Jahr verbrannt - dabei wird mehr Kohlendioxid frei gesetzt, als beim Verbrauch aller fossilen Brennstoffe zusammen.

1970 rückten in Brasilien die ersten Bulldozer an, um die grüne Hölle, die keinerlei wirtschaftlichen Nutzen für das Land barg, zu bekämpfen und Platz für die hungernde Bevölkerung zu schaffen. Der Ackerbau auf dem vermeintlich fruchtbaren Grund sollte Amazonien in die Kornkammer des Landes verwandeln. Acht Jahre später waren bereits 100.000 km² Wald vernichtet.

Damals war diese Aktion vielleicht sogar noch verständlich. Bereits in den 60er Jahren hatten Wissenschaftler zwar bereits mit der Vorstellung aufgeräumt, der Boden des Regenwaldes sei ein fruchtbares Paradies, aber Irren ist schließlich menschlich und der Verlust von ein paar Hektar Regenwald erschien noch immer besser als eine Revolution der hungrigen Massen.

 Brasilien: Nur die dunkelgrünen Flächen sind noch von Wald bedeckt
Brasilien: Nur die dunkelgrünen Flächen sind noch von Wald bedeckt
© NASA
Heute aber ist zweifelsfrei erwiesen, dass Brandrodung nur eine sehr kurzfristige Lösung sein kann. Nach nur wenigen kargen Ernten hat die Erosion die fruchtbare Asche entfernt. Phosphate, ein wichtiger Nährstoff, verbinden sich in tropischen Böden mit Eisen und Aluminium zu rotem Laterit. Unfruchtbarer Wüstensand bleibt zurück. Wenn hier noch etwas wachsen kann, so ist es afrikanisches Steppengras. Zebus, eine genügsame Rinderrasse, weiden dort und werden später in Form von Hamburgern nach Nordamerika, Europa und Japan verschifft.

Vor einer solchen Brandrodung werden meistens die tropischen Edelhölzer geschlagen, die ebenfalls in Industrienationen exportiert werden, die ihre eigenen Wälder schonen wollen. Aber nur etwa jeder 500ste Baum eignet sich zu diesem Zweck - die anderen werden, wenn überhaupt, zerhächselt und zu Papier verarbeitet.

Einige Holzfirmen rühmen sich mittlerweile damit, nur gezielt die Bäume zu fällen, deren Edelhölzer verwendet werden können. Der Rest des Waldes wird stehen gelassen - nur scheinbar eine umweltfreundliche Maßnahme. Jeder umstürzende Baum reißt eine Schneise in den dichten Bewuchs, die schweren Bulldozer zerstören das oberflächennahe Wurzelgeflecht und die symbiotischen Pilze. Durch das Loch im ehemals dichten Kronendach dringt die Sonne und trocknet den Waldboden aus. Im sonst immerfeuchten Regenwald droht nun Feuergefahr. Zudem können nun die starken Regenfälle ungehemmt den dünnen Humus abtragen. Über die Wege, die die Bulldozer in den Wald geschnitten haben, können Siedler nachfolgen und ihrerseits kleinere Flächen roden.

Es ist unübersehbar, dass die Nutzung des Regenwaldes aufgrund des nährstoffarmen Bodens sich für die Menschheit auf lange Sicht nicht lohnen kann. Auf der anderen Seite liefern tropische Pflanzen schon heute eine Vielzahl von Verbindungen, die als Medikamente gegen Krankheiten wie Leukämie, Malaria oder Schizophrenie verwendet werden. Gentechniker werden auch in Zukunft frischen genetisches Material benötigen, um die Monokulturen der Kaffee-, Kakao- oder Bananen-Plantagen vor Schädlingen und Viren zu schützen und Chemiker nutzen die vielfältigen chemischen Verbindungen der Pflanzen und Tiere.

Diese Nutzung des Waldes könnte im Einklang mit der Natur erfolgen. Zumindest wenn die verbleibenden Waldflächen noch in der Lage sind, den Wasserkreislauf aufrecht zu erhalten und ihr benötigtes Klima zu bewahren.

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