Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Montag, 22.03.2010
Künstliches Photosyntheseprotein gegen Treibhausgas
CO2-bindendes Protein erstmals erfolgreich im Reagenzglas nachgebaut
Wissenschaftlern ist es erstmals gelungen, das Kohlendioxid- bindende Schlüsselprotein der Photosynthese im Reagenzglas nachzubauen. Diese jetzt in „Nature“ veröffentlichte Errungenschaft ebnet den Weg dazu, das künstlich hergestellte Protein so zu verändern, dass es effektiver Kohlendioxid umsetzt als das Original aus der Natur und damit dem Treibhauseffekt entgegenwirkt.

Rubisco bindet Kohlendioxid und leitet die Umwandlung in Zucker und Sauerstoff 
ein.
Rubisco bindet Kohlendioxid und leitet die Umwandlung in Zucker und Sauerstoff ein.
© MPG Rubisco bindet Kohlendioxid und leitet die Umwandlung in Zucker und Sauerstoff 
ein.
Die Photosynthese ist einer der wichtigsten biologischen Prozesse. Pflanzen wandeln mit Hilfe des Sonnenlichts Kohlenstoffdioxid (CO2) und Wasser in Sauerstoff und Zucker um. Ohne diesen Prozess wäre das heutige Leben undenkbar. Somit ist das Schlüsselprotein der Photosynthese, das Forscher kurz Rubisco nennen, eines der wichtigsten Proteine überhaupt. Angesichts steigender Treibhausgaskonzentrationen in der Atmosphäre wäre Rubisco theoretisch ein wertvoller Helfer gegen den Klimawandel.

Natürliche Form heute ineffektiv
„Doch das Protein reagiert nicht nur mit CO2, sondern auch häufig mit Sauerstoff", erklärt Manajit Hayer-Hartl, Gruppenleiterin am Max-Planck- Institut für Biochemie in Martinsried. Daher ist es in seiner natürlichen Form relativ ineffektiv. Aufgrund seiner komplexen Struktur gelang es Forschern bislang nicht, das Rubisco künstlich im Reagenzglas herzustellen und möglicherweise so zu verändern, dass es effektiver CO2 abbaut. Doch jetzt ist es den Max-Planck-Forschern erstmals gelungen, diese Hürde zu überwinden und einen solchen Komplex nachzubauen.

Dafür nutzen die Wissenschaftler die Hilfe von Chaperonen. Der Begriff Chaperon kommt aus dem Französischen und bedeutet Anstandsdame. Sie begleitet eine jüngere Dame zu einem Rendezvous und passt auf, dass der Verehrer ihrem Schützling nicht zu nahe kommt. Ähnlich arbeiten auch die molekularen Chaperone in der Zelle: Sie machen es möglich, dass nur die richtigen Teile eines frisch produzierten Proteins zueinander finden und damit die korrekte dreidimensionale Struktur erhalten.

Chaperone halfen bei Nachbau
„Bei den 16 Untereinheiten von Rubisco ist die Gefahr groß, dass sich falsche Teile des Proteins zusammenlagern und verklumpen", erklärt die Biochemikerin Hayer-Hartl. Nur mit der richtigen Struktur kann Rubisco seine Aufgabe in der Pflanze erfüllen. Die MPI-Forscher konnten jetzt zeigen, dass zwei verschiedene Chaperone, die in der Fachsprache GroEL und GroES genannt werden, und ein weiteres Helferprotein (RbcX) nötig sind, um einen funktionierenden Rubisco-Komplex nachzubauen.

Nun wollen die Forscher das Rubisco-Protein gentechnisch so verändern, dass es häufiger CO2 fixiert und seltener Sauerstoff umsetzt. "Da das veränderte Rubisco das Treibhausgas CO2 besser aus der Atmosphäre binden wird", so Manajit Hayer-Hartl, "könnte dies auch von Interesse für den Klimaschutz sein."
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Photosynthese, Kohlendioxid, Protein, Treibhausgas, CO2, Biochemie, Sauerstoff, Klimaschutz, Labor, Chemie, Nachbau, Molekül
Weitere News zum Thema
Photosynthese als „Biobatterie“ (05.03.2010)
Elektroden nutzen Zucker und Sauerstoff als chemische Stromquelle
Pestizid macht Froschmännchen weiblich (02.03.2010)
Unkrautvernichtungsmittel führt zur chemischen Kastration und gefährdet wildlebende Amphibien
Genom von mikrobiellem „Tausendsassa“ entschlüsselt (16.02.2010)
Meeresbakterium reist per Anhalter durch den Ozean und ist gegen (fast) alles gerüstet
Photonen auf Irrwegen (09.02.2010)
Physiker entwickeln ein Experiment, um die Zufallsbewegung von Quantenteilchen zu untersuchen
Photosynthese: Enzym spielt Reset-Knopf (27.01.2010)
Wie sich Pflanzen auf die Lichtbedingungen einstellen
Suche
Erweiterte Suche
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Ökostrom
Solarenergie
Desertec
Klimawandel in Deutschland
Dossiers zum Thema
Spione im Kraftwerk der Natur
Auf der Suche nach der künstlichen Fotosynthese
Kohle aus dem "Dampfkochtopf"
Neue Methode verwandelt Biomasse in wertvolle Rohstoffe
Erneuerbare Energien
Welche Zukunft haben die "Ressourcen der Zukunft"
Wohin mit dem CO2?
Auf der Suche nach „Endlagern“ in Untergrund und Ozeanen
News des Tages
Forscher verknoten Licht
Auch Indonesien von starkem Erdbeben bedroht
Routenplaner und Karten für Haiti-Helfer
Galapagos-Meerechsen genetisch vielfältiger als gedacht
Schiffsdaten zeigen Routen der Bioinvasion
Organisiertes Chaos macht Robotern Beine
Künstliches Photosyntheseprotein gegen Treibhausgas
Bücher zum Thema
Wetter, Klima und Klimawandel
Wissen für eine Welt im Umbruch von Nadja Podbregar, Harald Frater und Karsten Schwanke
Öko
Al Gore, der neue Kühlschrank und ich von Peter Unfried
Was sind die Energien des 21. Jahrhunderts?
Der Wettlauf um die Lagerstätten von Hermann-Josef Wagner
Erneuerbare Energie
von Thomas Bührke und Roland Wengenmayr
Eine unbequeme Wahrheit
von Al Gore, Richard Barth, Thomas Pfeiffer
Top-Clicks der Woche
1. Licht verbiegt Materie
2. Radioaktivität tatsächlich „Heizofen“ des Erdinneren
3. Super-Supernova: Weißer Zwerg sprengt Massegrenze
4. „Stein von Rosetta“ der Exoplaneten gefunden
5. Mittelalter: Feuchte Sommer brachten Pest