Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Dienstag, 14.02.2012
Tanzen liegt Menschen im Blut
Reaktion auf den Rhythmus der Musik ist angeboren
Sich im Rhythmus zu Musik zu bewegen, müssen wir Menschen nicht erst lernen, der Drang zu tanzen ist vermutlich angeboren. Das berichten jetzt Forscher in der Frühausgabe der „Proceedings of the National Academy of Sciences” (PNAS). Im Experiment reagierten schon Säuglinge stärker auf Rhythmus als auf Melodie oder Sprache und passten ihre Bewegungen dem „Beat“ von Stücken an.

Kleinkind
Kleinkind
© SXC Kleinkind
Ist uns Menschen das Tanzen, der Drang, sich zur Musik zu bewegen, angeboren? Zumindest einige Eltern würden dies aus ihrer Erfahrung heraus sicher bejahen. Und auf was reagieren Säuglinge, wenn sie auf Musik reagieren? Auf die Melodie? Auf den Rhythmus? Um dies herauszufinden, führten Wissenschaftler der Universität von York gemeinsam mit Kollegen vom finnischen Zentrum für interdisziplinäre Musikforschung der Universität Jyvaskyla eine Studie an Kleinkindern im Alter von fünf Monaten bis zwei Jahren durch.

Reaktion auf Musik, Perkussion und Sprache getestet
Im Experiment bekamen Kleinkinder verschiedene Klänge zu hören, von klassischen Musikstücken über rhythmische Perkussion bis hin zu Sprache. Während dieser Zeit filmten die Forscher die Bewegungen der Kinder per Video und mithilfe der 3D-Motion Capture Technologie. Anhand dieser Aufnahmen und Daten analysierten die Wissenschaftler die Reaktionen der Kinder auf die verschiedenen akustischen Reize und bewerteten mit Hilfe professioneller Balletttänzer, wie stark die Kleinkinder ihre Bewegungen dem Rhythmus der Musik- oder Rhythmusstücke anpassten.

Bewegung im Rhythmus der Musik
Es zeigte sich, dass die Kleinkinder Musik und Rhythmusstücke deutlich interessanter fanden als die gesprochene Sprache. Zudem reagierten bereits die Säuglinge auf Rhythmus und Tempo der Musik. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass es eher der Rhythmus ist, als andere Eigenschaften der Musik, wie beispielsweise die Melodie, der die Reaktion bei Kleinkindern hervorruft“, erklärt Psychologe Marcel Zentner von der Universität York. „Wir stellten zudem fest, dass die Kinder umso mehr lächelten, je besser sie ihre Bewegungen mit der Musik synchronisieren konnten.“

Vorliebe angeboren
Nach Ansicht der Forscher könnte dies auf eine angeborene Vorliebe zurückgehen. Möglicherweise liegt demnach das Tanzen, die rhythmische Bewegungen zur Musik, uns Menschen tatsächlich „im Blut“. „Es bleibt herauszufinden, warum wir Menschen diese spezielle Vorliebe entwickelt haben“, so Zentner. „Eine Möglichkeit wäre, dass es ein Angriffspunkt für die natürliche Selektion für Musik war, oder aber, dass es sich ursprünglich in Verbindung mit einer ganz anderen Funktion entwickelt hat, die heute zufällig für die Verarbeitung von Musik relevant ist.“ Was es nun tatsächlich gewesen sein könnte, das müssen zukünftige Forschungen zeigen.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Tanzen, Musik, Kleinkind, Säugling, angeboren, Rhythmus, Bewegung, Verhalten, Biologie, Neurobiologie, Gehirn
Weitere News zum Thema
Pilz produziert Medikamente aus Krabbenschalen (13.02.2012)
Gentechnisch veränderter Schimmelpilz nutzt Chitin als Rohmaterial
Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt (10.02.2012)
Einzigartige Lebensformen im Wostoksee waren seit 15 Millionen Jahren isoliert
Junge Fliegen duften besser (10.02.2012)
Jugendlicher Geruch wirkt auf Artgenossen attraktiver
Massage wirkt ähnlich wie Schmerzmittel (02.02.2012)
Forscher klären molekularen Mechanismus hinter der Behandlung auf
Meer produziert ozonschädliche Stoffe (02.02.2012)
Halogenverbindungen steigen aus flachen Küstenbereichen auf
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Savant-Syndrom
Berühmte Linkshänder
Gehirnforschung
Dossiers zum Thema
Das Rätsel der Savants
Auf Spurensuche bei „Rain Mans“ Geschwistern
Alles mit links
Das Rätsel der Linkshändigkeit
Was der Gang verrät...
Bewegungsmuster: Von „Cat Walks“ und Westernhelden
Physik der Musik
Die Wissenschaft hinter dem schönen Klang
News des Tages
Erste fossile DNA aus Eierschalen extrahiert
Radioaktivität tatsächlich „Heizofen“ des Erdinneren
Klimaschutz: Zwei-Grad-Ziel nur mit Technologie-Mix erreichbar
Noradrenalin hemmt Alzheimer-Fortschritt
Säuger: Saugmaul wichtiger als Sinnesorgane
Tanzen liegt Menschen im Blut
Wie die Pflanze Wurzeln schlägt
Bücher zum Thema
Die Macht der Gene
Schön wie Monroe, schlau wie Einstein von Markus Hengstschläger
Intelligente Zellen
von Bruce Lipton
Phänomen Mensch
Körper, Krankheit, Medizin von Andreas Sentker und Frank Wigger
Die blinde Frau, die sehen kann
Rätselhafte Phänomene unseres Bewußtseins von Vilaynur S. Ramachandran und Sandra Blakeslee
Top-Clicks der Woche
1. Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt
2. Krebsmedikament macht Alzheimer-Symptome rückgängig
3. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
4. Fasten lässt Krebstumore schrumpfen
5. Gletscher verlieren jährlich 230 Milliarden Tonnen Eis