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Montag, 13.02.2012
Aids in Afrika: Modell zeigt Überlebenschance
Neue Modelle ermöglichen Überlebensprognose auch für HIV-Patienten in Afrika
Für die Therapie von Aids mit antiretroviralen Medikamenten ist es wichtig, den Therapieerfolg und die Überlebenschance im Vorfeld prognostizieren zu können. Bisher war dies kaum möglich, da genaue Messungen eines bestimmten Zelltyps im Blut in Afrika kaum erfolgt. Jetzt hat eine internationale Forschergruppe hat zwei neue Risiko-Modelle erstellt und in der Fachzeitschrift „The Lancet“ publiziert, die auch eine Prognose auf Basis allgemeinerer Werte ermöglicht.

Aids-Virus
Aids-Virus
© CDC
In Industrieländern existieren mehrere prognostische Modelle, um die Überlebenschance von HIV-Patientinnen und -Patienten beim Start einer antiretroviralen Therapie (ART) zu berechnen. Solche Prognosen sind wichtig für die klinische Entscheidungsfindung, um Patienten zu beraten sowie für die Planung von Gesundheitsversorgung und Behandlungsrichtlinien. Doch gerade in den Entwicklungsländern, beispielsweise in Afrika südlich der Sahara, in denen die Todesraten vor allem im ersten Jahr der Therapie weitaus höher sind, gab es bisher keine an die spezifischen Bedingungen dort angepassten Vorhersage-Modelle.

Vorhersage von Sterberisiko im ersten Jahr
Eine Forschergruppe um Matthias Egger vom Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Bern hat nun zwei neue prognostische Modelle entwickelt, um das Sterberisiko im ersten Jahr der Therapie in Afrika südlich der Sahara abzuschätzen. Die Wissenschaftler identifizierten Risikofaktoren für den Tod von Patienten zu Beginn der antiretroviralen Therapie in vier großen Programmen in der Elfenbeinküste, in Südafrika und Malawi. Sie analysierten Daten von über 11.000 erwachsenen Patientinnen und Patienten, welche die Therapie zwischen 2004 und 2007 begonnen hatten.

Anhand von statistischen Analysen wurde zuerst ein prognostisches Modell entwickelt, das auf fünf klinischen Vorhersage-Indikatoren beruht: der Anzahl bestimmter Abwehrzellen, die vom HI-Virus infiziert und zerstört werden (CD4-Helferzellen), dem klinischen Stadium, dem Körpergewicht, dem Alter und dem Geschlecht („CD4-Modell“).

Genaue Prognose auch ohne CD4-Helferzellen-Wert
Da die Anzahl CD4-Zellen in vielen afrikanischen Kliniken jedoch nicht routinemäßig gemessen wird, entwickelten die Forschenden zusätzlich ein zweites Modell. Dieses ersetzt die Zahl der CD4-Zellen durch die Gesamtzahl an Abwehrzellen (Totale Lymphocytenzahl) und die Hämoglobin-Konzentration im Blut. Blutarmut hängt mit einem schnellen Fortschreiten der Krankheit und hohen Todesraten zusammen – unabhängig von der Menge CD4-Zellen („Total Lymphocyten und Hämoglobin Modell“).

Das Ergebnis: Insgesamt lieferten beide Modelle ähnlich genaue Vorhersagen eines frühen Todes von Patienten, welche die Therapie starteten, verglichen mit den beobachteten Todeszahlen. „Beide Modelle wiesen eine gute Trennschärfe auf“, sagt Matthias Egger. „Die Anzahl CD4-Zellen prognostiziert eine HIV-1-Infektion am besten, für Vorhersagezwecke ist sie jedoch durch die Hämoglobin- und Abwehrzellen-Werte ersetzbar, was die Kosten reduziert.“
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