Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Montag, 13.02.2012
Elektroautos: Kaufbereitschaft stoppt bei 25.000 Euro
Zahlungsbereitschaft für Elektroautos untersucht
Für Elektroautos viel zahlen? Dazu ist der Normalverbraucher nicht bereit, wie eine Studie jetzt ergeben hat. Höchstens zwischen 10.000 bis 25.000 Euro würde die Mehrheit für ein Elektroauto ausgeben. Bisher liegen die Preise allerdings um rund 10.000 Euro über diesen Maximalgrenzen.

Blick auf das Innenleben eines japanischen E-Autos
Blick auf das Innenleben eines japanischen E-Autos
© GFDL Blick auf das Innenleben eines japanischen E-Autos
Noch sind Elektroautos auf unseren Straßen eine Rarität – es fehlt an Serienmodellen und an Käufern. Wie viel Verbraucher theoretisch für ein elektromodell zahlen würden, das haben jetzt Wissenschaftler des Centers für Automobil-Management(CAMA) der Universität Duisburg-Essen (UDE) untersucht. Befragt wurden deutschlandweit insgesamt 387 potenzielle Kunden interviewt, alles 20- bis 40-Jährige, die durchschnittlich zwischen 2.000 und 4.000 Euro verdienen, täglich rund 10 bis 50 Kilometer zurücklegen, im Zentrum einer Stadt mit mehr als 50.000 Einwohnern wohnen und zwischen 2010 bis 2013 den Kauf eines neuen Autos planen.

Höchstens zwischen 10.000 bis 25.000 Euro
Das Resultat: Beim Kauf eines elektrisch betriebenen Fahrzeugs wollen sie höchstens zwischen 10.000 bis 25.000 Euro ausgeben. „Ab der Obergrenze von 25.000 Euro sinkt die Kaufbereitschaft sehr stark", erklärt Professorin Heike Proff. Gegen einen Preis von 15.000 Euro haben jedoch nur die wenigsten künftigen Elektroautokäufer etwas einzuwenden. Damit liegt die maximale Zahlungsbereitschaft durchschnittlich um mehr als 10.000 Euro unter den am Markt vorgesehenen Preisen.

„Gerade von den Befragungsteilnehmern, die der Zielgruppe der potenziellen Käufer von Elektrofahrzeugen zuzurechnen sind, hätten wir eine wesentlich höhere Zahlungsbereitschaft für Elektrofahrzeuge erwartet", ergänzt Thomas Martin Fojcik, der die Studie bearbeitet hat.

Grundhaltung positiv
Wie die Forscher herausfanden, ist die Grundhaltung der Befragten gegenüber den neuen Fahrzeugen jedoch durchweg positiv. Die geringe Zahlungsbereitschaft wird deshalb auf den niedrigen Kenntnisstand und die Unsicherheit der Autofahrer zurückgeführt: So wissen rund 70 Prozent nicht, dass ein normaler Ladevorgang mit Haushaltsstrom mehr als fünf Stunden dauert.

Die Ergebnisse zeigen, dass auch ein niedriger Verkaufspreis unter 10.000 Euro für ein Elektrofahrzeug abgelehnt wird. Selbst wenn damit eine fünfstündige Ladedauer, eine Reichweite über 150 Kilometer und ein Betriebskostenvorteil gegenüber herkömmlichen Verbrennungsmotoren von 40 Prozent auf 100 Kilometern verbunden ist. Der Grund hierfür: Der niedrige Preis lasse auf eine geringe Qualität schließen. Um die Zahlungsbereitschaft zu erhöhen und Vorurteile abzubauen, sei es daher wichtig, das Wissen der Kunden über die Antriebstechnik zu erhöhen, so Proff.

Serienreife dringend nötig
Sie fordert die Autoindustrie zum Umdenken auf: "Die Automobilunternehmen müssen endlich ernsthaft damit beginnen, die neue Technologie zur Serienreife zu bringen, um durch Serienfertigung die Kostenposition und dadurch die Preise der Elektrofahrzeuge zu senken." Hierfür sei ein "völlig neues Fahrzeugkonzept" nötig. Außerdem müsse über finanzielle und nicht-finanzielle staatliche Kaufanreize in der Einführungsphase der Elektroautos nachgedacht werden. Gefragt seien jedoch
zunächst die Automobilunternehmen, "für die die Elektromobilität eines der wenigen Wachstumsthemen ist, um die bereits vor der Krise unterdurchschnittliche Renditeentwicklung zu verbessern."

Ein Großteil der Studienteilnehmer steht der Entwicklung von Elektrofahrzeugen optimistisch gegenüber und glaubt, dass Firmen wie VW, Audi, Daimler und BMW in naher Zukunft bedürfnisgerechte Elektroautos bauen werden - eine Chance für die deutschen Automobilhersteller.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Elektroauto, Elektromobilität, alternative Antriebe, PKW, Kosten, Serienmodell, Elektrofahrzeuge, Energie, Brennstoffzele, Batterie, Ladezeit, Akku, Strom, Technik, Mobilität
Weitere News zum Thema
Eine Autobahn für Elektronen (25.01.2012)
An der Oberfläche von topologischen Isolatoren fließt Strom sehr geordnet
Nano-Auto fährt mit Strom (11.11.2011)
Molekül aus vier rotierenden Motoreinheiten synthetisiert
Polymer als leistungsfähiger Superkondensator (23.08.2011)
Forscher entwickeln neue Stromspeichermedien
Erdgas aus Wind und Sonne (16.05.2011)
„Power to gas“ erzeugt Methangas als Stromspeicher für erneuerbare Energien
Elektroautos: schnelles Laden ohne Kabel (11.04.2011)
Magnetspule lädt Fahrzeuge schnell und berührungslos, Testlauf im Juni 2011
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Elektroautos
Batterien der Zukunft
Brennstoffzellen
Dossiers zum Thema
Mit Strom fahren
Elektroautos auf dem Vormarsch
Mini-Kraftwerke für Zuhause und unterwegs
Brennstoffzellen – wie weit ist die Entwicklung?
Symbiosen
Eine Hand wäscht die andere
Strom aus der Konserve
Batterien und Akkus der Zukunft
Verkehrsinfarkt
Mobilität in der Krise
Wie grün ist der „grüne“ Strom?
Ein ökologisches Vorzeigeprodukt in der Diskussion
News des Tages
Island: Kein Klimaeffekt durch Vulkanausbruch
Neue Art von Malaria-Erregern entdeckt
Knochenfresser-Wurm bohrte schon vor 30 Millionen Jahren
Zugvögel: Fernreisen sind „out"
Ackerschmalwand bestätigt Darwins Theorie
Schwebepartikel als schwimmende Inseln für Tiefsee-Mikroben
Elektroautos: Kaufbereitschaft stoppt bei 25.000 Euro
Bücher zum Thema
Öko
Al Gore, der neue Kühlschrank und ich von Peter Unfried
Erneuerbare Energien
Mit neuer Energie in die Zukunft von Sven Geitmann
50 einfache Dinge, die Sie tun können, um die Welt zu retten...
von Andreas Schlumberger
Erneuerbare Energien und Alternative Kraftstoffe
Mit neuer Energie in die Zukunft von Sven Geitmann
Was sind die Energien des 21. Jahrhunderts?
Der Wettlauf um die Lagerstätten von Hermann-Josef Wagner
Top-Clicks der Woche
1. Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt
2. Krebsmedikament macht Alzheimer-Symptome rückgängig
3. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
4. Fasten lässt Krebstumore schrumpfen
5. Gletscher verlieren jährlich 230 Milliarden Tonnen Eis