Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Dienstag, 14.02.2012
Macht Schlaf Kinder schlau?
Neues Projekt untersucht Auswirkungen auf die Lernleistung
Ob sich die Schulleistungen von Kindern verbessern, wenn sie länger und besser schlafen, untersuchen österreichische Wissenschaftler jetzt erstmals anhand eines neuen Projektes. Mit speziellen Trainingsmethoden beeinflussen die Forscher dabei zunächst das Schlafverhalten der Schüler positiv. Im Anschluss daran wollen sie dann messen, wie sich dies auf die Lernleistung auswirkt.

Schulkind
Schulkind
© SXC Schulkind
Die neue Studie soll nicht nur einen wertvollen wissenschaftlichen Beitrag leisten, sondern gleichzeitig schlafverbessernde Methoden erproben, die für alle Kinder anwendbar sind und die Effizienz ihrer Schulleistungen verbessern.

Rätsel Schlaf
Schlaf ist überlebenswichtig. Welche Funktionen der Schlaf jedoch genau bei Lebewesen erfüllt, ist noch nicht vollständig geklärt. Bewiesen ist, dass Schlafentzug und Schlafstörungen unterschiedliche psychische und physische Probleme verursachen können. Eine verbesserte Schlafqualität wirkt sich hingegen positiv auf den Menschen aus.

Ob längerer und besserer Schlaf bei Schulkindern auch dazu führt, dass sich die Gedächtnisleistungen und die Lernerfolge verstärken, untersuchen Kerstin Hödlmoser und Manuel Schabus vom Fachbereich Psychologie an der Paris-Lodron-Universität Salzburg in einer aktuellen Studie. Im Zentrum des Forschungsprojektes stehen 60 Kinder im Alter von acht bis elf Jahren, deren Schlafverhalten nicht nur genau unter die Lupe genommen wird, sondern mithilfe von speziellen Trainingsmethoden sogar positiv verändert werden soll.

Schlafen will gelernt sein
Zunächst versuchen die Wissenschaftler im Rahmen der Studie, die Schlafdauer und -qualität der Kinder durch unterschiedliche Methoden zu verbessern. Dazu werden die an der Studie teilnehmenden Volksschüler zufällig in zwei Gruppen geteilt, wie Hödlmoser erklärt: „Eine Kindergruppe erhält ein standardisiertes Schlafedukationstraining. Dabei werden sie spielerisch geschult, welche Schlafhygieneregeln und Entspannungstechniken ihnen dabei helfen, besser zu schlafen. Bei der anderen Gruppe wenden wir Neurofeedback-Training an, bei dem die Kinder lernen, die Aktivitäten ihres Gehirns willentlich zu beeinflussen.“

Schlafen will gelernt sein
Schlafen will gelernt sein
© Georg Bruckschlögl Schlafen will gelernt sein
Gehirnaktivitäten selbst steuern
Beim Neurofeedback-Training werden die Signale im Gehirn mit Sensoren gemessen und von einem Computerprogramm zeitgleich ausgewertet. Der Computer gibt sofort positives Feedback, wenn die Gehirnaktivität im idealen Frequenzbereich für Entspannung und Ruhefindung liegt. Aufgrund dieses positiven Feedbacks erlernen die Versuchspersonen, ihre Gehirnaktivitäten auf Wunsch selbst zu steuern, so die Wissenschaftler. Diese Strategie soll den Kindern helfen, sich in Einschlafphasen besser entspannen und leichter einschlafen zu können. Generell sollen beide Methoden die Schlafdauer und -qualität verstärken.

Jedes Kind absolviert sowohl am Anfang als auch am Ende der Studie verschiedene Tests, mit denen Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Schulleistungen überprüft werden. Dadurch wird der Zusammenhang von Schlaf und kognitiven Leistungen sichtbar. Hödlmoser konnte bei einer ähnlichen Studie mit erwachsenen Probanden bereits klare Ergebnisse erzielen: „Wir haben gezeigt, dass Neurofeedback-Training das Schlafverhalten von Erwachsenen verbessert. Die Versuchspersonen konnten schneller einschlafen und hatten auch deutlich größere Lernerfolge beim Einstudieren von Wortpaaren.“ Dasselbe könnte nun auch für Schulkinder nachgewiesen werden.

