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Montag, 13.02.2012
Wie umweltfreundlich ist mein Urlaub?
Wenig Transparenz im deutschen Reisemarkt
Wie buche ich umweltfreundliche Ferien? Und wo erfahre ich, wie nachhaltig mein Reiseanbieter wirklich ist? Genau solche Informationen sind bisher eher schwer zu bekommen, wie jetzt ein Test bei 80 deutschen Reiseveranstaltern enthüllt. In punkto Kundeninformation zur Umweltverträglichkeit von Reiseprodukten fand die Umweltorganisation WWF reichlich Nachholbedarf, aber auch einige Anbieter, die bereits auf gutem Werge sind.

Wie umweltfreundlich ist mein Urlaub?
Wie umweltfreundlich ist mein Urlaub?
© SXC Wie umweltfreundlich ist mein Urlaub?
Wie buche ich umweltfreundliche Ferien? Diese Frage stellen sich immer mehr Verbraucher vor Beginn der Reisesaison, denn längst ist nicht mehr allein der Preis ausschlaggebend für die Wahl des Urlaubsziels. Doch Hinweise auf die Klimafreundlichkeit, umweltverantwortliche Hotelführung oder den Ressourcenverbrauch einzelner Reisen sind in den meisten Reisekatalogen dünn gesät. Die Umweltorganisation WWF hat die Praxis in punkto Kundeninformation zur Umweltverträglichkeit von Reiseprodukten analysiert – und findet reichlich Nachholbedarf.

80 Reiseveranstalter getestet
Die WWF-Umfrage hat bei 80 deutschen Reiseveranstaltern untersucht, welche wesentlichen Informationen zur Umweltverträglichkeit der angebotenen Reise dem Verbraucher transparent und einfach kommuniziert werden und welche er bisweilen mühsam selbst recherchieren muss, um seine Reiseentscheidung besser treffen zu können. Bewertet wurden unter anderem Angaben zu klimawirksamen Emissionen, zum Verbrauch von Ressourcen wie Energie und Wasser und existierenden Umweltzertifikaten.

„Umweltorientierte Verbraucher brauchen oft viel detektivischen Spürsinn und Eigeninitiative für die Urlaubssuche, dabei liegen die entsprechenden Informationen den Veranstaltern oft vor", erklärt Martina Kohl, Tourismusexpertin beim WWF. „Die Verbraucher haben transparentere Information verdient: Der touristische Umwelt-Fußabdruck einer Reise sollte zu einem klaren Entscheidungskriterium werden - genau wie Frühbucherrabbatte oder Gästezufriedenheit."

Positive Vorreiter bei kleinen wie bei großen
Als erste positive Anzeichen wertet Kohl, dass die meisten der untersuchten Veranstalter einen Emissionsrechner für Flugreisen anbieten und zumindest auf Kompensationsmöglichkeiten für CO2 Emissionen verweisen. Rund 35 Prozent der ausgewerteten Veranstalter verfügen über umweltfreundliche Produktlinien, ein Drittel informiert über diese auch aktiv. Sieben Reiseveranstalter sieht der WWF auf einem guten, verbraucherfreundlichen Weg im Hinblick auf die Offenlegung ihrer Umweltinformationen, darunter sowohl große Anbieter wie TUI, aber auch Spezialanbieter wie „One World“ oder „Rucksack Reisen“.

Die Informationspolitik von acht Veranstaltern wurde dagegen als eher mangelhaft und daher „mit Nachholbedarf" eingestuft. Darunter auch „TUI Cruises“, „Hurtigrouten“ und der Spezialanbieter „Frosch Sportreisen“. Als „akzeptabel“ im Mittelfeld lagen Reiseanbieter wie „Studiosus“, „Wikinger Reisen oder „Ameropa“ (vollständige Liste als pdf). Wer beispielsweise vor der Buchung erfahren möchte, ob das gewählte Hotel seine Abwässer sinnvoll nutzt beziehungsweise an eine Kläranlage angeschlossen ist oder ob das Urlaubsdomizil in oder nahe an sensiblen Naturlandschaften liegt, muss meist zeitraubend Umweltberichte konsultieren oder die Veranstalter explizit danach fragen.

Auskunft verweigert
Zahlreiche Veranstalter knausern nicht nur mit Informationen an ihre Kunden, sondern weigerten sich auch, an der Befragung durch WWf teilzunehmen. „Es ist ein bedauerlicher Ausdruck der am Markt herrschenden Intransparenz, wenn rund 70 Prozent der angesprochenen Veranstalter über die eigene Informationspraxis keine Angaben machen", sagt Kohl weiter. „Hier ist deutlich mehr Verbraucherfreundlichkeit gefordert." Der WWF ermutigt Verbraucher, umweltrelevante Informationen notfalls auch direkt beim Anbieter einzuholen. Dazu kann die Frage nach einem nachhaltigen Hotelmangement beispielsweise hinsichtlich Müll- und Abwasserentsorgung ebenso gehören wie auch Hinweise auf soziale oder ökologische Besonderheiten im Gastland, für die einen Verhaltenskodex angeboten werden sollte.

„Die Nachfrage nach umweltfreundlichen Reisen wächst. Wenn sich die Verbraucher bei den Touristikunternehmen Gehör verschaffen, werden die Anbieter auch Licht in den Dschungel der Angebote bringen", so Kohl.
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