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Montag, 13.02.2012
Kleinkinder und Fernsehen: Jede Stunde schadet
Studie enthüllt spätere Beeinträchtigungen in Schule, Gesundheit und Sozialverhalten
Jede Stunde, die ein Kleinkind vor dem Fernseher verbringt, zieht psychische und kognitive Beeinträchtigungen im Schulalter nach sich. Das zeigt jetzt eine kanadische Studie an mehr als 1.000 Kindern. Kinder mit erhöhtem TV-Konsum im Alter von zwei bis vier Jahren zeigten schlechtere Schulleistungen, waren passiver und neigten zu ungesunderem Lebensstil.

Kinder beim Fernsehen
Kinder beim Fernsehen
© Université de Montréal
Mit Sendungen wie den „Teletubbies“ oder dem Kinderkanal zielen die Fernsehsender immer häufiger auf eine sehr junge Zielgruppe, Kinder im Kindergarten und Kleinkindalter. Doch genau für diese Altersgruppe hat sich das Fernsehen nun als langfristig schädlich entpuppt, wie eine Studie kanadischer Forscher zeigt. Ziel der Studie war es, den Einfluss des Fernsehkonsums im Alter von zwei Jahren auf die zukünftigen akademischen Leistungen, die Lebensstilwahl und das allgemeine Wohlbefinden zu ermitteln.

Die Wissenschaftler der Universität von Montreal werteten dafür Daten von 1.314 Kindern aus, die im Rahmen der „Quebec Longitudinal Study of Child Development Main Exposure“ über mehrere Jahre hinweg befragt, untersucht und beobachtet worden waren. Unter anderem wurden die Eltern gefragt, wie viel Fernsehen ihre Kinder im Alter von 29 Monaten und 52 Monaten gesehen hatten. Lehrer und Ärzte beurteilten die schulischen Leistungen, sowie den psychosozialen und gesundheitlichen Status der Kinder im Alter von zehn Jahren.

Überraschend eindeutige negative Folgen im Schulalter
Das Ergebnis war ebenso überraschend wie erschreckend: „Wir haben festgestellt, dass jede zusätzliche Stunde des Fernsehkonsums bei Kleinkindern mit einer Verschlechterung des späteren Engagements in der Schule und der Mathematikleistungen einhergeht“, erklärt Linda S. Pagani, Professorin für Psychologie an der Universität von Montreal. „Sie sind später häufiger Opfer von Mobbing in der Schule, haben einen inaktiveren Lebensstil, essen mehr Junkfood und haben dadurch auch einen höheren Body Mass Index.“

Konkret zeigten Kinder mit starkem Fernsehkonsum als Kleinkinder eine um sieben Prozent reduziertere Mitarbeit im Unterricht und eine um sechs Prozent niedrigere Listung in mathematischen Fächern – das Lesen dagegen war nicht signifikant betroffen. Physische Aktivität nahm bei den Kindern um zehn Prozent allgemein und um 13 Prozent an den Wochenenden ab, dafür lag der Konsum von Süßigkeiten um zehn Prozent höher. Entsprechen war auch der Body Mass Index durchschnittlich um fünf Prozent höher als bei Schülern, die als Kleinkinder wenig oder kein Fernsehen sehen durften.

Entscheidende Phase der Hirnentwicklung
„Die frühe Kindheit ist eine kritische Periode für die Hirnentwicklung und die Herausbildung des Verhaltens“, so Pagani. „Starker Fernsehkonsum in dieser Zeit kann zu zukünftigen ungesunden Gewohnheiten führen. Im Alter zwischen zwei und vier kann selbst eine allmähliche Exposition gegenüber dem TV die Entwicklung verzögern.“ Die Forscher waren selbst überrascht von der Deutlichkeit der Ergebnisse. „Wir haben erwartet, dass der Einfluss des frühen Fernsehkonsums nach spätestens siebeneinhalb Jahren Kindheit verschwindet, daher ist die Tatsache umso erschreckender, dass die negativen Folgen bleiben“, so Pagani.

Appell für weniger Fernsehen
„Unsere Daten bilden ein zwingendes Argument gegen exzessiven TV-Konsum in der frühen Kindheit.“ Nach Ansicht der Wissenschaftlerin sollten Eltern die Fernsehzeit ihrer Kleinkinder stark beschränken, um das Einprägen einer passiven mentalen und physischen Haltung zu vermeiden. „Der gesunde Menschenverstand sagt einem ja schon, dass die Fernsehzeit Zeit ersetzt, die sonst mit entwicklungsfördernden Aktivitäten und Aufgaben, die das kognitive, motorische und psychosoziale Lernen fördern verbracht werden würde.“

Diese Studie ist eine der ersten, die zu dieser Thematik nicht nur Unteraspekte, sondern die ganze Bandbreite von sozialen, pädiatrischen und elterlichen Faktoren mit berücksichtigt. „Besonders daran ist, wie sie die Vermutungen bestätigt, die es bereits seit längerem gibt und die hier und da von kleineren Projekten in Teilaspekten bereits belegt worden sind“, so Pagani. Sie empfiehlt allen Eltern, Kleinkinder im kritischen Alter von zwei bis vier Jahren nicht oder extrem wenig Fernsehen zu lassen und stattdessen gemeinsame Aktivitäten zu unternehmen.
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