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Montag, 13.02.2012
Klimawandel: Hitzewellen treffen Mittelmeer-Metropolen
Gesundheitsschädliche Klimabedingungen werden vor allem in Südeuropa häufiger
Besonders die Millionenstädte des Mittelmeerraums werden durch den Klimawandel zukünftig häufiger unter Hitzewellen leiden als bisher angenommen. Das zeigt eine erste detaillierte Auswertung der zukünftigen regionalen Häufigkeiten von Hitzewellen und den damit verbunden Gesundheitsrisiken. Demnach treten Perioden extremer Hitze ab 2021 einmal jährlich statt wie bisher nur alle paar Jahre auf, ab 2021 sogar bis zu fünf Mal im Jahr, wie Forscher jetzt in „Nature Geoscience“ berichten.

Neapel gehört zu den Großstädten, in denen es künftig mehr Hitzewellen geben wird.
Neapel gehört zu den Großstädten, in denen es künftig mehr Hitzewellen geben wird.
© CC-by-sa 3.0 Neapel gehört zu den Großstädten, in denen es künftig mehr Hitzewellen geben wird.
Hitzewellen setzen nicht nur der Natur, sondern auch der Gesundheit zu. Das wurde spätestens im Hitzesommer 2003 klar, unter dem vor allem ältere und gesundheitlich angeschlagene Menschen zu leiden hatten. Europaweit sorgte damals allein die Hitzewelle in den ersten zwei Augustwochen für 40.000 zusätzliche Todesfälle im Vergleich zur Mortalität in einem normalen Jahr. Dass sich solche Extremsituationen künftig wiederholen könnten, zeigten Forscher der ETH Zürich bereits 2004 in einer Studie. Jetzt legen Erich Fischer und Professor Christoph Schär vom Institut für Atmosphäre und Klima der ETH Zürich detailliert dar, in welchen Teilen Europas sich die klimatischen Risikofaktoren für die Gesundheit der Menschen am meisten ändern werden.

Zwei Fragen - sechs Modelle
Sechs verschiedene hochaufgelöste Klimamodelle setzten die Forscher ein, um zu untersuchen, ob Tage mit erhöhtem Gesundheitsrisiko zunehmen. Am Anfang ihrer Untersuchung standen zwei zentrale Fragen: Lässt sich abschätzen, wo Hitzewellen künftig zu Gesundheitsrisiken führen, obwohl es bei der Modellierung der klimatischen Risikofaktoren Unsicherheiten gibt? Und: Werden die hitzebedingten Gesundheitsrisiken möglicherweise durch die zu erwartende Abnahme der relativen Luftfeuchtigkeit abgeschwächt?

Auf ihre zweite Frage fanden die Forscher schnell eine Antwort: Die Modelle prognostizieren zwar, dass die zunehmende Trockenheit Südeuropas die relative Luftfeuchtigkeit etwas reduziert. Aber genau in den besonders stark betroffenen Regionen entlang von Küsten bleibt naturgemäß eine gewisse Feuchtigkeit erhalten. Die hohe absolute Luftfeuchtigkeit macht den Menschen bei Hitzewellen besonders zu schaffen, ebenso wie extrem hohe Tages- und Nachttemperaturen und die Länge der Hitzewelle. Insbesondere warme Nächte verstärken die Hitzeeffekte auf die menschliche Gesundheit. Diese klimatischen Risikofaktoren – so die Hauptaussage der Studie – nehmen in den kommenden Jahrzehnten zu.

Ab 2021 eine Hitzewelle pro Jahr
„Auch die Antwort auf die erste Frage“, erklärt Erich Fischer, „ist überraschend klar. Die Modelle zeigen übereinstimmende Änderungsmuster – auch wenn das Ausmaß der Änderungen von Modell zu Modell unterschiedlich ist.“ Zwischen 1961 und 1990 gab es lediglich alle drei bis fünf Jahre eine Hitzewelle. In der Zeit zwischen 2021 und 2050 dürfte es durchschnittlich eine pro Jahr sein, und zwischen 2071 und 2100 wird die Gesundheit jährlich durch die Folgen von zwei bis fünf Hitzewellen gefährdet. Vor allem auf der iberischen Halbinsel und im Mittelmeerraum nehmen die Hitzewellen nach Angaben der Forscher erheblich zu.

Millionenstädte stark betroffen
Neu an den Modellberechnungen der Wissenschaftler ist auch, dass sie aufzeigen, wo in Europa die Hitzewellen der Zukunft die größten Risiken darstellen. Das Ergebnis: Die Anzahl gesundheitsgefährdender Hitzetage nimmt in den Flusstälern Südeuropas wie der Poebene, dem Unterlauf der Donau sowie entlang der Mittelmeerküsten am stärksten zu. In diesen Regionen wird es künftig nicht nur viel wärmer, sondern es bleibt auch vergleichsweise feucht.

„Die Gebiete mit der größten Zunahme des Risikos haben leider meist sehr hohe Bevölkerungsdichten“, erklärt Fischer. Betroffen sind Millionenstädte wie Athen, Bukarest, Marseille, Mailand, Rom und Neapel. Dieses Ergebnis ist umso bedeutender, als die Studie spezifische urbane Faktoren gar nicht berücksichtigt. Städte heizen sich stärker auf und kühlen weniger ab als das offene Land. Dieser sogenannte „Wärmeinseleffekt“ wurde nicht berücksichtigt und könnte das gesundheitliche Risiko in Großstädten zusätzlich verschärfen.

Hilfe für Anpassungsmaßnahmen
Genaue Angaben zum Ausmaß der künftigen Hitzewellen, so betonen die beiden ETH-Forscher, liefere ihre Untersuchung nicht, da es sich um Modellberechnungen handle. Doch die Vorhersagen zeigen klar, wo der Klimawandel die Hitze zum Risikofaktor für die menschliche Gesundheit macht. Und diese Informationen sind wichtig für künftige Anpassungsmaßnahmen und den Aufbau von eigentlichen Hitzewarnsystemen. Solche Vorkehrungen sind wichtig, um die negativen gesundheitlichen Auswirkungen zukünftiger Hitzewellen zu beschränken.
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