Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Mittwoch, 23.05.2012
Außerirdischen Molekülen auf der Spur
Interstellare Gaswolken als Lebensbringer?

Der interstellare Raum im Kosmos ist der Ort der interstellaren Gaswolken. Diese sehr dichten, kalten Molekülwolken sind nicht nur wichtige "Sternenwiegen" sondern auch Reservoire für interstellare Materie im Universum. Mit optischen Teleskopen sind sie nur schwer oder gar nicht wahrnehmbar, sie bilden bestenfalls einen dunklen oder hellen Schleier vor dem Hintergrund des Sternenhimmels. Mithilfe von Radioteleskopen werden sie dagegen nicht nur sichtbar, sondern sie verraten auch ihre molekulare Zusammensetzung.

Interstellare Gaswolke 
Interstellare Gaswolke
© NASA/STScI
In den Wolken kollidieren Gasmoleküle miteinander, katapultieren sich dadurch in einen angeregten energiereicheren Zustand und fallen später wieder auf ihr ursprüngliches Energieniveau zurück. Bei diesen Prozessen geben sie Energie in Form von Radio- und Mikrowellen ab. Je nach Molekülart und spezifischer Bewegung sind diese Emissionen durch spezielle, charakteristische Spektrallinien gekennzeichnet. Mithilfe dieser Linien können Radioastronomen und Astrochemiker bestimmen, welche Moleküle und Elemente in einer Gaswolke vertreten sind. Die Breite der Spektrallinie gibt ihnen zusätzlich Informationen über die Bewegung der Gasmoleküle innerhalb der Wolken, aus der Stärke des Radiosignals können sie auf die Dichte und Temperatur der Gaswolke schließen.

Der erste Nachweis einer solchen Spektrallinie und gleichzeitig ein wichtiger Meilenstein für die damals noch junge Radioastronomie war die Entdeckung der 21 Zentimeter-Linie des neutralen Wasserstoffs durch Ewen und Purcell im Jahr 1950. Seither haben Radioastronomen mithilfe solcher Linien mehr als 100 interstellare Moleküle entdeckt, darunter so einfache wie Kohlenmonoxid, Siliziumoxid oder Schwelfeloxid, aber auch erheblich komplexere Verbindungen wie beispielsweise Glycolaldehyd.

Solche Funde sind nicht nur für die Astronomie, sondern auch für das Verständnis der Entstehung des Lebens auf der Erde wichtig. Die Bedingungen in den interstellaren Gaswolken könnte, so glauben die Astrochemiker, in vielerlei Hinsicht den Bedingungen im frühen Sonnensystem ähneln. Wenn bereits in solchen Vorstufen zu Sternen und Planetensystemen komplexere organische Moleküle existieren, könnte dies einerseits die Hypothese unterstützen, dass auch das irdische Leben seinen Ursprung im All genommen hat. Kometen könnten, so die Vorstellung, organische komplexe Moleküle aus den interstellaren Wolken auf die noch junge Erde transportiert und so den Prozess der Evolution in Gang gesetzt haben. Andererseits erhöht ein solches Depot an komplexen Molekülen gleichzeitig auch Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Leben auf anderen Himmelskörpern.

Noch hat man zwar keine echten Biomoleküle gefunden, doch die Zahl der entdeckten komplexeren Moleküle wächst...

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtgste in Kürze
Artikel zum Thema
Radioastronomie
Mehr als nur kosmisches Rauschen und SETI...
Ein neues Bild des Himmels...
Die unbekanntere Schwester der optischen Astronomie
Ein Verbot ebnet den Weg...
Funkamateure als Wegbereiter für die Radioastronomie
Janskys Entdeckung
Himmlischen Störgeräuschen auf der Spur
Radioastronomie im Hinterhof
Grote Reber - der erste Radioastronom
Was sind Radiowellen?
Nur eine von vielen Wellensorten...
Kosmische Radioquellen
Pulsare, Quasare und Sternenwiegen...
Arten von Radioteleskopen
Von Schüsseln, Arrays und Langstreckenantennen
Vom Spiegel bis zum Radiobild
Aufbau eines Radioteleskops und Weg der Radiowellen
Radiowellen von Außerirdischen?
SETI und die Suche nach intelligentem Leben im Kosmos
Die Methoden der SETI-Forscher
Fremde Sonnen, Schmalspursignale und Pioneer 10
Die Suche geht weiter...
SETI gestern und heute
Wolkenschleier und Asteroiden
Radioastronomie im Sonnensystem
Außerirdischen Molekülen auf der Spur
Interstellare Gaswolken als Lebensbringer?
Top-Diaschauen
Tiefseegräben
Bernstein
Riesenschlangen
GAU in Fukushima
Lake Wostok
Aktuelle Dossiers
Neutrinos
Den Geisterteilchen auf der Spur
Der unsichtbare Baumeister
Wind als Urheber von Staubstürmen, Singdünen und Felskulpturen
Der virtuelle Patient
"Gesundheit 2050" - Preisgekrönter Beitrag zum Essay-Wettbewerb
Informationsspeicher Gehirn
Den Mechanismen des Lernens auf der Spur
Titanic: Untergang eines Mythos
Spurensuche hundert Jahre nach der Katastrophe
Kräfte zwischen Kern und Kruste
Der Entstehung des Süddatlantik auf der Spur
Lego mit Lebensbausteinen
Was ist synthetische Biologie?
Bestens eingefügt
Anpassung an einen Lebensraum – die Schleiereule als Modelltier
Die zivilen Verwandten der Seekrieger
Ein echter Knochenjob
CeBIT 2012
Neues aus der Welt des digitalen Arbeitens und Lebens