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Montag, 13.02.2012
Fledermäuse orientieren sich an der Sonne
Studie: Magnetischer Kompass wird nach der Position des Sonnenuntergangs kalibriert
Obwohl Fledermäuse nachtaktive Tiere sind, ist die Sonne für sie die verlässlichste Informationsquelle zur Orientierung auf langen Strecken. Denn Max-Planck-Forscher haben an Großen Mausohrfledermäusen herausgefunden, dass sie das Magnetfeld der Erde wahrnehmen und diesen inneren magnetischen Kompass nach der Position des Sonnenuntergangs kalibrieren.

Große Mausohrfledermaus
Große Mausohrfledermaus
© Dietmar Nill Große Mausohrfledermaus
Schon seit den 1940er Jahren ist bekannt, dass sich Fledermäuse im Nahbereich mit Hilfe von Echoortungsrufen orientieren. Manche Fledermäuse fliegen aber jede Nacht auf Nahrungssuche 20 Kilometer und mehr von ihrem Quartier weg. Zwischen Sommer- und Winterquartier können zudem über 50 Kilometer liegen und wenige Arten wandern sogar jedes Jahr bis zu 1000 Kilometer quer durch Europa.

Es gab bereits seit längerem Hinweise darauf, dass Fledermäuse wie die Vögel das Erdmagnetfeld wahrnehmen und bei ihren weiten Streifzügen zur Orientierung nutzen können. Dies wurde nun durch die Versuche dreier Forscher vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen und Radolfzell bestätigt.

Fledermäuse können sich orientieren
Zunächst wollten Richard Holland, Ivailo Borissov und Björn Siemers herausfinden, ob Fledermäuse sich an einem ihnen unbekannten Ort überhaupt orientieren und nach Hause finden können. Dazu haben die Wissenschaftler in Bulgarien Große Mausohrfledermäuse gefangen und 25 Kilometer entfernt von ihrer Höhle freigelassen. Dann verfolgten sie den Flug der Tiere mit Hilfe kleiner Radiosender. In circa 1-3 Kilometer Entfernung waren die meisten bereits Richtung Heimathöhle orientiert.

„Ich war schon skeptisch, ob dieser erste Teil des Versuches überhaupt klappen wird“, sagt Siemers in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Science“ (PNAS). „Daher war ich sehr beeindruckt, dass die schnellsten Fledermäuse bereits nach zwei Stunden wieder in der Höhle ankamen.“ Nun wollten die Wissenschaftler es genauer wissen: Hat diese Orientierungsfähigkeit in unbekanntem Terrain etwas mit der Wahrnehmung des Magnetfeldes zu tun? Und, damit zusammenhängend, wird dann der Magnetkompass der Fledermäuse wie bei Zugvögeln an der Position der untergehenden Sonne kalibriert?

Myotis myotis
Myotis myotis
© Stefan Greif Myotis myotis
Erdmagnetfeld manipuliert
Die drei Forscher verdrehten bei der Hälfte der Fledermäuse während des Sonnenuntergangs das Erdmagnetfeld mit Hilfe einer Helmholtzspule um 90° von Nord nach Ost. Tatsächlich flogen diese Tiere im Gegensatz zu den Kontrolltieren ungefähr 90° falsch Richtung Osten statt nach Süden zur Heimathöhle.

Das entscheidende letzte Experiment war dann, dieselbe Prozedur nachts zu wiederholen. Wieder drehten die Wissenschaftler die Hälfte der Tiere von Nord auf Ost, aber erst, als auch der letzte Streifen Helligkeit vom Horizont verschwunden war. Nun flogen beide Gruppen nach Süden Richtung Heimathöhle.

„Die Magnetfeldmanipulation war also nur in Verbindung mit dem Sonnenuntergang wirksam“, fasst Holland zusammen. „Große Mausohrfledermäuse scheinen daher einen Magnetkompass zu haben, den sie an der Position der untergehenden Sonne kalibrieren.“

Westen ist dort, wo die Sonne untergeht
Für die Fledermäuse ist also Westen dort, wo die Sonne untergeht, egal, ob ihr momentanes Magnetfeld eigentlich etwas anderes sagt. Da durch Eiseneinlagerungen in der Erdkruste das lokale Erdmagnetfeld schwanken kann, scheint die Sonne für die Tiere die verlässlichere Informationsquelle zur Orientierung zu sein.

Das Ergebnis ist nach Ansicht der Forscher erstaunlich, weil diese Fledermäuse erst spät in der Dämmerung ausfliegen, wenn die Sonne schon unter dem Horizont ist. Dazu Siemers: „Wir konnten jedoch noch eine Stunde nach dem Ausflug der Mausohren am helleren Himmel sehen, wohin die Sonne verschwunden ist.“ Dieser Lichtschimmer genügt den Fledermäusen offenbar zur Orientierung.
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