| 01.03.2010 |
| Mindestens 700 Tote nach schwerem Erdbeben vor der chilenischen Küste |
| Über 700 Tote, tausende Verletzte, 1,5 Millionen zerstörte Gebäude und Wohnungen, zwei Millionen Obdachlose, mehr als 30 Milliarden US-Dollar Gesamtschäden. Dies ist die Bilanz gut zwei Tage nach dem sehr schweren Erdbeben vor der chilenischen Küste, das laut dem U.S. Geological Survey (USGS) in Denver eine Stärke von 8,8 auf der Momentmagnitude hatte. Das Zentrum der Naturkatastrophe lag 100 Kilometer nordwestlich der Stadt Chillan und 325 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Santiago.
Das Beben löste zudem einen Tsunami aus, der viele der ohnehin bereits verwüsteten Küstenregionen völlig unvorbereitet traf und weitere Schäden anrichtete. Manche Orte wurden von den Flutwellen sogar vollständig weggeschwemmt. Die chilenische Marine hatte die Tsunami-Gefahr offenbar unterschätzt und fälschlicherweise Entwarnung gegeben. Mittlerweile hat sich die Lage im Krisengebiet weiter zugespitzt. Trinkwasser und Nahrungsmittel sind Mangelware und es kam daher bereits zu ersten Plünderungen in Supermärkten. Obwohl tausende Soldaten und Polizisten im Einsatz sind, ist die Situation noch längst nicht unter Kontrolle. In Städten wie Concepción gibt es zudem noch größere Feuer in Folge beschädigter Gasleitungen und auch die Stromversorgung ist vielerorts noch nicht wieder intakt. Außerhalb Chiles hat der Tsunami wohl nur geringe Folgen gehabt. Zwar wurden auch aus Hawaii, Neuseeland oder Australien Flutwellen gemeldet, größere Schäden gab es aber nach ersten Berichten nicht. Das Pazifik-Warnzentrum der USA hat den Tsunami-Alarm für den kompletten Pazifikraum mittlerweile wieder aufgehoben. Das Erdbeben in Chile ist auch von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) an Erdbebenstationen in Deutschland detektiert und lokalisiert worden. Die ersten seismischen Wellen erreichten die deutschen Stationen nach circa 14 Minuten. Das Hypozentrum liegt in einer aktiven Subduktionszone, die sich entlang der gesamten Westküste Südamerikas erstreckt. Hier schiebt sich die Nazca-Platte mit einer Geschwindigkeit von rund 80 Millimeter pro Jahr unter die südamerikanische Platte. Dabei werden tektonische Spannungen aufgebaut, die sich regelmäßig in Form von Erdbeben lösen. Gelegentlich kann es – wie in diesem Fall – auch zu sehr starken Beben kommen. Allein in den letzten 40 Jahren ereigneten sich laut dem BGR 15 Erdbeben mit einer Magnitude über 7. So lag auch das mit einer Magnitude von 9,5 stärkste jemals gemessene Erdbeben an dieser Plattengrenze. Dieses Beben im Jahre 1960 ereignete sich etwa 230 Kilometer südlich vom aktuellen Erdbebenherd. Bisher konnten an der BGR schon zahlreiche Nachbeben mit Magnituden bis 6,9 aufgezeichnet werden. Bei Erdbeben dieser Größenordnung ist nach Angaben der Geowissenschaftler mit weiteren Nachbeben in den nächsten Monaten zu rechnen.
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| (DLO) |