Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Donnerstag, 02.09.2010
Ein globales Fernwärmenetz...
Meeresströmungen und Klima

El Nino 1997 
El Nino 1997
© NASA
Lange Zeit galten die Ozeane nur als passive Teilnehmer am globalen Klimakarussell, als praktische Puffer und Kohlendioxidsenken. Doch neuere Untersuchungen zeigen, dass die Weltmeere eine sehr viel aktivere Rolle im Klimageschehen spielen als bisher angenommen. Ähnlich wie die Luftmassen der Atmosphäre in ständiger Bewegung sind, wird auch das Wasser der Meere ständig umgewälzt. Die großen Meeresströmungen bewegen nicht nur gewaltige Wassermassen, sondern transportieren und verteilen dabei auch wie eine globale Klimaanlage Kälte und Wärme rund um den Globus.

Für das Klima der Küstenregionen, aber auch für das globale Klimasystem, sind Stärke und Verlauf der Meeresströmungen daher entscheidend. Ohne den wärmenden Einfluss des Golfstroms, der warmes Wasser aus dem tropischen Westatlantik bis vor die Küsten Großbritanniens und Skandinaviens bringt, wäre das Klima in Mittel- und Nordeuropa deutlich kühler. Im norwegischen Bodö liegen die Durchschnittstemperaturen dank dieser "Fernwärme" im Januar mit "nur" -2°C immerhin um 13 Grad höher als in Nome an der Westküste Alaskas, das auf der gleichen geographischen Breite liegt.

Auch England und Irland verdanken dem Golfstrom ihr typisches mildes und feuchtes Klima, das zwar fruchtbare Ernten, aber dafür auch jede Menge Nebel, Regen und höchst selten weiße Weihnachten bringt. Um dieses milde Klima zu erzeugen, sind allerdings auch gewaltige Wärmemengen nötig. Allein der Nordatlantikstrom transportiert rund 1015 Watt Energie nordostwärts - eine Menge, die der Produktion von mehr als einer Million Kraftwerken entspricht.

Wie groß die Auswirkungen schon geringer Veränderungen von Meeresströmungen sein können, zeigt auch das El Nino-Phänomen im Pazifik. Normalerweise steigt vor der südamerikanischen Westküste kaltes Tiefenwasser nach oben und bildet den kalten Humboldtstrom. Gleichzeitig sorgen Ostwinde dafür, dass das warme Oberflächenwasser Richtung Westen abtransportiert wird. Alle paar Jahre schwächen sich diese Winde ab, dadurch staut sich das warme Wasser vor der südamerikanischen Küste und der kalte Humboldtstrom wird schwächer und verändert seine Bahn.

Die Folgen dieses scheinbar so lokal begrenzten Phänomens bekommen nicht nur die angrenzenden Regionen zu spüren, sie wirken sich auch auf das Klima weit entfernt liegender Regionen aus. Im Westen Nord- und Südamerikas, aber auch in Ostafrika regnet es in El Nino-Jahren deutlich mehr, Überschwemmungen, Stürme und Erdrutsche häufen sich. In Australien, Indonesien und dem südlichen Afrika dagegen fehlt der Niederschlag, ausgedehnte Dürreperioden lassen im Extremfall ganze Ernten vertrocknen. Aber warum? Weshalb reichen die Auswirkungen einer lokalen Veränderung der Meeresströmung gleich bis auf die andere Seite des Erdballs?

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Meeresströmungen
Schlüssel zum Klima der Zukunft
Wasserplanet Erde
Die Bedeutung der Ozeane
Ein globales Fernwärmenetz...
Meeresströmungen und Klima
Alles fließt...
Conveyor Belt - Das große Förderband der Meere
Der große Absacker...
Schlüsselregion Nordatlantik
Ein prekäres Gleichgewicht...
Wie stabil ist die Fernheizung Europas?
Klimakapriolen und trudelnde Ströme...
Dem Rätsel der Klimasprünge auf der Spur
Wenn die Heizung plötzlich ausfällt...
Die "konvektive Instabilität" und ihre Folgen
Eis oder heiß?
Die Prognosen der Klimaforscher
Kommt die Eiszeit?
Das Klima der Zukunft in Europa
Top-Diaschauen
Masdar City
Quallen
2012 und die Maya
Archäologische Funde
Das Innere der Erde
Aktuelle Dossiers
Wasser mit nebulöser Wirkung
Neues aus der Wolkenforschung
Streit um Archaeopteryx und Co.
Auf der Suche nach dem „Missing Link“ zwischen Dinosauriern und Vögeln
Reise zum Mittelpunkt der Erde
Neues aus dem Inneren unseres Planeten
Der Hund denkt mit
Tiere knacken ein vermeintlich menschliches Privileg
Sieht Deutschland bald alt aus?
Dem demografischen Wandel auf der Spur
Der große Blow-Out
Ölflut im Golf von Mexiko
Leichtbau: Schlankheitskur für Auto und Co.
Neue Verbundstoffe machen Konstruktionen leichter und energiesparender
Überlebenskampf am Kap
Südafrikas Artenvielfalt in Gefahr?
Blutiger Beweis
Wie arbeiten Rechtsmediziner wirklich?
Chimären
Künstliche Mensch-Tier-Mischwesen: Hybris oder Chance?