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Montag, 13.02.2012
Neues Risiko-Gen für Brustkrebs entdeckt
Mutation erhöht Erkrankungsrisiko auf 60 bis 80 Prozent
Wissenschaftler haben 15 Jahre nach der Entdeckung der Risikogene BRCA1 und BRCA2 ein weiteres Gen gefunden, das erblichen Brust- und Eierstockkrebs auslöst. Die Ergebnisse dieser Arbeiten wurden jetzt in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Nature Genetics veröffentlicht. Risiko-Gene zu identifizieren, ist die wesentliche Voraussetzung dafür, den betroffenen Frauen eine maßgeschneiderte und engmaschige Früherkennung anbieten zu können.

Brustkrebszelle
Brustkrebszelle
© NCI Brustkrebszelle
Jährlich erkranken in Deutschland etwa 60.000 Frauen neu an Brustkrebs. Etwa fünf bis zehn Prozent aller Brustkrebsfälle sind erblich bedingt: Sie sind auf Veränderungen in bestimmten Genen zurückzuführen, die über die Keimzellen (Ei- und Samenzelle) an die Nachkommen vererbt werden. Die häufigsten Gene, die Brust- oder Eierstockkrebs auslösen können, sind die veränderten Gene BRCA1 Und BRCA2 (BReast CAncer-Gene). Wenn ein Fehler in einem dieser Gene vorliegt, ist das Brustkrebs-Risiko um 60 bis 80 Prozent erhöht, das Risiko für Eierstockkrebs liegt gleichzeitig bei 20 bis 40 Prozent. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass es weitere genetische Risikofaktoren gibt, die einen Großteil der Brustkrebserkrankungen erklären können.

Risiko bei 60 bis 80 Prozent
Das neue Risiko-Gen für erblichen Brust- und Eierstockkrebs heißt RAD51C. Seine Funktion ist es, die Erbsubstanz einer Zelle fehlerfrei zu halten. Mutationen in diesem Gen führen dazu, dass ein Tumor entstehen kann. Für ihre Studie analysierten Wissenschaftler der Universitätklinik Köln und des Universitätsklinikums München das Erbgut von insgesamt 1.100 Risikofamilien, in denen gehäuft Erkrankungsfälle auftraten. Bei ihnen wurden zuvor Veränderungen in den bislang bekannten Risiko-Genen BRCA1 und BRCA2 (BReast CAncer-Gene) ausgeschlossen.

In sechs dieser Familien waren Defekte im RAD51C-Gen nachweisbar. Die Patientinnen gehörten ausschließlich zu den Familien, bei denen Brust- und Eierstockkrebs gemeinsam auftraten. Das Risiko für Brustkrebs liegt bei den Trägerinnen einer Mutation im RAD51C-Gen bei ungefähr 60 bis 80 Prozent, für Eierstockkrebs bei 20 bis 40 Prozent. Die Patientinnen erkranken außerdem deutlich früher als Patientinnen mit sporadischem Brust- oder Eierstockkrebs. Deshalb bezeichnen Experten das neu identifizierte Gen auch als BRCA3.

„Diese Ergebnisse unterstützen unsere Hypothese, dass verschiedene seltene Gendefekte ein gemeinsames Krankheitsbild auslösen, den erblichen Brust- und Eierstockkrebs. Dieses Wissen ist wichtig für die Suche nach weiteren Risiko-Genen. Denn die bisher bekannten Brustkrebs-Gene können nur 60 Prozent der Hochrisikofamilien erklären", erläutert Professor Alfons Meindl, Leiter der Abteilung für gynäkologische Tumorgenetik am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München. Meindl hat die molekulargenetischen Untersuchungen des Projektes geleitet.

Ärzte und Betroffene stehen zukünftig vor neuen Herausforderungen: Die Ergebnisse zeigen, dass das Erbgut von Hochrisiko-Patientinnen, die keine Veränderungen in den bekannten Genen haben, auf weitere Defekte untersucht werden muss. Die Wissenschaftler planen, mit neusten Analysemethoden weitere Risiko-Gene zu suchen. Künftig könnte dann für jede Frau das individuelle Brustkrebsrisiko bestimmt und darauf basierend eine maßgeschneiderte Prävention und eine engmaschigere Krebs-Früherkennung angeboten werden. Dies würde ein ganz neues klinisches Gebiet der risikoangepassten Brustkrebs-Prävention eröffnen.
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