Schlafprobleme bei Kindern
Das aktuelle Forschungsprojekt bietet damit einen interessanten Ansatz, da nicht nur Erwachsene, sondern bereits Schulkinder unter Schlafproblemen leiden können. Wie Hödlmoser in einer anderen Untersuchung mit 330 Volksschülern nachgewiesen hat, sind Schlafprobleme in der Altersgruppe der Acht- bis Elfjährigen weit verbreitet.

„Viele Kinder können lange nicht einschlafen oder berichten, dass sie morgens nur schwer wach werden. Andere verweigern das Zubettgehen oder ihre unruhigen Beine verhindern, dass sie nächtens erholsamen Schlaf finden. Außerdem beklagen Kinder, die vor dem Schlafengehen noch Fernsehen oder Computer spielen, häufiger, sich im Traum zu fürchten“, erklärt die Forscherin.

Neben wichtigen wissenschaftlichen Erkenntnissen steht bei dem neuen Projekt auch der präventive Gedanke im Mittelpunkt. Aus diesem Grund werden die gewonnenen Informationen im Anschluss an die Studie auch für die breite Öffentlichkeit aufbereitet und zugänglich gemacht.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Schlafen, Schule, Bildung, Gedächtnis, Lernen, Gehirn, Entspannungstechniken
Weitere News zum Thema
Supervulkane werden schnell wieder aktiv (02.02.2012)
Erste Anzeichen für eine Eruption erst wenige Jahrzehnte vorher messbar
Schichtarbeit erhöht Diabetesrisiko (08.12.2011)
Wahrscheinlichkeit steigt um fünf Prozent pro fünf Jahren Wechselschicht
Traumschlaf sorgt für seelische Gesundheit (25.11.2011)
Gehirn schwächt emotionalen Gehalt von Erinnerungen während des Träumens ab
Einsame Menschen schlafen unruhiger (03.11.2011)
Fehlender Gruppenrückhalt erzeugt Gefühl der unbewussten Anspannung
Forscher lesen die Gedanken eines Träumenden (28.10.2011)
Muster der Gehirnaktivität verrät geträumte Bewegung
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Wunder Gehirn
Savant-Syndrom
Gliazellen
Gehirnforschung
Dossiers zum Thema
Träumen
Wenn das Gehirn eigene Wege geht...
Was Hänschen nicht lernt...
Streit um die frühkindliche Bildung
Gehirnforschung
Dem menschlichen Denken auf der Spur
Elektrische Synapsen
„Aschenputtel“ unter den Zellkontakten
Der Kitt denkt mit
Geheimnisvolle Gliazellen im Gehirn
Illusion und Wirklichkeit
Die visuelle Wahrnehmung des Menschen auf Irrwegen
Das Rätsel der Savants
Auf Spurensuche bei „Rain Mans“ Geschwistern
News des Tages
Aliens in der Milchstraße
Evolution: Perlmutt mehrfach "erfunden"
Internet: Mathematik macht Musikfahndung möglich
Forscher enthüllen winzige atomare Kräfte
Röntgenteleskop soll Dunkle Energie im All aufspüren
Macht Schlaf Kinder schlau?
"Tinte" mit zwei Gesichtern
Bücher zum Thema
Das Schlafbuch
Warum wir schlafen und wie es uns am besten gelingt von Peter Spork
Gehirn und Erfolg: 12 Regeln für Schule, Beruf und Alltag
von John Medina
Medizin für das Gehirn
Hrsg. Spektrum der Wissenschaft
Unser Gedächtnis
Erinnern und Vergessen von Bernard Croisile
Lernen
Gehirnforschung und die Schule des Lebens von Manfred Spitzer
Eine kurze Reise durch Geist und Gehirn
von Vilaynur S. Ramachandran
Descartes' Irrtum
Fühlen, Denken und das menschliche Gehirn von Antonio R. Damasio
Der Beobachter im Gehirn
Essays zur Hirnforschung von Wolf Singer
Top-Clicks der Woche
1. Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt
2. Krebsmedikament macht Alzheimer-Symptome rückgängig
3. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
4. Fasten lässt Krebstumore schrumpfen
5. Gletscher verlieren jährlich 230 Milliarden Tonnen Eis