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Sonntag, 12.02.2012
Kalter Krieg um Wasserrechte
Türkei, Irak und Syrien als Konfliktparteien

Wasser und Wassernutzung im Euphrat- und Tigris-Gebiet, das bedeutet schon seit Jahrzehnten Streit um die Wasserrechte an den beiden Flüssen und eine Vielzahl von nicht koordinierten Aktivitäten und Projekten in den beteiligten Ländern Türkei, Irak und Syrien.

Karte des Grenzgebiets von Türkei, Syrien und Irak 
Karte des Grenzgebiets von Türkei, Syrien und Irak
© CIA World Factbook 1998
Obwohl die zur Verfügung stehende Wassermenge in Euphrat und Tigris bei guter gemeinsamer Planung für die Projekte aller beteiligten Parteien ausreichen würde, gibt es seit Beginn der intensiven Wassernutzung in den siebziger Jahren einen regelrechten "Kalten Krieg" um die Wasserrechte in der Region. Mehrfach, zuletzt 1990, standen militärische Auseinandersetzungen kurz bevor. Bis heute konnten sie in letzter Sekunde immer noch abgewendet werden.

Wer benötigt wie viel Wasser? Welche Projekte haben vorrangige Bedeutung für die gesamte Region? Welche Länder sind in der Lage das Wasser sinnvoll zu nutzen? Wer verschwendet mit seinen Projekten das kostbare Gut? Über diese Fragen streiten zwischen den Anrainerstaaten im Zweistromland.

Fakt ist: Syrien und Irak sind für die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung und zur Energieerzeugung abhängig vom Wasser des Euphrat und Tigris. Fast 80 Prozent seines Oberflächenwassers erhält Syrien aus anderen Ländern, insbesondere natürlich aus der Türkei, der Irak immerhin mehr als 60 Prozent. Wassermangel ist an der Tagesordnung. Denn auch hier gilt die Bedingungskette: Bevölkerungswachstum, höherer Lebensstandard, Modernisierung, Industrialisierung è höherer Wasserverbrauch bei gleichem Wasserdargebot è Wassermangel è Wasserknappheit.
Als Unteranrainer der beiden Flüsse sind der Irak und Syrien zudem darauf angewiesen, daß die Türkei, in deren Staatsgebiet die Quellen der Ströme liegen, genug Wasser für die anderen Länder übrig läßt. Aber auch die Türkei beklagt den Wassermangel im eigenen Land und hat mit ihrem gigantischen Südostanatolienprojekt den Kampf um das Wasser in eine neue Dimension gelenkt.

Spätestens seit dem vollständigen Absperren des Euphrats für fast einen Monat im Jahr 1990 zur Erstbefüllung des türkischen Atatürk-Staudamms ist das Ausmaß des Konfliktpotentials und die Brisanz der Situation im Zweistromland klar geworden. Die Türkei ist jederzeit in der Lage, Syrien und Irak regelrecht den "Wasserhahn" abzudrehen und das lebensnotwendige Naß vorzuenthalten. Sollte dieses irgendwann für längere Zeit wirklich geschehen, ist ein kriegerischer Konflikt durchaus wahrscheinlich.

Der Grund für diese Streitigkeiten ist aber nicht allein im Wasser selber zu suchen, sondern beruht auf bereits lange existierenden politischen Konflikten in der Region, nicht zuletzt der ungelösten Kurdenproblematik. Zudem stand die Türkei seit dem zweiten Weltkrieg als Nato-Verbündeter in einem anderen politischen Lager als Irak und Syrien, die zu den Warschauer Pakt-Sympathisanten zählten.

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