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Dienstag, 14.02.2012
Multiple Sklerose: Neue Methode verbessert Diagnose
Untersuchungsverfahren deckt auch Schädigungen in der grauen Substanz auf
Bei der Multiplen Sklerose sind sowohl die Nervenzellen der weißen als auch der grauen Substanz in Hirn und Rückenmark angegriffen. Doch in der grauen Hirnsubstanz ließen sich die krankhaften Veränderungen nur schwer erkennen – bis jetzt. Denn nun haben Mediziner ein Untersuchungsverfahren gefunden, das die Schädigungen in der grauen Substanz deutlich besser sichtbar macht. Sie stellen ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift „European Radiology“ vor.

Nervenzelle
Nervenzelle
© NIH
In Deutschland leiden mehr als 120.000 Menschen an der unheilbaren Autoimmunkrankheit Multiple Sklerose (MS). Aus bisher unbekannten Gründen greift dabei das eigene Immunsystem bei den Betroffenen verschiedene Stellen des zentralen Nervensystems (ZNS) an - unter anderem die Isolierschichten der Nervenzellen (Myelinscheiden). Dort entzündet sich eine Art „Kabelbrand“, Mediziner nennen dies Läsion oder Entmarkungsherd. Die Folge: Nervenimpulse können nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr weitergeleitet werden. Im weiteren Verlauf der Krankheit werden die Nervenzellen geschädigt und gehen zugrunde.

Normale Magnetresonanztomographie nicht erfolgreich
MS-Läsionen in der weißen Hirnsubstanz lassen sich durch herkömmliche Magnetresonanztomografie (MRT) recht gut erkennen. Obwohl die MS traditionell als eine Erkrankung der weißen Substanz interpretiert wird, gilt es mittlerweile als gesichert, dass dabei vor allem auch die graue Substanz des zentralen Nervensystems in Mitleidenschaft gezogen wird.

Mit der herkömmlichen Magnetresonanztomographie (MRT) bleiben die Entzündungsherde in der grauen Substanz - auch kortikale Läsionen genannt - jedoch vielfach unentdeckt.

Schärferer Blick mit stärkerem Magneten
Dr. Mike Wattjes vom MS & Alzheimer Center Amsterdam und sein Team wollten nun prüfen, ob sich die Erkennungsrate der kortikalen Läsionen optimieren lässt. Der deutsche Radiologe hat die aktuelle Studie an seiner früheren Wirkungsstätte - der Radiologischen Klinik der Universität Bonn - begonnen.

Dort untersuchten er und seine Kollegin Dr. Birgit Simon 34 MS-Patienten und neun Kontrollpersonen in zwei Magnetresonanztomographen unterschiedlicher Magnetfeldstärke. Ergebnis: Bei einem Hochfeld-MRT mit drei Tesla Feldstärke waren deutlich mehr Läsionen zu erkennen als bei einem MRT mit der herkömmlichen Feldstärke von 1,5 Tesla. Bei Untersuchungen mit Hochfeld MRT plus einer so genannten Double Inversion Recovery (DIR)-Pulssequenz stachen die kortikalen Läsionen im Bild am deutlichsten hervor. Die Erkennungsrate lag dabei fast drei Mal so hoch wie bei einer herkömmlichen MRT-Untersuchung bei 1,5 Tesla.

„Die kortikalen Veränderungen sind von entscheidender klinischer Relevanz, da sie vor allem mit dem Grad der körperlichen Behinderung und der kognitiven Beschwerden in Verbindung stehen“, sagt Wattjes. „Durch den Einsatz der Hochfeld MRT in Kombination mit speziellen Pulssequenzen können wir diese Läsionen besser sichtbar machen. Damit können wir auch schon zu einem recht frühen Erkrankungszeitpunkt mit größerer Sicherheit sagen, ob eine MS vorliegt oder nicht.“

Krankheit mit 1.000 Gesichtern
Die Multiple Sklerose gilt als eine sehr heterogene Erkrankung und wird daher oft als „Krankheit mit den 1.000 Gesichtern“ bezeichnet: Je nachdem, welche Stellen des Nervensystems entzündet sind, können sich für den Patienten verschiedenste Symptome einstellen - Schwindel, Sehschwächen, Lähmungen oder auch kognitive Defizite. In der Vergangenheit hat man oft auf Basis von neurologischen Befunden und damit recht spät – zum Teil erst nach dem zweiten Krankheitsschub - die Diagnose sicher stellen und adäquat behandeln können.

„Die MRT-Diagnostik hat die Diagnostik der MS revolutioniert. Mit ihr haben wir nunmehr die Möglichkeit, eine Krankheitsaktivität zu erkennen, bevor sie sich beim Patienten in Form eines zweiten Krankheitsschubes klinisch neurologisch eindeutig manifestiert“, so Wattjes. Mit Hilfe der Hochfeld-MRT und neuer Bildgebungstechniken hoffen die Mediziner, in Zukunft nun auch den Ursachen der Krankheit auf die Spur zu kommen.
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