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Montag, 13.02.2012
Ostsee: riesiger Algenteppich bedeckt Meeresoberfläche
Hitze und Überdüngung fördern sauerstoffzehrende Algenblüte
In der Ostsee hat sich ein riesiger Algenfilm gebildet, der sich über 1.600 Kilometer Länge und 190 Kilometer Breite erstreckt. Der aus Blaualgen bestehende Teppich ist der größte, der seit 2005 in der Ostsee beobachtet wurde. Nach Ansicht der Umweltorganisation WWF tragen solche auch durch die Sommerhitze geförderten Algenblüten zur Verschärfung der ohnehin großen Sauerstoffprobleme des Meeres bei.

Algen in der Ostsee vor Schweden
Algen in der Ostsee vor Schweden
© WWF / Anders Modig Algen in der Ostsee vor Schweden
Die hohen Temperaturen von Luft und damit auch Meerwasser heizen nicht nur uns Menschen gehörig ein, sie fördern auch das Wachstum von Algen im Wasser. In der Ostsee bedeckt inzwischen eine Schicht aus Blaualgen rund 377.000 Quadratkilometer der Wasseroberfläche und zieht sich derzeit von Finnland bis in die Pommersche Bucht und nordwestlich von Rügen hin. In den deutschen Küstengewässern sind besonders das Achterwasser/Oderhaff und der Strelasund betroffen.

Absterbende Algen fördern Todeszonen am Meeresgrund
„Hohe Temperaturen, wenig Wind und ein überdüngtes Meer - das sind perfekte Bedingungen für Algenwuchs" erläutert Jochen Lamp, Leiter des WWF-Ostseebüros. Algenblüte sei eigentlich ein natürliches Phänomen. Aufgrund des hohen Nährstoffgehalts in der Ostsee vermehrten sich die Algen bei diesen Temperaturen jedoch explosionsartig. „Riesige Algenteppiche schaden in erster Linie der Meeresumwelt. Pflanzen sterben ab und regelrechte Todeszonen ohne Sauerstoff bilden sich am Meeresgrund weiter aus". Sterben die Algen ab, wird besonders viel Sauerstoff verbraucht und giftiger Schwefelwasserstoff gebildet, der allen Organismen am Ostseegrund schadet.

Überdüngung durch Einträge aus Landwirtschaft
Einen Grund für das Massenwachstum der Blaualgen sieht der WWF in den Nährstoffeinträgen aus der Landwirtschaft. Über Flüsse gelangen große Mengen Stickstoff und Phosphor aus Düngemitteln ins Meer, die bei günstigen Witterungsbedingungen die Algenblüte vorantreiben. "Überdüngung ist das größte Umweltproblem der Ostsee und der Motor für die Ausbreitung der sauerstoffarmen Zonen" so Lamp weiter.

Zum Schutz der belasteten Ostsee fordert der WWF daher strengere Maßstäbe für die Landwirtschaftseinträge. „Es ist unverantwortlich, wenn die Ostseeanrainer einerseits ehrgeizige Ziele zum Stopp des Nährstoffeintrags beschließen, und dann dieselben Staaten die Überdüngung anheizen". In Schweden ist beispielsweise kürzlich die Düngemittelsteuer abgeschafft worden. In Mecklenburg-Vorpommern wurde das Landeswassergesetz so geändert, dass statt bisher bis auf sieben Meter jetzt bis auf einen Meter an Gräben und Bäche heran gedüngt und gespritzt werden darf.

Schifffahrt strenger kontrollieren
Als sinnvoll erachten die Umweltschützer auch einen ostseeweiten Bann von Phosphaten in Waschmitteln und die konsequente Abwassereinigung von Kreuzfahrt- und Fährschiffen in der Ostsee. Die Abwässer müssten während der Liegezeit in den Häfen entsorgt werden. Schätzungsweise 340 Tonnen Stickstoff und 112 Tonnen Phosphor gelangen jedes Jahr aus Abwässern der Passagierschifffahrt direkt ins Wasser der Ostsee.
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