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Donnerstag, 02.09.2010
Super-Schweine durch Doping
Antibiotika im Tierfutter

Schweine im Stall 
Schweine im Stall
© Scott Bauer - ARS
Das waren früher noch Zeiten: Die Hühner liefen gackernd über den Hof, Schweine wälzten sich behaglich in Schlammpfützen und die Kühe wanderten, große Glocken um den Hals, grasend und wiederkäuend über malerische Almwiesen. In der heutigen Zeit, in der Hühner über 280 Eier im Jahr legen, Schweine nach nur sechs Monaten schon über 100 Kilo wiegen und Kühe 8000 Liter Milch pro Jahr geben, geht das natürlich nicht mehr.

Diese Entwicklung sollte auch diejenigen beunruhigen, denen das Verschwinden malerischer Bauernhöfe und das Wohlergehen der Tiere herzlich egal ist. Denn auch der Mensch profitiert nicht nur von dieser Art der Tierhaltung. Eines der dringendsten Probleme ist der Einsatz von Antibiotika in der Tiermast.

Antibiotika im Futter bewirken, dass die Tiere weniger fressen aber trotzdem schneller wachsen. Dadurch steigert sich der Profit der Fleischproduzenten. 25 Pfennig, die in Antibiotika investiert werden, bringen beim Verkauf des Fleisches eine Gewinnsteigerung von bis zu vier Mark. Ein lohnendes Geschäft. Wen wundert es da, dass 80 Prozent aller in der EU hergestellten Antibiotika an Tiere verfüttert werden. In einem Zentner Tierfutter sind bis zu zwei Kilo Antibiotika enthalten.

Aber der ungehemmte Einsatz von Antibiotika zieht alarmierende Risiken nach sich. Rückstände der Substanzen bleiben im Fleisch und anderen tierischen Produkten. Weitaus besorgniserregender sind aber die Bakterien, die in den Mägen und Därmen der Tiere leben und aufgrund der Fütterung mit Antibiotika resistent geworden sind. Diese resistenten Bakterien werden schließlich mit dem Fleisch mitgegessen, sie gelangen in den Darm des Menschen und können dort im Falle einer Infektion nicht durch den Einsatz von Antibiotika vernichtet werden.

Resistenzen gegen Antibiotika breiten sich unter den Mikroorganismen immer weiter aus. Mediziner sind besorgt, denn immer mehr Infektionen lassen sich nicht mehr mit den üblichen Antibiotika bekämpfen. Experten sind sich einig, dass der Einsatz von Antibiotika in der Tiernahrung einen erheblichen Anteil an dieser Entwicklung hat. So wurde zum Beispiel bei einer Studie auf einer Truthahnfarm festgestellt, dass Tierpfleger und Schlachter von den selben Bakterien besiedelt waren, die auch im Kot der Tiere auftraten. Aber auch noch in Städten, die weitab von Mastbetrieben liegen, fanden sich bei rund 14 Prozent der Testpersonen resistente Bakterien.

Leben Vegetarier also gesünder? Gesünder vielleicht, aber ganz können sie sich nicht vor den Gefahren schützen. Schon ein Händedruck kann die Keime von Mensch zu Mensch übertragen. Sinnvoller als ein darauf begründeter Verzicht auf zwischenmenschliche Kontakte wäre allerdings ein europaweites Verbot von Antibiotika im Tierfutter. In Finnland, Schweden und Dänemark existiert bereits ein entsprechendes Gesetz, in der restlichen EU ist man noch nicht ganz so weit. Inzwischen sind zwar immerhin sechs von zehn verwendeten Futterantibiotika verboten worden, bevor aber nicht ein generelles Verbot existiert, bleibt diese "Zeitbombe für die Gesundheit" weiter bestehen.

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