Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Montag, 13.02.2012
DNA-Baukasten für Nanomotoren
„Rotaxan“ nutzt Bausteine des Lebens als Konstruktionsmaterial
In die Nanomechanik kommt Bewegung. Wissenschaftlern ist es erstmals gelungen, aus DNA-Doppelsträngen ein so genanntes Rotaxan herzustellen, ein achsenförmiges Molekül, dessen Einzelteile mechanisch frei beweglich sind. Wie die Forscher in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Nature Nanotechnology“ schreiben, stehen der Nanorobotik und der Synthetischen Biologie ganz neue Möglichkeiten offen.

Rotaxan
Rotaxan
© Universität Bonn Rotaxan
Schon seit Jahren tüfteln Biochemiker an Rotaxanen. Der aus dem Altgriechischen abgeleitete Name bedeutet so viel wie „Radachse“ – nicht ohne Grund. Denn ein Rotaxan-Molekül besteht vor allem aus einer Achse und einem darüber eingefädelten Ring. Damit der Ring sich nicht von der Achse lösen kann, sind an den Enden so genannte „Stopper“ angebracht, die selbst wiederum aus miteinander verschränkten Ringen bestehen. Das ganze Gebilde sieht ein wenig wie eine Hantel aus, über dessen Griffstange ein Ring aufgezogen wurde. Die bisherigen Rotaxane entstammen allesamt der organischen Chemie, die wesentlich kleiner sind und deshalb eine geringere Spanne an mechanischer Bewegung im Nanometerbereich zulassen. Außerdem kann die DNA relativ einfach weiter funktionalisiert werden, wodurch sehr schnell raffinierte mechanische Systeme entwickelt werden können.

Bausteine des Lebens als Konstruktionsmaterial
Das Forscherteam um Damian Ackermann und Professor Michael Famulok vom Life & Medical Sciences (LIMES)-Institut der Universität Bonn hat sich für die neuen Rotaxane eines Baustoffes bedient, der eigentlich als Baustein des Lebens bekannt ist: DNA. Der Doppelstrang aus Nukleotiden ist für die Chemiker aber nicht in erster Linie wegen seiner Erbgutträgerfunktion interessant, sondern vor allem aus „architektonischen“ Gründen. Die Doppelhelix bildet ein sehr stabiles Grundgerüst. Außerdem lässt sich einer der Stränge an jeder beliebigen Stelle herausnehmen und sozusagen als Anknüpfungspunkt für weitere Bauteile verwenden. „DNA eignet sich durch die Spezifität der Einzelstränge, das bietet uns ganz viele Möglichkeiten“, erläutert Ackermann. „DNA ist wie eine Art Legostein – das ideale Baumaterial für die Nanoarchitektur“, ergänzt Famulok.

Rädchen zum Nanomotor
Die Bonner Biochemiker haben ein Rotaxan geschaffen, das es so bisher noch nicht gab: Eine stabile mechanische Einheit mit einem frei beweglichen inneren Ring. Nun ist vieles möglich. „Wir können uns einiges vorstellen“, so Famulok. „Das Ziel ist es zunächst einmal, kontrollierbare bewegliche Systeme auf Nanoebene zu bauen. Die Achse und die Räder sind da und wir haben einige Ideen, welchen Antrieb man ausprobieren könnte, um die Räder in Bewegung zu setzen.“ Diese Nanomotoren könnten dann auch mit biologischen Systemen wie z.B. Proteinen kompatibel sein.

Satz neuartiger Bausteine
Die Forscher wissen nun, dass sie mit den DNA Rotaxanen die Grundlage erarbeitet haben um unterschiedlichste nano-mechanische Systeme auf der Basis von mechanisch verbundener doppelsträngiger DNA aufzubauen. Was dabei genau am Ende herauskommt, ist zunächst einmal nicht das Wichtigste. „Entscheidend ist, dass wir einen Satz neuartiger Bausteine in der Hand haben, mit denen wir Dinge konstruieren können, die vorher so nicht möglich waren“ sagt Ackermann „die Grenzen der Phantasie sind sozusagen ein wenig erweitert worden.“
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Nanotechnologie, DNA, Achse, Räder, Molekül, Nano-Bauteil, Rotaxan, Nanomaschine, Nanoarchitektur, Technik, Biochemie, Doppelhelix
Weitere News zum Thema
Schmetterling liefert Vorbild für Infrarotsensor (13.02.2012)
Nanoschuppen reagieren auf Wärme mit Farbveränderung
Erster Röntgenlaser auf Atom-Basis (26.01.2012)
Neue Technologie ermöglicht noch schärfere Bilder aus der Nanowelt
Nano-Antenne ermöglicht Terahertz-Scanner im Handyformat (24.01.2012)
Nanotechnologie und Nanofabrikation sorgen für Durchbruch bei der Erzeugung von Terahertzstrahlen
Forscher kreieren molekulares Legospiel (23.01.2012)
Komplexe Nanostrukturen bilden sich in gesteuerter Selbstorganisation
Weniger Tierversuche durch Nanosensoren (03.01.2012)
Nano-Partikel vereinfachen Zellkulturtests als Alternative zu Chemikalientests an Tieren
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Atome
Nanoröhrchen
Smart Plastics
Zoom aufs Atom
Nanotechnologie
Dossiers zum Thema
Nanotechnologie
Baukastenspiele im Reich des Allerkleinsten
Die Gecko-„Kopierer“
Den Haft- und Klebetricks der Natur auf der Spur
Zoom aufs Atom
Reise in den Mikrokosmos
Smarte Kunststoffe und flexible Chips
Polytronik auf dem Vormarsch
News des Tages
Sonne in nie zuvor gesehenem Detail
Aufsteigendes Magma löste urzeitlichen Klimawandel aus
Omega-3-Fettsäuren wirken nicht fürs Gedächtnis
Ölbohrinsel "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko versunken
Umweltschutz: Ostseepipeline wird nachgebessert
DNA-Baukasten für Nanomotoren
„Kuckucksküken“ auch bei Zebrafinken
Bücher zum Thema
Faszination Nanotechnologie
von Uwe Hartmann
Nanotechnologie für Dummies
Spannende Entdeckungen aus dem Reich der Zwerge von Richard D. Booker und Earl Boysen
Homo sapiens: Leben im 21. Jahrhundert
Was bleibt vom Menschen? von Ray Kurzweil
Was soll das alles?
Gedanken eines Physikers von Richard P. Feynman
QED
Die seltsame Theorie des Lichts und der Materie von Richard P. Feynman
Top-Clicks der Woche
1. Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt
2. Krebsmedikament macht Alzheimer-Symptome rückgängig
3. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
4. Fasten lässt Krebstumore schrumpfen
5. Gletscher verlieren jährlich 230 Milliarden Tonnen Eis