Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Sonntag, 12.02.2012
Fast ein Mensch?
Die Evolution der Menschenaffen

Charles Darwin veröffentlichte 1871, von Spot und Hohn seiner Zeitgenossen verfolgt, die Evolutionstheorie zur "Abstammung des Menschen". Dass Mensch und Affe sich aus einem gemeinsamen Vorfahren entwickelt haben könnte, passte damals (wie heute) nicht zum religiösen Weltbild. Doch im Laufe der Jahre wandelte sich das wissenschaftliche Verständnis. Affen, Menschenaffen und auch der Mensch zählen in der heutigen Taxonomie zu den "Herrentieren", den Primaten. Neueren Schätzungen zu Folge trennte sich der Stammbaum der Tier- von dem der Menschenaffen bereits vor rund 25-30 Millionen Jahren.

Die Menschen und Menschenaffen unterscheiden sich anatomisch von allen anderen Primaten durch ein verhältnismäßig größeres Gehirn und das Fehlen eines Schwanzes.

Hominoidae = Hylobatidae + Hominidae
In der Ordnung der Primaten wird innerhalb der Überfamilie Hominoidae, der Menschenartigen, zwischen den kleinen Menschenaffen (Hylobatidae) und der Familie der großen Menschenaffen und des Menschen (Hominidae) unterschieden.

Ausschließlich in Südostasien lebend, haben die kleinen Menschenaffen, die Gibbons, im Laufe der Evolution einen extremen Lebensraum erobert: Die Baumwipfel tropischer Wälder. Mit ihren langen, dünnen Armen hangeln sich die monogam lebenden, bis zu 90 Zentimeter großen Gibbons akrobatisch von Baum zu Baum und betreten dabei fast nie den Boden.

Im Stammbaum der großen Menschenaffen zweigte sich vor etwa 15 Millionen Jahren der auf dem asiatischen Kontinent beheimate Orang-Utan aus der Unterfamilie Ponginae von den in Afrika lebenden großen Menschenaffen, den Homininae, ab. Die Verbreitung der vom Aussterben stark bedrohten "Waldmenschen" beschränkt sich heute ausschließlich auf die zwei Inseln Borneo und Sumatra des indonesischen Archipels.

Genetische Identität
Der genetische Unterschied der Gorillas zum Primaten der Gattung Homo sapiens beträgt 2,3 Prozent. Innerhalb der afrikanischen Menschenaffen verzweigte sich die Stammlinie der Gorillas vor rund neun Millionen Jahren. Die vegetarisch lebenden Gorillas sind die größten und stärksten Menschenaffen. Der Zyklus der weiblichen Gorillas stimmt mit 28 Tagen dem des menschlichen überein. Nach einer Tragzeit von neun Monaten kommt ein Gorilla-Baby auf die Welt. Seltener werden auch Zwillinge geboren. Eine fast menschliche Familienplanung.

Doch unsere nächsten Verwandten sind die Schimpansen, zu denen auch die Bonobos gezählt werden. Bonobos sind schlanke Zwergschimpansen, die sich aufrechtgehend auf zwei Beinen fortbewegen können. Vor rund fünf bis sechs Millionen Jahren hat die Evolution mit nur wenigen genetischen Veränderungen aus dem Affen einen Menschen gemacht. Moderne DNA-Analysen ergaben eine genetische Übereinstimmung von 98,7 Prozent.

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Diaschauen zum Thema
Berggorillas
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Menschenaffen
Die Letzten ihrer Art?
Fünf vor Zwölf im Regenwald
Vom Exitus der Menschenaffen
Buschfleisch
Schimpansen-Schnitzel auf der Speisekarte
Wie helfen?
Lastminute Naturschutz
Charly, Cheeta und Co
Vom Schicksal eines tierischen TV-Stars
Orang-Utans - Rote Riesen
Die zottigen "Waldmenschen" von Borneo und Sumatra
Gorillas: Sanftmut in Schwarz
"King Kong" als Lebensretter
Schimpansen: Spiegelbild des Menschen?
Tierische Krieger, Lügner und Genies
Bonobos: Freie Liebe, statt Kriege
Die "Frauen-Power" der Zwergschimpansen
Die Welt der Familie Gibbon
Kleine Außenseiter unter den Menschenaffen
Der King-Kong-Komplex
Vom Leben berühmter Primatologinnen
Können Affen sprechen?
Zur Kommunikation von Mensch und Affe
Fast ein Mensch?
Die Evolution der Menschenaffen
und mehr...
Zum Weiterlesen
Links und Literatur zum Thema
Top-Diaschauen
Überleben im Winter
2012 und die Maya
Die großen Massenaussterben
Lake Wostok
Quallen
Aktuelle Dossiers
Wie eine lebende Haut
Neue Korrosionsschutzschichten sollen Defekte selbstständig heilen
Klima-Hotspot Moorböden
Wie Forscher den Treibhausgas-Emissionen von Mooren auf die Spur kommen
Schwelbrände im Gewebe
Chronische Entzündungen und ihre Ursachen
Röntgenblick in die Geheimnisse der Mumien
Neue bildgebende Verfahren helfen bei der Erforschung menschlicher Relikte
Auf Kante
Warten auf „The Big One“
Auch Pflanzen besitzen Stammzellen
Unerschöpflich kreativ
Energie-Produzent Gebäude
Wie Häuser zu Kraftwerken werden
Bermudas Unterwelt
Expedition zu den unterirdischen Salzwasserhöhlen einer Tropeninsel
Alte Seuchen in neuem Licht
Forscher untersuchen Resistenz gegen Pest und Cholera
Mehr Licht im Dunkel der Mars-Trabanten
Mit Mars Express und Phobos Grunt bei den „Söhnen“ des Kriegsgotts