Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Sonntag, 12.02.2012
Verheerende Launen der Natur?
Erdrutsche und ihre Bedeutung

Von Alaska bis Feuerland, von Madrid bis Wladiwostok, vom Atlas bis zum Kap der Guten Hoffnung, nirgendwo ist man vor Ihnen sicher: Erdrutsche zählen zu den am weitesten verbreiteten geologischen Gefahren auf der Welt. Schon aus der Zeit um 1770 vor Christus stammen deshalb erste schriftliche Belege über die Folgen solcher Extremereignisse. Diese damals von Erdbeben ausgelösten Erdrutsche sperrten in China die Flüsse Yi und Lo und führten zu großen Überschwemmungen.

Erdrutsch 
Erdrutsch
© USGS
Auch die Einwohner Perus sind seit Jahrtausenden gut vertraut mit solchen Katastrophen. Sie haben sogar unterschiedliche Worte dafür erfunden, um die verschiedenen Formen zu beschreiben. Als "Huaico" bezeichnet man in Peru eine Lawine mit größeren oder kleinen Gesteinsbrocken, "Ilapana" dagegen beschreibt einen gemächlichen, ruhigen Schlammstrom.

Obwohl das Wissen darüber wann und wo Erdrutsche auftreten in letzter Zeit erheblich gewachsen ist, scheinen die Auswirkungen, den solche Extremereignisse verursachen, doch immer größer zu werden. 1970 starben in Südamerika 18.000 Menschen bei einer einzigen Schlamm- und Gerölllawine, 1985 waren es bei einer ganzen Serie solcher Erdrutsche in Kolumbien sogar fast 25.000. Die finanziellen Schäden aus diesen Katastrophen überschreiten in Ländern wie den USA, Italien, Japan, Indonesien oder Indien jedes Jahr regelmäßig die Milliardengrenze.

In der Öffentlichkeit aber werden die Folgen von Erdrutschen trotzdem noch immer unterschätzt und als Launen der Natur betrachtet. Die Auswirkungen von Erdrutschen tauchen in Berichten und Veröffentlichungen meist nicht detailliert auf. Meist fließen sie der Einfachheit halber in die Zahlen der spektakulären Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Vulkanausbrüche ein.

Bei einem Erdbeben 1998 in Afghanistan beispielsweise kamen die meisten Todespfer nicht durch den Erdstoß und seine Nachbeben selbst ums Leben, sie gingen auf das Konto von Gesteins- und Gerölllawinen, die durch die seismischen Vorgänge ausgelöst wurden.

Und auch die Erdrutschforschung steckt in vielen Bereichen noch immer in den Kinderschuhen. Selbst in den USA gab es lange Zeit kein landesweites System zur Erfassung von Erdrutschen und Studien zum Thema von Forschungsinstituten wie dem United States Geological Survey (USGS) sind an einer Hand abzuzählen. Der Grund dafür: Akuter Geldmangel. Ganze 2,4 Millionen US-Dollar, darf das USGS für die Erdrutschforschung jährlich ausgeben - nur ein Bruchteil der Gelder, die beispielsweise für das schlagzeilenträchtigere Erdbebenprogramm bereit stehen.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Erdrutsche
Gefahr am Berg
Verheerende Launen der Natur?
Erdrutsche und ihre Bedeutung
Von Muren, Erdrutschen und Bergstürzen
Welche Arten von Massenbewegungen gibt es?
Naturkatastrophe oder Man-made Disaster?
Ursachen für Erdrutsche
Die Rache der Berge?
Erdrutsch ist nicht gleich Erdrutsch
Eine Katastrophe mit Ankündigung
Der Erdrutsch im Vajont-Tal
Vorbeugen oder reagieren?
Wie kann man sich vor Erdrutschen schützen?
Der Gefahr ins Auge sehen...
Frühwarnsysteme
Von Sandkörnern, Tapetenkleister und Riesenkondomen
Die Suche nach dem "Motor" von Erdrutschen
Spielwiese für Geologen
Forschung an der Mettman Ridge in Oregon
Frust oder Lust?
Erdrutschwarnung auf dem Prüfstand
Lawinen des Todes
Was sind Lahars?
Wehe, wenn der Boden vibriert
Wie kann man Lahars vorhersagen?
Schreckgespenst Klimawandel
Erdrutsche auf dem Vormarsch?
Galerie des Schreckens
Eine kurze Erdrutsch-Chronik der letzten Jahre
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Lake Wostok
Quallen
Aktuelle Dossiers
Wie eine lebende Haut
Neue Korrosionsschutzschichten sollen Defekte selbstständig heilen
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts