Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Dienstag, 09.02.2010
Leuchtende Computerwelten...
Licht als Informationsträger und Datenspeicher

"Optische Computer könnten die Geschwindigkeit von Datenverarbeitung und Datennetzen auf Trillionen Bits pro Sekunde erhöhen, das Internet auf mehr als das Zehnfache der heutigen Geschwindigkeit aufmotzen, tausendmal mehr Daten speichern als heute möglich - und das alles mit Geräten und Systemen, die kleiner, billiger und verläßlicher sind als alles, was wir zur Zeit haben." - wenn Donald Frazier von seinem Forschungsobjekt spricht, gerät er geradezu ins Schwärmen.

 Lichtstrahl wird gebrochen
Lichtstrahl wird gebrochen
© DOE
Doch die Visionen, die er ausmalt, sind keineswegs zu hoch gegriffen. Wenn es tatsächlich gelingt, Rechner zu konstruieren, die statt mit Elektronen und Transistoren mithilfe von Licht rechnen, steht der Computertechnologie ein gewaltiger Leistungsschub bevor. Noch steht allerdings auch diese Technologie erst am Anfang.

Die Vorteile der Lichttechnologie gegenüber den herkömmlichen Rechnerarchitekturen sind gewaltig: Im Gegensatz zu den negativ geladenen Elektronen bestehen Lichtstrahlen aus Photonen, ungeladenen Einheiten, die sich nicht gegenseitig beeinflussen. Zwei Lichtstrahlen können sich daher kreuzen oder überlagern, ohne dass es zu "Rauschen" oder anderen Verzerrungen der Information kommt. Diese Eigenschaft nutzt man schon jetzt bei der Datenübertragung in Glasfaserkabeln, bei denen optische Signale verschiedener Frequenz gleichzeitig unterschiedliche Dateneinheiten übertragen.

Im April 2001 wurden in einem Experiment beispielsweise Daten, Video und Sprache mit 3,2 Terabit/s über eine einzige Glasfaser übertragen. Dies entspricht 41 Millionen Telefongesprächen zur gleichen Zeit über dieselbe Glasfaser oder einer e-mail-Verbindung, bei der 100 Millionen Seiten Text pro Sekunde übertragen werden - eine Bandbreite, die für herkömmliche, elektronenbasierte Systeme unerreichbar ist.

Nicht nur in der Datenübertragung, auch in der Verarbeitung der Daten könnten optische Computer erheblich schneller als ihre elektronische Vettern sein, da sie in der Lage sind, auch parallele Operationen durchzuführen. Ein herkömmlicher Computer tastet eispielsweise ein einfaches Bild aus 1.000 x 1.000 Pixeln Pixel für Pixel ab und überträgtund bearbeitet die Information für jeden Bildpunkt einzeln und nacheinander. Im Gegensatz dazu kann schon ein relativ einfaches optisches System alle Pixel des Bildes nicht nur gleichzeitig von einem Ort zum nächsten übertragen, sondern sie auch gleichzeitig bearbeiten.

Weder diese Vorteile des Lichts als Medium, noch die Idee mit Photonen und optischen Schaltern zu rechnen sind neu. Und auch die Rechner existieren in der Theorie bereits: In ihnen übernehmen Photonen die Rolle der Informationsträger, Lichtleiter oder dünne lichtleitende Filme ersetzen Transistoren und Leiterbahnen. Da die optischen Komponenten keinerlei Isolation brauchen, kann der gesamte Rechner insgesamt kleiner, kompakter und erheblich kosteneffektiver gebaut werden. Zudem sind optische Leiterbahnen unempfindlich gegenüber Störungen durch elektromagnetische Wellen und verursachen keine Kurzschlüsse, ein optischer Rechner läuft daher auch wesentlich robuster und störungsfreier als ein konventioneller Chipcomputer.

Was also hindert die Wissenschaftler daran, schon jetzt einen funktionierenden Lichtrechner zu bauen?

zurück   | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 |    weiter
Artikel drucken   Dossier komplett anzeigen
Suche
Erweiterte Suche
Facts
Überblick
Das Wichtigste in Kürze
Artikel zum Thema
Computer der Zukunft
Rechnen mit Quanten, Licht und DNA
Immer kleiner, immer schneller...
Wo liegen die Grenzen der heutigen Computerarchitektur?
Über die Grenzen hinaus....
Auf der Suche nach Alternativen
Rechnen mit Atomen...
Wo Moores Gesetz endet, beginnt die Quantentechnologie
An zwei Orten zugleich...
Geheimnisse der Quantenwelt
Weder Null noch Eins oder beides zugleich...
Das Prinzip des Quantenbits
"Ups" und "Downs" in Chloroform
Wie rechnet ein Quantencomputer?
Messen ohne hinzuschauen...
Hindernisse auf dem Weg zum Quantencomputer
Aus dem Werkzeugkasten der Natur...
Rechnen mit Biomolekülen
"Donnerwetter, die Dinger können ja rechnen!"
Ein Enzym als Rechenmaschine
Eine spezielle Aufgabe für die DNA...
Das Problem eines Handlungsreisenden
Man nehme einen Teelöffel voll DNA...
Adlemans DNA-Rechenexperiment
Sieben Städte in sieben Tagen...
Suche nach der Nadel im Heuhaufen
DNA so schwer wie die Erde...
Hindernisse auf dem Weg zum DNA-Computer
Kein PC aus Reagenzgläsern...
Mögliche Anwendungen eines DNA-Computers
Leuchtende Computerwelten...
Licht als Informationsträger und Datenspeicher
Die schnellen Energiefresser
Der Stand der Forschung bei optischen Computern
Top-Diaschauen
Asteroid Apophis
2012 und die Maya
Erdbeben
Urahnen des Menschen
Dinosaurier
Aktuelle Dossiers
Apophis: Asteroid auf Erdkurs
Einschlag oder knapp daneben? 2029 entscheidet
Vormenschen
Zu Besuch bei Ardi, Lucy & Co
Smarte Etiketten
Auf dem Weg zum “Internet der Dinge”
Der Kommunikations-Code
Die Vielfalt der Sprachen
Klima: Letzte Chance Kopenhagen
Der 15. Weltklimagipfel: Klimaschutz wohin?
Die Erde nach uns
Was bleibt von der menschlichen Zivilisation?
Der Friedhof der Fischsaurier
Eine paläontologische Spurensuche im chilenischen Nationalpark Torres del Paine
Mustererkennung
„Mustergültige Erkenntnis“ in Astrophysik, Musik und Medizin
Mythos „2012“
Die Maya, der 21. Dezember 2012 - und die Fakten
Stahl ganz neu
Rezepte für das Autoblech von morgen