Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Donnerstag, 02.09.2010
Geld für Schulen, Schulden oder Rüstung
Beispiel Tansania

Die Ausgaben des ostafrikanischen Landes Tansania für Zinsen und Tilgungsleistungen sind drei- bis viermal höher als die für sein Schulwesen. Das Bildungsniveau ist katastrophal: 30 Prozent der Kinder besuchen keine Schule, ein Viertel der Menschen sind Analphabeten. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung Tansanias lebt unter der Armutsgrenze und hat kein Geld für Arztbesuche oder Medikamente. Die Schuldentilgung des Landes liegt aber sechsmal so hoch wie die Ausgaben für das öffentliche Gesundheitswesen. Die Zahlen überzeugen scheinbar.

Jedoch auch ohne Schulden würde Tansania nicht viermal soviel für sein Erziehungswesen oder sechsmal soviel für das Gesundheitswesen ausgeben. Allein die Bundesregierung gab seit der Unabhängigkeit 1964 2,8 Milliarden Mark an Entwicklungshilfe und Kredite an das Land. Ende der siebziger Jahre erließ Bonn Tansania alle Staatsschulden. Seitdem "schenkt" Bonn das Geld nur noch, etwa 100 Millionen im Jahr, davon die eine Hälfte bilateral, die andere über multilaterale Institutionen. Mindestens die gleiche Summe bekommt Tansania von den deutschen Kirchen. Bonn kann Tansania also keine Schulden erlassen, da keine bilateralen Schulden existieren.

Die Erfahrung hat außerdem gezeigt, daß nach einem bilateralen Schuldenerlaß in kurzer Zeit bei anderen Gläubigern neue Schulden angehäuft werden. Dies führt zu der Frage, wie seriös die Länder, die in der sogenannten Schuldenfalle sitzen, wirtschaften und was sie machen, um die Lage zu ändern. Die Militärausgaben Tansanias wurden in den vergangenen Jahren nicht gekürzt. Sie allein entsprächen in etwa der jährlichen Schuldentilgungsrate. Auch hat sich in Tansania kein Wirtschaftsklima entwickelt, daß privates Geld von außen anlockt, um damit Arbeitsplätze für die Menschen zu schaffen und ein höheres Steueraufkommen für den Staat.

Auslandsinvestoren fühlen sich auch nach vier Jahren unter dem neuen Präsidenten Benjamin Mkapa durch die zu aufgeblasene Bürokratie und die massive Korruption im Land von Investitionen abgehalten. Dabei ist Tansania eigentlich ein schlechtes Beispiel. Denn das Land hat bisher seine Schulden recht regelmäßig getilgt. Zudem verfügt es im Vergleich zu anderen Dritte-Welt-Ländern über Wirtschaftsdaten, die noch zu gut sind, um in den Genuß der Initiative zugunsten der sogenannten hochverschuldeten armen Länder (HIPC) zu kommen.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Desertifikation
Lässt sich die Wüstenbildung aufhalten?
Mehr als nur Ausbreitung der Wüsten...
Definition und Zahlen zur Desertifikation
Auch in Europa?
Desertifikation - nicht nur ein Problem der Entwicklungsländer
Indikatoren
Woran erkennt man eine drohende Wüstenbildung?
Überleben durch Vielseitigkeit
Die Tuareg
Nachhaltigkeit als Überlebensprinzip
Die Buschleute der Kalahari
Ausweichen und Standhalten zugleich...
Wanderarbeiter in Mali
Ist das Problem "hausgemacht?"
Die Ursachen im Überblick
Von Bodenrechten, Geld und Schulden
Die Rolle der Ökonomie
Verwüstungsschutz Wald
Desertifikation als Folge der Abholzung
Sind die Nomaden schuld?
Überweidung als Ursache der Wüstenbildung
Desertifikation - Hunger - Umweltflüchtlinge
Der Exekutivdirektor des UN-Umweltprogrammes, Klaus Töpfer über die Folgen der Wüstenbildung
Auf der Suche nach effektiven Lösungen
Strategien im Kampf gegen die Desertifikation
Nicht gegen, sondern mit der Bevölkerung...
Das Projekt "Schutz des Waldes" in Abengouru
Einfache Mittel - große Wirkung
Mit traditionellen Anbautechniken gegen die Erosion
Grüne Flecken in der Wüste
Das Kufra-Projekt in Libyen
Schuldenerlaß als Weg aus der Verwüstung?
G 8-Gipfel in Köln beschließt 70 Millionen Dollar Schuldenerlaß
Geld für Schulen, Schulden oder Rüstung
Beispiel Tansania
Geschichte der UN-Wüstenkonvention
Beschlüsse und Protokolle der Vereinten Nationen
und mehr...
Zum Weiterlesen
Links und Literatur
Top-Diaschauen
Masdar City
Quallen
2012 und die Maya
Archäologische Funde
Das Innere der Erde
Aktuelle Dossiers
Wasser mit nebulöser Wirkung
Neues aus der Wolkenforschung
Streit um Archaeopteryx und Co.
Auf der Suche nach dem „Missing Link“ zwischen Dinosauriern und Vögeln
Reise zum Mittelpunkt der Erde
Neues aus dem Inneren unseres Planeten
Der Hund denkt mit
Tiere knacken ein vermeintlich menschliches Privileg
Sieht Deutschland bald alt aus?
Dem demografischen Wandel auf der Spur
Der große Blow-Out
Ölflut im Golf von Mexiko
Leichtbau: Schlankheitskur für Auto und Co.
Neue Verbundstoffe machen Konstruktionen leichter und energiesparender
Überlebenskampf am Kap
Südafrikas Artenvielfalt in Gefahr?
Blutiger Beweis
Wie arbeiten Rechtsmediziner wirklich?
Chimären
Künstliche Mensch-Tier-Mischwesen: Hybris oder Chance?