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Sonntag, 12.02.2012
Wie wahrscheinlich sind Kriege um Wasser?
Von Wassermangel, Wasserknappheit und Nutzungskonflikten

Wasser – Lebensraum, Heiligtum, Transportmedium, Energierohstoff, Quelle allen Lebens. Aber wie lange gilt dies noch für alle Menschen der Erde? Die begrenzte Menge an Süßwasser, die im 18. Jahrhundert für eine Milliarde Menschen zur Verfügung stand, muß heute für fast sechs Milliarden reichen. Im Jahr 2050 teilen sich sogar neun oder mehr Milliarden Menschen diese global knappe Ressource. Landwirtschaft, Verstädterung und Industrie, auch diese Bereiche werden in Zukunft immer mehr Wasser beanspruchen. Dabei verbraucht die Landwirtschaft schon heute 70 Prozent des kostbaren Gutes. Prognosen besagen aber, daß die Agrarproduktion bis zum Jahr 2010 um 60 Prozent gesteigert werden muß, um den Hunger auf der Welt nicht noch viel schlimmer werden zu lassen.

Hatten nach Einschätzung der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung 1995 noch 92 Prozent der damals 5,7 Milliarden Menschen Wasser in ausreichender Menge zur Verfügung - drei Prozent litten unter Wassermangel, fünf Prozent unter Wasserknappheit - wird die Situation im Jahr 2050 ganz anders aussehen. Fast die Hälfte der Erdbevölkerung (44 Prozent) wird dann keinen Zugriff auf eine ausreichende Menge Süßwasser mehr haben (18 Prozent Mangel, 24 Prozent Knappheit).

Die Begriffe Wassermangel und Wasserknappheit sind international eindeutig festgelegt. Nach der Definition der schwedischen Hydrologin Malin Falkenmark spricht man von Wassermangel dann, wenn in den Ländern ein verfügbares erneuerbares Süßwasserangebot pro Kopf und Jahr von weniger als 1.700 m3 gegeben ist. Länder, deren jährliches Wasserangebot pro Kopf 1.000 m3 unterschreitet, sind sogar von Wasserknappheit betroffen.
Fast 20 Länder litten schon 1995 unter diesem Schicksal, Tendenz steigend.

Während im Moment der Mittlere Osten und Nordafrika am stärksten von Wassermangel und Wasserknappheit betroffen sind, werden in den nächsten 50 Jahren vor allem in Afrika südlich der Sahara die Süßwasserreserven nicht mehr ausreichen, da sich die dortige Bevölkerung in diesem Zeitraum verdoppeln oder sogar verdreifachen wird. Kenia, Marokko, Ruanda, Somalia und Südafrika sind die fünf Staaten, die sich nach Ansicht von Experten in den nächsten zehn Jahren in die Liste der Länder mit Wasserknappheit einreihen werden.

Für Länder wie Indien, dem zweitbevölkerungsreichsten Land der Erde, sowie Pakistan, Jordanien, Sri Lanka und El Salvador prophezeien Studien ein weniger bedrohliches Bild der zukünftigen Wasserknappheit. Auch wenn die Bevölkerung dieser Länder weiter zunimmt, wird die angekündigte niedrigere Wachstumsrate dennoch einen entscheidenden Einfluß auf die Wasserversorgung in den nächsten Jahrzehnten haben.

Wo die Wasserressourcen knapp werden, sind Nutzungskonflikte vorprogrammiert. Das Worldwatch-Institute und das Center for Strategic and International Studies gingen schon Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre davon aus, daß in der Zukunft das Wasser die frühere Rolle des Erdöls als Konfliktgrund übernehmen würde. Sie prophezeiten damals Wasserkriege in vielen Regionen der Erde. Der Exekutivdirektor des UN-Umweltprogramms (UNEP) Klaus Töpfer hat zuletzt anläßlich des Weltwassertags am 22. März1999 noch einmal ausdrücklich auf die Gefahr von vermehrten Kriegen um die Ressource Wasser hingewiesen. Eine Meinung, die von zahlreichen Experten geteilt wird.

In vielen Regionen der Erde, wo Wasserknappheit herrscht, müssen sich mehrere Anrainerstaaten zudem die Wasserrechte an den wenigen vorhandenen Flüssen und Seen teilen. 300 solcher potentieller Konfliktherde in denen mehr als 40 Prozent der Weltbevölkerung leben gibt es zur Zeit - vor allem in den Entwicklungsländern. Weltweit sind es mindestens 214 Flüsse, die durch zwei oder mehrere Länder fließen. Für viele existieren zwar zwischenstaatliche Abkommen, bei keinem der genannten potentiellen Krisengebiete gibt es aber einen Vertrag, der die Vorstellungen aller Anrainerstaaten berücksichtigt. Zur Wasserproblematik kommen in diesen Regionen nicht selten noch tief verwurzelte politische Konflikte. Die Gefahr militärischer Auseinandersetzungen ist gerade dann besonders hoch.

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