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Sonntag, 12.02.2012
Lawinen des Todes
Was sind Lahars?

13. November 1985, Kolumbien. Bei der Explosion des Feuerbergs Nevado del Ruiz werden Unmengen heißer Asche und Gesteins ausgeworfen. Das vulkanische Material und die Gas- und Aschewolken verbreiten sich blitzschnell über den schneebedeckten Gletscher und lassen große Mengen davon abtauen. Eine Lawine aus heißer Lava, Asche, geschmolzenem Schnee und Schlamm bahnt sich ihren Weg Richtung Tal und sammelt dabei weiteres Geröll und Sedimente ein. Mit der Zeit entstehen so heiße Lahars von gigantischem Ausmaß und großer Dichte.

Vulkanausbruch 
Vulkanausbruch
© USGS
40 Meter dick sind diese Fluten, als sie in den Flußtälern weitab vom Vulkan ankommen. Sie bewegen sich mit einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde vorwärts. Knapp zweieinhalb Stunden nach dem Ausbruch erreicht schließlich eine dieser Lahars die 74 Kilometer vom Explosionskrater entfernt gelegene Stadt Armero und begräbt sie unter einer dicken Schlamm- und Geröllschicht. 23.000 Menschen kommen bei dieser Katastrophe ums Leben. Eine Katastrophenwarnung hatte es nicht gegeben.

Lahars wie diese treten an vielen Vulkanen weltweit immer wieder auf und sorgen für gewaltige Schäden in den betroffenen Regionen. Wissenschaftler haben sogar herausgefunden, dass die meisten Todesopfer bei Vulkanausbrüchen auf das Konto dieser gefährlichen Lawinen gehen.

Der Begriff Lahar stammt aus dem Indonesischen und wird sowohl für Schlammströme als auch für Schutt- und Gerölllawinen verwendet, die an den Hängen eines Vulkans auftreten. Beide Lahartypen bestehen zu einem hohen Anteil aus Gesteinsmaterialien und besitzen einenso starken Zusammenhalt, dass sie selbst riesige Felsbrocken, Gebäude oder Brücken mit sich reißen können.

Wenn Lahars in Talnähe kommen, ähneln sie eher stark konzentrierten Sturzbächen. Durch die fehlende Stabilität innerhalb der explosiven Mischung strömen die einzelnen Bestandteile unterschiedlich schnell, und vor allem größere Felsbrocken und Geröll setzen sich mit der Zeit am Grund der Lawine ab.

Die Ursachen für Lahars sind vielfältig. Große Erdrutsche aus wasserdurchtränktem Geröll und Schutt können genauso Lahars auslösen, wie die Erosion von vulkanischen Ablagerungen durch starke Regenfälle oder eine plötzliche Schneeschmelze auf den Flanken eines Feuerbergs durch pyroklastische Ströme. Je nach Zusammensetzung der Lawine sind die dabei entstehenden Lahars dann kalt oder kochend heiß.

Von winzigen Zwergen bis zu gigantischen Monstern: Lahars können die unterschiedlichsten Ausmasse haben. Die meisten Lahars bleiben relativ klein - manche sind sogar nur wenige Zentimeter breit - und bewegen sich relativ langsam vorwärts. Andere können ein kilometerbreites Tal ausfüllen und mehr als 50 Meter hoch werden.

Mit dem Tempo eines Güterzuges donnern solche Lahars dann häufig zu Tal. Geschwindigkeiten von 85 Kilometern pro Stunde sind keine Seltenheit. Die Lahars, die 1980 nach dem Ausbruch des Mount St. Helens die südöstliche Flanke herabrasten, waren sogar mehr als 100 Kilometer schnell.

Kein Wunder, dass Lahars dadurch den nötigen Schwung erhalten, um auch weit vom Ursprungsort entfernte Gebiete zu bedrohen. Eine der Lawinen nach dem Ausbruch des Vulkans Cotopaxi in Ecuador im Jahr 1877 strömte sogar mehr als 300 Kilometer weit ins Tal hinunter und hinterließ dabei eine Schneise der Verwüstung.

Die einzige Rettung vor Lahars ist eine frühzeitige Evakuierung der gefährdeten Gebiete oder wenn möglich eine Flucht der Menschen in höhergelegene Regionen. Immer wieder jedoch - wie in Armero 1985 - werden Lahars zu Lawinen des Todes.

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