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Montag, 13.02.2012
Tsunami-Frühwarnsystem läuft an
Installation erster Bojen im Indischen Ozean hat begonnen
Über 220.000 Tote, unzählige Verletzte, tausende Kilometer verwüsteter Küstengebiete und überforderte Rettungskräfte: Dies ist die traurige Bilanz des Tsunami vom 26.Dezember 2004 in Südostasien. Da sich solche Flutwellen auch in Zukunft nicht verhindern lassen, arbeiten Forscher aus aller Welt am Aufbau eines Frühwarnsystems im Indischen Ozean. Unter Leitung des GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) werden nun die ersten Bojen des neuen Messnetzes im Meer installiert.

Tsunami
Tsunami
© NOAA
Es war ein schwarzer Tag in der Menschheitsgeschichte, am 2. Weihnachtstag im Jahr 2004: Eines der stärksten jemals gemessenen Erdbeben mit der Magnitude 9,3 auf der Richterskala erschütterte den Grund des Ozeans vor der Küste Sumatras. Auf einer Länge von 1.200 Kilometern hob sich dadurch der Meeresboden um bis zu zehn Metern schlagartig an und setzte die darüber liegenden Wassermassen schockartig in Bewegung. Die Flutwelle raste mit einer Geschwindigkeit von mehreren hundert Stundenkilometern über den Indischen Ozean und vernichtete beim Auftreffen auf die Küste mit unvorstellbarer Wucht Häuser, Straßen und Menschen.

Erste Bojen sind unterwegs
Um die Bevölkerung zukünftig rascher vor solch einer drohenden Katastrophe warnen zu können, haben deutsche Wissenschaftler nun in internationaler Kooperation mit dem Aufbau eines neuen Frühwarnsystems im Indischen Ozean begonnen. Unter Federführung des GFZ sind das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI), das Forschungszentrum Geesthacht (GKSS), das Konsortium Deutsche Meeresforschung (KDM), die Bundesanstalt für Geowissenschaften (BGR), das IfM-GEOMAR, die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) und die Universität der UN in Bonn (UNU) an dem Projekt beteiligt. Dies soll bereits Mitte nächsten Jahres zumindest teilweise in Betrieb gehen und mithilfe zahlreicher Messgeräte im Meer, an Land und aus der Luft die Ausbreitung eines Tsunamis frühzeitig erkennen.

„Das „Tsunami Early Warning System – TEWS“ besteht aus mehreren Komponenten“, erklärt der zuständige Projektkoordinator Jörn Lauterjung vom GFZ. „Einmal aus einem landgestützten Seismometernetz zur Erkennung von Erdbeben und aus ozeanographischen Instrumenten zur Erkennung einer Tsunamiwelle im Ozean.“

So setzt das Forschungsschiff Sonne derzeit die ersten GPS-Bojen vor der Küste Indonesiens aus. Diese messen zusammen mit Drucksensoren am Grund des Ozeans die Änderungen der Meeresspiegelhöhe und senden diese Daten an die nationalen Kontrollzentren. Kommt es nun nach einem Erdbeben zu auffälligen Änderungen abseits der normalen Wasserstandsschwankungen durch Gezeiten oder Stürme, so zeigt ein Computermodell automatisch, wie sich die Flutwelle ausbreitet und welche Regionen gefährdet sind.

Warnung nahezu in Echtzeit
„Der Vorteil des deutschen Konzeptes ist, dass es Daten in Echtzeit liefert und damit schnellstmögliche Vorwarnzeit sichert“, erläutert Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn. So sollen von der Entstehung eines Tsunami bis zur Meldung an die Katastrophendienste und die Bevölkerung nur wenige Minuten vergehen. Über ein Informationsnetz aus Radio, Fernsehen, Internet, SMS und Lautsprecherdurchsagen werden die Menschen auf die Gefahr aufmerksam gemacht und zum Verlassen der Gebiete aufgerufen. Eine logistische Meisterleistung, denn im Ernstfall sind immerhin mehrere Nationen betroffen. Neben der technischen Konzeption hilft das deutsche Konsortium daher auch bei der Konzipierung zum Aufbau von neuen Kommunikationswegen.

Das Frühwarnsystem soll bis zum Jahr 2008 vollständig einsatzfähig sein, wobei das deutsch-indonesische Projekt anschließend noch zwei Jahre weiterläuft. Bis dahin ist auch die Finanzierung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit rund 45 Millionen Euro sichergestellt. Doch wie danach die Zuständigkeiten aussehen und wer die Wartung des Systems übernimmt, ist noch nicht endgültig geklärt. Allerdings hat das GFZ bereits mit der Schulung indonesischer Fachleute begonnen, um auch langfristig den Betrieb des Frühwarnsystems gewährleisten zu können.
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