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Sonntag, 12.02.2012
Der Gefahr ins Auge sehen...
Frühwarnsysteme

Die Lösung ist auf den ersten Blick relativ einfach. Man müsste nur ein Frühwarnsystem haben, das rechtzeitig meldet, wenn ein Erdrutsch droht. Die Menschen in den betroffenen Regionen könnten dann so schnell wie möglich informiert oder evakuiert werden.

Erdrutsch in bewohntem Gebiet 
Erdrutsch in bewohntem Gebiet
© USGS
Leichter gesagt als getan, so lautete die Reaktion der Geologen auf diesen findigen Vorschlag. Erstens sind die Vorgänge im Boden vor und während eines Erdrutsches so komplex und vielschichtig, dass sie bis heute nicht restlos geklärt sind; zweitens laufen sie meist so schnell ab, dass wenn der Prozess einmal in Gang gesetzt ist, keine Zeit für eine Warnung mehr bleibt.

Trotzdem gab es in den USA schon vor 15 Jahren erste Experimente mit einem solchen Frühwarnsystem. Das USGS hatte sich dafür 1986 die Region der San Francisco Bay als Testgelände ausgesucht.

Das "Start Up"-System basierte in erster Linie auf Niederschlagsmessungen und berücksichtigte zwei Schwellenwerte, nach deren Überschreiten eine Erdrutschwarnung ausgegeben wurde. Die Wissenschaftler besaßen schon damals genug Daten, um konkrete Regenfallmengen festzulegen, die direkt mit einer erhöhten Erdrutsch-Aktivitäten korrelierten.

Um eine mögliche Gefahr möglichst präzise zu ermitteln, kombinierten die Forscher in ihrem Warnsystem Kurz- und Langzeitkontrollen. Der erste Schwellenwert galt als überschritten, wenn eine auf jahrelangen Mittelwerten basierende saisonale Niederschlagsmenge in der Bay-Region niedergegangen war. Der zweite dagegen bezog sich auf Einzelereignisse wie Wolkenbrüche, bei denen in kürzester Zeit mehr als 30 Prozent der lokalen, durchschnittlichen Niederschlagsmengen fielen.

75 Niederschlagsmessstellen und zahlreiche technische Geräten, die beispielsweise den Porendruck im Grundwasserspiegel ermittelten, standen den Wissenschaftlern zur Verfügung. Sie ermöglichten schon damals relativ präzise Voraussagen darüber, wann der Niederschlag gefährliche Höhen erreichte. Die Anwohner waren von dem System begeistert.

"Selbst wenn man in einer erdrutschsensiblen Region lebt, ist man nur einige wenige Tage im Jahr wirklich in Gefahr," sagt dazu heute Ray Wilson, einer der am Projekt beteiligten Erdrutsch-Experten vom USGS. "An solchen Tagen reicht es eine Warnmeldung über die lokalen Radiostationen zu verbreiten, wann der Zeitpunkt gekommen, ist die eigenen Häuser zu verlassen. Wer sich dann trotzdem entscheidet zu bleiben, legt sein Leben in Gottes Hände."

Lange Zeit war es im Gespräch das durchaus funktionierende System auf den Bereich des gesamten Los Angeles County auszuweiten. Aber Einsparungsmaßnahmen im USGS führten - leider - zum abrupten Ende des Programms.

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