Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Montag, 13.02.2012
Manganknollenjagd im Pazifik
Wissenschaftler erforschen Rohstoffquelle der Zukunft
Die Manganknollen der Tiefsee gelten als wichtige Rohstoffquelle der Zukunft – auch für Deutschland. Deshalb sind Hannoveraner Geowissenschaftler jetzt im Manganknollengürtel zwischen Hawaii und dem Äquator unterwegs. Ihre Mission: Sie sollen dort im Auftrag der Bundesrepublik das deutsche Lizenzgebiet zur Exploration von Manganknollen besuchen und wichtige neue Erkenntnisse über die „Kartoffeln“ der Meere gewinnen.

Manganknollen auf dem Meeresboden
Manganknollen auf dem Meeresboden
© BGR Manganknollen auf dem Meeresboden
„Mit der Forschungskampagne wollen wir grundlegende Daten zur Beurteilung der potentiellen Lagerstätte sammeln. Wie groß ist das Vorkommen, wo liegen die dichtesten Knollenkonzentrationen und wie wirtschaftlich ist eine spätere Förderung der Rohstoffe? Auf diese Fragen erhoffen wir uns detaillierte Antworten“, erklärt der Expeditionsleiter Michael Wiedicke von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR).

Grundlage für die Reise des 12-köpfigen Forscherteams in den Zentralpazifik ist ein im Jahr 2006 zwischen der Internationalen Meeresbodenbehörde ISA der Vereinten Nationen und der BGR geschlossener Vertrag. Er gibt Deutschland das exklusive Recht, auf einem Meeresareal von 75 000 Quadratkilometer Größe in rund 5.000 Meter Tiefe 15 Jahre lang den Bestand der rohstoffreichen Manganknollen zu erfassen.

Ziel: exaktes Geländemodell
Erstes Ziel der Meeresgeologen ist eine genaue Vermessung der Topographie und der Sedimentverteilung des Areals mit Hilfe modernster Fächerecholot- und Sedimentecholotsysteme, um ein exaktes Geländemodell erstellen zu können. Darüber hinaus werden Proben vom Meeresboden geborgen, die sowohl der Bestimmung der Flächenbelegungsdichte von Knollen dienen als auch ihrer exakten chemischen Zusammensetzung - mit feinsten Nachweisgrenzen auch für Hochtechnologie-Elemente wie beispielsweise Molybdän, Tellur oder Selen.

Zentralpazifik mit der Lage des deutschen Lizenzgebiets
Zentralpazifik mit der Lage des deutschen Lizenzgebiets
© BGR Zentralpazifik mit der Lage des deutschen Lizenzgebiets
Zur 40-tägigen Forschungsfahrt, die am 8. Oktober 2008 von Hawaii aus startete, gehört aber auch ein Trainingsprogramm: In Absprache mit der ISA nehmen daran vier Vertreter aus drei afrikanischen Ländern sowie aus Barbados teil, die die BGR-Wissenschaftler in die heutigen Erkundungsmethoden mariner Exploration einweisen.

Als Plattform für diese Arbeiten dient das von der BGR gecharterte amerikanische Forschungsschiff „RV Kilo Moana“. Dieses moderne, 2002 in Dienst gestellte Schiff ist bestens für die Vermessungsarbeiten geeignet: Es ist ein 2-Rumpf-Schiff, dessen so genannte „SWATH-Bauweise“ eine ausgezeichnete Seefestigkeit und Ruhe auch bei stürmischer See gewährleistet und somit beste Daten- und Probenqualität für die spätere Auswertung garantiert.

Renaissance der Manganknollen
Manganknollen waren bereits vor rund 30 Jahren ein Rohstoff-Thema. Die in der Tiefsee verbreiteten Knollen wurden während der 1970er- und 1980er-Jahre als eine neue, bisher nicht genutzte Quelle für verschiedene Metalle wie Kupfer, Kobalt und Nickel entdeckt. Nach Jahren intensiver Forschungstätigkeit erschien ein submariner Abbau greifbar nahe.

Geförderte Manganknollen
Geförderte Manganknollen
© BGR Geförderte Manganknollen
Ein Konsortium mit Beteiligung deutscher Firmen erwarb daher 1984 eine Förderlizenz im zentralen Pazifik. Allerdings verhinderte damals ein unerwarteter Preisverfall bei Metallrohstoffen den Beginn der kommerziellen Gewinnung von Manganknollen.

Angesichts teilweise dramatisch steigender Rohstoffpreise gewinnen die Manganknollen erneut an Aktualität. „Vor diesem Hintergrund ist das Vorhaben auch eine Maßnahme der strategischen Zukunftsvorsorge“, so Wiedicke. „Durch die frühzeitige Forschungstätigkeit der BGR wird ein Beitrag zur künftigen Rohstoffsicherung unseres Landes geleistet.“
Artikel drucken    zum Archiv
Nach verwandten Themen suchen:
Manganknollen, Ozean, Energie, Rohstoff, Ausbeutung, Abbau, Tiefsee, Bergbau, Pazifik, Meeresboden, Mangan, Energiegewinnung
Mehr zum Thema im GeoUnion-Newsportal
Texas-Vogelgrippe schlimmer als befürchtet (25.02.2004)
US-Virus nicht mit asiatischem Erreger identisch
Suche
Erweiterte Suche
GeoUnion
Logo GeoUnion
Dossiers zum Thema
Geheimnisvolle Manganknollen
Rohstoffjagd in Neptuns Reich
Brennendes Eis
Gashydrate - Energielieferanten der Zukunft
Asphaltvulkane
Bizarrer Lebensraum auf Salz und Bitumen
Black Smoker
Expedition zu den Geysiren der Tiefsee
Die Schlünde der Meere
Eine Reise in die Tiefseegräben
Tiefe Biosphäre
Rätselhafte Lebenswelt im "Keller der Erde"
Kontinentalränder
Forschung in Europas Unterwasserreich
GeoAngewandt - Artikel
Versandung trifft auch Naturparadiese
Das längste Thermometer Deutschlands
Urzeitliches Arten-Potpourri in Bernstein
Spurensuche vor Westafrika
Manganknollenjagd im Pazifik
In 10.000 Jahren mit dem Ozeandampfer von Hamburg nach Berlin?
Raptoren gab’s auch in Niedersachsen
Giganten aus Salzgestein
Gaza-Streifen: Zu viel Nitrat im Grundwasser
Patagonischer Kratersee gibt Geheimnisse preis
Älteste Gesteine der Erde verändern sich doch
Kohleverbrennung ohne CO2-Ausstoß
Geowissenschaftler geben Zuchtperlen ein Zuhause
Kohlevergasung untertage als Energiequelle der Zukunft?
Dino-Ferngläser erwecken Saurier zum Leben
Wie aus Staubkörnern Planeten werden
Forscher „erlauschen“ drohende Vulkanausbrüche
Warum trotzen Svalbard-Gletscher der globalen Erwärmung?
Europas "Vorposten" in Nordamerika
Wie Moore auf extreme Witterung reagieren
Nordrhein-Westfalen in 3D
Dem Klimawandel im Mittelmeerraum auf der Spur
Geheimnissen des Meeresbodens auf der Spur
Mikrofossilien als Paläothermometer
Energie aus der Unterwelt
Archiv
GeoSchwerpunkt
Themen, Fakten, Hintergründe ...mehr
GeoAngewandt
Aus Forschung und Wissenschaft ...mehr
GeoKöpfe
Persönlichkeiten im Profil ...mehr
GeoVorOrt
Geotouristische Highlights ...mehr
GeoSchon gewusst?
Interessant und Wissenswert ...mehr