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Sonntag, 12.02.2012
Und er bewegt sich doch...
Paläomagnetismus und der wandernde Meeresboden

Einen ersten Schritt zur Lösung dieses Rätsels lieferten 1962 die Geologen Lawrence Morley, Drummond Matthews und Fred Vine. Sie stellten als erste die Theorie auf, dass die Streifen nicht wie bisher angenommen, unterschiedlich stark magnetisiert waren, sondern vielmehr Regionen unterschiedlicher magnetischer Polung darstellten.

Magnetfeldspuren beiderseits eines MOR 
Magnetfeldspuren beiderseits eines MOR
© USGS
Nach Ansicht der drei Forscher war der Meeresboden nicht statisch, sondern in konstanter Bewegung. Sie vermuteten, dass an den mittelozeanischen Rücken fortwährend neues Gestein entstand und dieser neue Meeresboden im Laufe der Erdgeschichte langsam an beiden Seiten des Rückens nach außen wegwanderte. Die Streifen wiederum hatten die magnetischen Bedingungen konserviert, die zu ihrer jeweiligen Entstehungszeit herrschten.

Zu diesem Zeitpunkt wusste man bereits, dass Umkehrungen des Magnetfelds im Laufe der Erdgeschichte aufgetreten sein mussten. Zahlreiche Gesteinsfunde an Land mit umgekehrter Magnetisierung belegten dies. Dennoch - die neue Theorie wurde von der Mehrheit der Geologen zunächst vehement abgelehnt. Die bereits von Alfred Wegener mehr als 30 Jahre zuvor aufgestellte Theorie einer bewegten Erde galt nach wie vor als absurd.

Dies änderte sich erst 1966, als es Vine und Matthews gelang, mithilfe der Isotopendatierung das Alter der seltsamen Meeresstreifen zu bestimmen. Es zeigte sich, dass der Meeresboden tatsächlicher immer jünger wurde, je näher er am mittelatlantischen Rücken lag. Dies war zumindest ein Indiz dafür, dass dieser vulkanische Rücken tatsächlich eine Art Geburtsort für neue ozeanische Kruste sein könnte.

Doch die nächste Frage war noch entscheidender: Gab es Übereinstimmungen zwischen den Polungen der Magnetstreifen und der aus den Magnetmessungen an Land rekonstruierten "Umpolungsgeschichte"? Der Vergleich zeigte: Es gab sie tatsächlich. Die invers gepolten Streifen stimmten in ihrem Alter relativ genau mit den bis dahin bekannten inversen Phasen des Erdmagnetfelds überein.

Damit war nicht nur die neue Theorie von Morley, Matthews und Vine bestätigt, auch die lange Zeit verfehmte und verworfene Theorie der Plattentektonik von Alfred Wegener konnte sich endlich durchzusetzen. Wegener selbst allerdings konnte diesen späten Triumph nicht mehr auskosten, er war bereits 35 Jahre zuvor gestorben.

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