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Dienstag, 14.02.2012
“Hobbit”-Mensch doch eigene Art
Statistische Analyse eines Flores-Skeletts liefert entscheidende Hinweise
Sind die „Hobbits” von der Insel Flores eine eigene Frühmenschenart oder nur missgebildete moderne Menschen? Über diese Frage wird seit Jahren heftig gestritten. Eine statistische Analyse eines der Flores-Skelette spricht nun erneut dafür, dass es sich um eine eigene Art handelt.

Frühmensch
Frühmensch
© Harald Frater
Im Jahr 2003 entdeckten australische und indonesische Forscher auf der Insel Flores in Indonesien Skelette von ungewöhnlich kleinen menschenähnlichen Wesen. Die von vor 94.000 bis noch vor rund 13.00 Jahren auf der Insel lebenden Hominiden wurden nach eingehender Untersuchung zunächst als Homo floresiensis, als ausgestorbene Frühmenschenart, kategorisiert. Basis dafür war vor allem das geringe Schädelvolumen. Doch einige Forscher hielten den „Hobbit“, wie die Funde auch getauft wurden, für durch Mikrocephalie krankhaft veränderte moderne Menschen.

Primitiver als der moderne Mensch
Jetzt haben Forscher des Stony Brook University Medical Centers in New York um William Jungers, und Karen Baab gemeinsam mit indonesischen Kollegen LB1, eines der vollständigsten Skelette, das auch „Flo“ oder „Little Lady of Flores“ genannt wird, neu vermessen und die Werte statistisch zum modernen Menschen, modernen Menschen mit Mikrocephalie und mit anderen Primaten in Beziehung gesetzt.

Mit einem Hirnvolumen von rund 400 Kubikzentimetern ähnelt der Hobbit-Schädel eher denen von Schimpansen oder den ersten aufrecht gehenden Vormenschen, den Australopithecinen. Kiefer und Schädelform weisen, so die Forscher, zudem deutlich primitivere Merkmale auf als die des modernen Menschen. Die statistischen Analysen der Schädelmerkmale ordnen moderne Menschen in eine Gruppe, Mikrocephaliker in eine andere und den „Hobbit“ zusammen mit anderen Vormenschen in eine dritte.

Kleiner als Pygmäen
Auch das restliche Skelett zeigte zahlreiche Merkmale, die nicht auf einen modernen Menschen hindeuten. Oberschenkelknochen und Schienbein von LB1 sind deutlich kürzer als diejenigen von modernen Pygmäen, Buschmännern oder anderen kleinwüchsigen Volksgruppen und weisen andere Proportionen auf.

Auch in der Gesamtkörpergröße – die an dem nahezu vollständigen Skelett gut zu rekonstruieren war – lag „Flo“ deutlich unter den Werten, die diese modernen Menschen erreichen. Die Wissenschaftler ermittelten für das Skelett eine Größe von rund 106 Zentimetern, Pygmäen, die als die Kleinsten modernen Menschen gelten, liegen nur knapp unter 150 Zentimeter.

Einige Forscher argumentieren, es könne sich bei dem Zwergenwuchs statt um ein primitives Merkmal um eine Anpassung an das Leben auf einer Insel handeln, ein Effekt, der für einige Tierarten bekannt ist. Jungers und seine Kollegen widersprechen jedoch: „Es ist schwer zu glauben, dass eine evolutionäre Entwicklung zu einer weniger ökomischen Bewegung führt und sich durchsetzt“, so Jungers. „Es macht wenig Sinn, dass diese Art sich zu kürzeren Oberschenkeln und Beinen zurückentwickelte. Wir halten dies eher für primitive Relikte.“

Hobbits keine pathologische Menschenform
Wurden Körpergrößen und vermutliche Körpermasse der verschiedenen modernen Menschentypen und des Flores-Menschen in ein so genanntes „Scatterplot“-Diagramm eingetragen, lag „Flo“ zudem weit außerhalb der Bereiche der anderen Menschentypen. Nach Ansicht von Baab sei dieser Kleinwuchs nicht allein durch Mikrocephalie zu erklären. „Versuche, die Hobbits als pathologische Menschenformen abzutun sind mehrfach gescheitert, weil die medizinische Diagnose der Kleinwuchs-Syndrome und Mikrocephalie keine Ähnlichkeit zur einzigartigen Anatomie des Homo florensis besitzt.“

In der Diskussion um die Hobbits gibt es allerdings nach wie vor mindestens ebenso viele Studien und Indizien, die für, als auch solche, die gegen Jungers Ansicht sprechen.
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