Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Montag, 13.02.2012
Forscher bringen Elektronen-Masse in Unordnung
Elektronen in Halbleiterkristallen nehmen bei starker Beschleunigung negative Masse an
Berliner Physiker haben gezeigt, dass Elektronen in Halbleiterkristallen bei starker Beschleunigung durch ein elektrisches Feld eine negative Masse annehmen. Die Forscher stellen die Ergebnisse ihrer Experimente in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ vor.

Einjustieren des Experiments
Einjustieren des Experiments
© Uwe Bellhäuser Einjustieren des Experiments
Isaac Newton fand im 17. Jahrhundert heraus, dass eine Kraft die Beschleunigung eines Körpers bewirkt. Die träge Masse des Körpers entspricht dem Verhältnis von Kraft zu Beschleunigung, das heißt bei gleicher Kraft erfährt ein leichter Körper eine größere Beschleunigung als ein schwerer. Die Masse des Körpers ist positiv, das bedeutet die Beschleunigung erfolgt in der Richtung der Kraft. Geladene Elementarteilchen wie das freie Elektron, dessen Masse nur 10 hoch -30 Kilogramm beträgt, lassen sich in elektrischen Feldern auf extrem hohe Geschwindigkeiten beschleunigen.

Auch die Bewegung von Elektronen in Kristallen folgt dieser Gesetzmäßigkeit, sofern die elektrischen Felder klein sind. In diesem Regime besitzt das Kristallelektron eine Masse, die nur einen Bruchteil der Masse des freien Elektrons beträgt.

Extrem kurze Beschleunigungsphase
Berliner Forscher haben jetzt gezeigt, dass Kristallelektronen in extrem hohen elektrischen Feldern jedoch ein völlig anderes Verhalten zeigen und ihre Masse sogar negative Werte annimmt. Wie sie in der neuesten Ausgabe von Physical Review Letters berichten, wurde das Elektron zunächst in einer extrem kurzen Beschleunigungsphase von nur 100 Femtosekunden – dies entspricht 0,0000000000001 Sekunden - auf eine Geschwindigkeit von vier Millionen Stundenkilometer gebracht.

Danach bremst das Elektron in einem ähnlichen Zeitraum ab und kehrt dann seine Bewegungsrichtung sogar um. Diese der Kraft entgegengerichtete Beschleunigung lässt sich nur durch eine negative träge Masse des Teilchens erklären.

In den Experimenten werden Elektronen in dem Halbleiterkristall Galliumarsenid durch einen extrem kurzen elektrischen Impuls beschleunigt, dessen Feldstärke 30 Millionen Volt pro Meter beträgt. Gleichzeitig wird mit hoher Präzision die Geschwindigkeit der Elektronen als Funktion der Zeit gemessen. Der Zeitraum des elektrischen Impulses beträgt nur 300 Femtosekunden. Diese extrem kurze Dauer ist nach Angaben der Forscher erforderlich, da sonst der Kristall zerstört werden kann.

Berechnungen von Felix Bloch bestätigt
Dieses neue Ergebnis stimmt, so die Wissenschaftler weiter, mit Berechnungen überein, die der Nobelpreisträger Felix Bloch bereits vor mehr als 80 Jahren durchführte. Es eröffnet einen bisher nicht zugänglichen Bereich des Ladungstransports, der neue Perspektiven für zukünftige Bauelemente der Mikroelektronik aufzeigt. Die hier beobachteten Bewegungsfrequenzen liegen im Terahertzbereich - ein THz = 1.000 GHz = 10 hoch 12 Hz - und damit etwa 1.000 Mal höher als die Taktrate der neuesten PC Generation.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Elektronen, Halbleiter, Kristalle, Masse, Kraft, elektrisches Feld, Elementarteilchen, Beschleunigung, Femtosekunden, Geschwindigkeit
Weitere News zum Thema
Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig (09.02.2012)
Hamburger Forscher sammeln neue Erkenntnisse für einen optischen Quantencomputer
Erster Röntgenlaser auf Atom-Basis (26.01.2012)
Neue Technologie ermöglicht noch schärfere Bilder aus der Nanowelt
Eine Autobahn für Elektronen (25.01.2012)
An der Oberfläche von topologischen Isolatoren fließt Strom sehr geordnet
Wie Zellen ihren Müll entsorgen (24.01.2012)
Forscher entschlüsseln die Struktur der zellulären Proteinabbau-Maschinerie
Laser als genaueste Taktgeber der Welt (17.01.2012)
Metronom ermöglicht Zeitlupenfilme von Atomen und Molekülen
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Atome
Elektronen
Zoom aufs Atom
Nanotechnologie
Dossiers zum Thema
Zoom aufs Atom
Reise in den Mikrokosmos
Nanotechnologie
Baukastenspiele im Reich des Allerkleinsten
Sicherheit durch Hightech
Wie Forscher Attentätern, Viren und Kriminellen den Kampf ansagen
Computer der Zukunft
Rechnen mit Quanten, Licht und DNA
News des Tages
Planetentheorie auf den Kopf gestellt
Chile-Beben verlängerte Tage
Spam-Flut muss nicht sein
"Mikado-Stäbchen" organisieren sich selbst
Droht Mangel an Hightech-Metallen?
Genetische Ursachen des Nierenversagens entdeckt
Forscher bringen Elektronen-Masse in Unordnung
Bücher zum Thema
Wissen hoch 12
Ergebnisse und Trends in Forschung und Technik von Harald Frater, Nadja Podbregar und Dieter Lohmann
Donnerwetter - Physik
von Peter Häußler
Die Geschwindigkeit des Honigs
Ungewöhnliche Erkenntnisse aus der Physik des Alltags von Jay Ingram
Abschied von der Weltformel
Die Neuerfindung der Physik von Robert B. Laughlin
Faszination Nanotechnologie
von Uwe Hartmann
Nanotechnologie und Nanoprozesse
Einführung, Bewertung von Wolfgang Fahrner
Top-Clicks der Woche
1. Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt
2. Krebsmedikament macht Alzheimer-Symptome rückgängig
3. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
4. Fasten lässt Krebstumore schrumpfen
5. Gletscher verlieren jährlich 230 Milliarden Tonnen Eis