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Dienstag, 14.02.2012
Blutdruckmittel gegen Multiple Sklerose?
Herz-Kreislauf-Mittel beeinflussen auch die Autoimmunreaktion
Altbekannte Medikamente gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen könnten zukünftig auch als Therapie gegen die Multiple Sklerose (MS) eingesetzt werden. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass körpereigene Botenstoffe, die dem Regulationssystem von Blutdruck und Salz-Wasser-Haushalt angehören, auch Einfluss auf Autoimmunreaktionen haben. Greift man im experimentellen MS-Modell mit Medikamenten in den Regulationskreis ein, verläuft die Entzündungsreaktion in Rückenmark und Gehirn milder. Dieses Ergebnbis ist jetzt in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS).

Blutdruckmittel
Blutdruckmittel
© SXC Blutdruckmittel
Kontrollsystem für Blutdruck und Entzündungen…
Das Renin-Angiotensin-System ist eines der wichtigsten Mediatorsysteme des Körpers zur Regulation des Blutdrucks und der Nierenfunktion. Studien haben gezeigt, dass dieses System auch eine Bedeutung für die Entstehung von Entzündungsvorgängen bei Herz-/Kreislauferkrankungen haben kann. Forscher um Ralf Linker von der Neurologischen Klinik der Ruhr-Universität Bochum untersuchten diese Zusammenhänge nun bei Mäusen in einem experimentellen Modell der Multiplen Sklerose.

…wirkt auch auf das Immunsystem
Sie fanden heraus, dass im MS-Modell wichtige Schaltstellen des Renin- Angiotensin-Systems wie Renin oder der Angiotensinrezeptor AT1R in Rückenmark und Immunzellen im Übermaß vorhanden waren. Unabhängig von einem Einfluss auf den Blutdruck führt die Aktivierung dieser Moleküle dort zu einer vermehrten Anwesenheit bestimmter Immunzellen und zur Ausschüttung von Signalstoffen, die
weitere Entzündungszellen anlocken. Bei MS richtet sich das körpereigene Abwehrsystem gegen die "Isolierschicht" der Nervenfaserbahnen und zerstört sie.

Milderer Verlauf durch Blutdruckmittel
Hemmstoffe des Renin-Angiotensin-Systems, die sich gegen Renin richten oder den Rezeptor AT1R blockieren, führten im Modell zu einem milderen Krankheitsverlauf und einer Reduktion von Entzündungsvorgängen im zentralen Nervensystem. „Wir verstehen nun auf molekularer Ebene, wie eine Hemmung des Renin- Angiotensin-Systems im MS-Modell zu einer Abmilderung des Krankheitsverlaufes und einer Dämpfung der Entzündungsvorgänge im zentralen Nervensystem führt.", erläutert Linker.

Vor allem beobachteten die Forscher eine Wirkung auf so genannte Fresszellen (Makrophagen) des Immunsystems, die auch bei der MS eine wichtige Rolle spielen. In einer gleichzeitig veröffentlichten Studie der Gruppe um Professor. Lawrence Steinman von der Stanford University in Kalifornien ergaben sich ähnliche Effekte auch auf regulatorische Immunzellen.

Vorteil: Therapie ist bewährt und verträglich
Hemmstoffe des Renin-Angiotensin-Systems, wie ACE-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptor-Blocker, werden weltweit bei Patienten mit Herz- Kreislauf-Erkrankungen mit gutem Erfolg und guter Verträglichkeit eingesetzt. "Diese Substanzen könnten nun auch in die MS-Therapie Einzug finden, z.B. in Kombination mit bereits etablierten Medikamenten", erklärt Linker. "Wir sehen eine potentiell synergistische Wirkung mit etablierten Basistherapeutika bei MS, was natürlich in Studien zu überprüfen ist."

Im Gegensatz zu den neuen Antikörpertherapien bei MS sollten hier keine entsprechenden Risiken, wie zum Beispiel die so genannte progressive multifokale Leukencephalopathie (PML) zu befürchten sein, eine Infektion, die bei geschwächtem Immunsystem vorkommt.
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