Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Dienstag, 14.02.2012
"Man ist, was man isst" gilt auch für Nager
Schädelmerkmale, die ein effizientes Fressen ermöglichen, spielen Schlüsselrolle für den Formenreichtum der Nagetiere
Mäuse und Ratten sehen sich ähnlich, unterscheiden sich aber deutlich von den Meerschweinchen. Züricher Forscher haben jetzt erstmals nachgewiesen, dass sich die Schädel der beiden äußerlich so verschiedenen Nagergruppen je nach Nahrung ähnlich entwickeln.

Maus
Maus
© IMSI MasterClips
Den evolutionären Erfolg von Lebewesen messen zu wollen, mag auf den ersten Blick problematisch erscheinen. Doch manchmal sprechen die Fakten eine eindeutige Sprache: Über 40 Prozent aller Säugetierarten sind Nagetiere. Ihre taxonomische und ökologische Vielfalt ist riesig. Im Reich der Säugetiere sind Nager mit Abstand die erfolgreichste Ordnung. Jetzt ist ein Forscherteam der Universität Zürich den Ursachen für diese Vielfalt auf den Grund gegangen.

1.000 Proben aus zwei großen Nagergruppen
Die Wissenschaftler um Professor Marcelo Sánchez und Laura Wilson untersuchten die Schädel von Dutzenden von Nagetierarten im Hinblick auf deren Entwicklungsmuster. Für ihre in den „Proceedings der Royal Society“ vorgestellte Studie analysierte die Forscherin über 1.000 Proben der zwei großen Nagergruppen: Mäuse und Ratten auf der einen Seite und Meerschweinchen auf der anderen Seite.

Mäuse und Ratten sehen sich sehr ähnlich. Die Gruppe der Meerschweinchen dagegen ist ausgesprochen variantenreich: Sie umfasst eigentliche Meerschweinchen, Stachelschweine und die bis 50 Kilogramm schweren Capybara, die größten heute vorkommenden Nagetiere überhaupt.

Schneller wachsende Nasen- und Gaumenpartien
Wilson untersuchte, wie sich die verschiedenen Schädelpartien nach der Geburt entwickeln. Sie konnte dabei nachweisen, dass Schädelmerkmale, die ein effizientes Fressen ermöglichen, eine Schlüsselrolle für den Formenreichtum der Nager spielen.

Nagetiere, die sich rein pflanzlich ernähren und dabei auch harte Pflanzenkost fressen, weisen ein anderes Schädelentwicklungsmuster auf als allesfressende Nager, deren Nahrung ausschließlich weiche Bestandteile aufweist. Nasen- und Gaumenpartien von Nagern, die Wurzeln und andere harte Pflanzenteile fressen, wachsen im Vergleich zu den restlichen Schädelpartien überdurchschnittlich schnell - und dies unabhängig davon, ob es sich um Mäuse, Ratten oder Meerschweinchen handelt. Mit anderen Worten: „Man ist, was man isst“ gilt auch für Nagetiere.

Ernährung entscheidend für die Entwicklung von Wachstumsmustern
„Bei Säugetieren spielt die Ernährung für die Entwicklung von Wachstumsmustern eine zentrale Rolle“, fasst Wilson die Resultate ihrer Forschungen zusammen. Aufgrund früherer Studien an Primaten nahm man bisher an, dass sich die Wachstumsmuster bei Säugetieren im Lauf der Evolution nur geringfügig verändert hatten.

Wilsons Resultate in den Proceedings der Royal Society legen nun nahe, dass bei Säugetieren die Entwicklung von artspezifischen Wachstumsmustern wesentlich variabler ist.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Mäuse, Ratten, Meerschweinchen, Nagetiere, Säugetiere, Evolution, Muster, Wachstum, Fressen, Nahrung
Weitere News zum Thema
Krebsmedikament macht Alzheimer-Symptome rückgängig (10.02.2012)
Wirkstoff Bexaroten beseitigt Gedächtnisstörungen und Eiweiß-Plaques bei Mäusen
Fasten lässt Krebstumore schrumpfen (09.02.2012)
Zwei Tage nichts essen macht Chemotherapie effektiver
Primat mit reinen Ultraschall-Rufen entdeckt (08.02.2012)
Extreme Signale für den Menschen und viele Beutetiere nicht hörbar
Erster Nano-Blick in das lebende Gehirn (03.02.2012)
Spezialmikroskop macht winzigste Veränderungen von Gehirnzellen sichtbar
BSE-Erreger noch gefährlicher als gedacht? (27.01.2012)
Lymphgewebe bieten Prionen ein Refugium im neuen Organismus
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Darwins Vermächtnis
Muster der Natur
Nobody is perfect
Dossiers zum Thema
Eine Erde voller Arten
Darwins Vermächtnis in der heutigen Evolutionsbiologie
Die Grammatik des Lebens
Wie fügt die Natur einzelne Teile zum Großen Ganzen?
Unfälle der Evolution
...oder doch geniale Anpassungsstrategien?
Sprungbrett der Evolution
Was Hohltiere vom Werden der Menschen verraten
Mustermacher der Natur
Auf der Suche nach dem molekularen Grundlagen der Musterbildung
News des Tages
Meeresspiegel: Anstieg bis neun Meter schon bei zwei Grad Erwärmung
Glitzernder See auf Saturnmond Titan
Forscher schaukeln Atome
"Man ist, was man isst" gilt auch für Nager
Komponieren für "Dummies"
Zugvögel: Immer der Nase nach
Klima-Extreme lassen Bäume verschwinden
Bücher zum Thema
Abenteuer Evolution
Die Ursprünge des Lebens von Walter Kleesattel
Das ist Evolution
von Ernst Mayr
Gipfel des Unwahrscheinlichen
Wunder der Evolution von Richard Dawkins
Fantastisches Tierreich
Zwischen Legende und Wirklichkeit von John Downer
Das Leben der Säugetiere
von David Attenborough, Dan Jones, und Ben Salisbury
Der Fisch in uns
Eine Reise durch die 3,5 Milliarden Jahre alte Geschichte unseres Körpers von Neil Shubin
Top-Clicks der Woche
1. Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt
2. Krebsmedikament macht Alzheimer-Symptome rückgängig
3. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
4. Fasten lässt Krebstumore schrumpfen
5. Gletscher verlieren jährlich 230 Milliarden Tonnen Eis