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Donnerstag, 02.09.2010
Von Kaventsmännern, Drei Schwestern und Weißen Wänden
Steckbriefe für Riesenwellen

Wie häufig Riesenwellen sind, ist mittlerweile relativ gut bekannt. Wann jedoch verdient eine Welle aus wissenschaftlicher Sicht das Prädikat Freak Wave? Als Maßeinheit dient für die Forscher die sogenannte "signifikante Wellenhöhe". Dies ist ein Durchschnittswert, der aus dem arithmetischen Mittel der 33 höchsten von 100 aufeinanderfolgenden Wellen gebildet wird. Die Meereskundler sprechen immer dann von einer Freak Wave, wenn dieser Wert von einer Welle um das Doppelte übertroffen wird.

Seenot durch Riesenwelle 
Seenot durch Riesenwelle
© NOAA
Doch Riesenwelle ist nicht gleich Riesenwelle. Auch wenn die Auswirkungen von Freak Waves auf die betroffenen Schiffe oder Offshore-Anlagen fast immer verheerend sind, haben Wissenschaftler vom GKSS Forschungszentrum Geesthacht anhand von Augenzeugenberichten mittlerweile drei verschiedene "Steckbriefe" für solche Riesenwellen erstellt.

Die sogenannten Kaventsmänner beispielsweise sind gewaltige, Einzelwellen mit unterschiedlicher Form, die die normale Wellenhöhe bis zum Vielfachen übertreffen. Ein solcher Kaventsmann mit der Höhe eines zehnstöckigen Hauses wäre nicht nur der MS "Bremen" im Südatlantik beinahe zum Verhängnis geworden, auch in der Ostsee können solche Riesenwellen vorkommen.

Die Drei Schwestern oder Three Sisters dagegen bestehen gleich aus drei kurz aufeinander folgenden Wellen, die die normalen Wogenhöhen deutlich übertreffen. So eine Gruppe von Riesenwellen überrollte vermutlich am 11 September 1995 die "Queen Elizabeth II" auf ihrem Weg von Europa nach New York und spülte dabei große Teile der Decksaufbauten über Bord.

 White Wall
White Wall
© NOAA
White Wall oder "Weiße Wände" schließlich sind extrem steile, fast senkrechte Einzelwellen, die eine Breite von bis zu zehn Kilometern oder mehr haben. Diesem Riesenwellentyp sah sich beispielsweise vor einiger Zeit dieser Frachter im Golf von Biskaya gegenüber, wo häufiger solche tödlichen Wasserwände auftreten können.

Die einzelnen Riesenwellen haben dennoch laut mathematischen Kalkulationen von Marius Gerber von der Stellenbosch University meist eine ungewöhnliche, charakteristische Form. Der steile, außerordentliche hohe Wellenkamm mit einer "scharfen" Kante an der Spitze folgt dabei einem tiefen runden Wellental. Diese theoretischen Berechnungen stimmen gut mit Augenzeugenberichten von Freak Waves überein. Kapitäne, Matrosen oder Passagiere die schon einmal eine Riesenwelle miterlebt haben zeigten sich seit jeher vor allem von dem ungewöhnlich tiefen Wellental beeindruckt und beschrieben es als "Hole in the sea" - Loch im Meer.

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