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Donnerstag, 02.09.2010
Pipelinebau enthüllt Erdgeschichte Ostdeutschlands
OPAL-Graben ermöglicht systematischen Blick unter die Erde
Der Bau der OPAL Gas-Pipeline von der Ostsee nach Tschechien eröffnet Geologen eine einmalige Chance, systematisch den Untergrund und damit auch die Erdgeschichte einmal quer durch Ostdeutschland zu erkunden. Bisher haben die Untersuchungen bereits enthüllt, dass viele eiszeitliche Strukturen Brandenburgs durch Gletscherbewegungen und nicht durch Eisschmelze entstanden und dass die Altläufe im Spreetal jünger sind als gedacht.

TU-Geologe bei der Arbeit im Pipeline-Graben
TU-Geologe bei der Arbeit im Pipeline-Graben
© TU Berlin/Juschus TU-Geologe bei der Arbeit im Pipeline-Graben
Ende 2011 soll das erste Erdgas durch die neue Erdgasleitung OPAL von der Ostsee aus bis nach Tschechien fließen. Die Abkürzung OPAL steht für die „Ostsee-Pipeline-Anbindungs-Leitung“, die von Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern aus die 1.200 Kilometer lange Nord-Stream- Leitung, die aus Russland kommt, mit dem europäischen Ferngasleitungsnetz verbinden soll. Doch schon jetzt bietet der 470 Kilometer lange und drei Meter tiefe Nord-Süd-Graben Geologen der TU Berlin die einmalige Gelegenheit, in die Erdgeschichte quer durch Ostdeutschland zu schauen und aus dem Klimageschehen von gestern Erkenntnisse für die Entwicklungen von morgen zu gewinnen.

Blick in die Erdgeschichte seit der letzten Eiszeit
„Wir erhalten hier einen fantastischen Aufschluss über die erdgeschichtlichen Geschehnisse während und seit der letzten Eiszeit, die in unseren Breiten vor etwa 10.000 Jahren endete“, berichtet Olaf Juschus, Wissenschaftler am Fachgebiet Explorationsgeologie und ausgewiesener Quartär-Experte. Mit Spaten, Messgeräten, Gummistiefeln und Helm sind Juschus und sein Kollege Robert Bussert seit Beginn der OPAL-Bauarbeiten in Brandenburg den Hinterlassenschaften der letzten etwa 140.000 Jahre im Pipeline-Graben auf der Spur.

Eiszeitliche Strukturen nicht durch Abschmelzen entstanden
Die sedimentologischen Untersuchungen geben ihnen wichtigen Aufschluss zur jüngeren Landschafts- und Klimageschichte Brandenburgs „Beispielsweise haben wir festgestellt, dass die sogenannte Glaziodynamik, also die durch die Eisbewegung hervorgerufenen Strukturen, kräftiger sind als bisher angenommen“, so Juschus. „Brandenburg liegt am Südrand des ehemaligen skandinavischen Eisschildes, wo – so nahm man bisher an – vor allem die Abschmelzung des Eises gewirkt hat. Für Nordbrandenburg zeigt sich aber doch ein anderes Bild.“ Die meisten Strukturen gehen demnach auf die Bewegung der Gletscher zurück, nicht auf ihr Tauen.

Bauarbeiten an der Gas-Pipeline bei Hangelsberg/Brandenburg
Bauarbeiten an der Gas-Pipeline bei Hangelsberg/Brandenburg
© TU Berlin/Juschus Bauarbeiten an der Gas-Pipeline bei Hangelsberg/Brandenburg
Altläufe jünger als gedacht
Besonders aufschlussreich sind für die Forscher auch im Spreetal bei Fürstenwalde gefundene Holzstämme. Unter den luftdichten Bedingungen im Sediment zerfällt das Holz nicht und kann mit Methoden der Dendrochronologie und der Radiocarbon-Analyse auf sein Alter hin untersucht werden. So kann das Alter der betreffenden Altläufe der Spree bis auf wenige Jahrzehnte genau bestimmt werden. Die Ergebnisse zeigen unter anderem, dass die bisher untersuchten Altläufe deutlich jünger sind, als bisher angenommen.

Geologie unter Zeitdruck
Mit ihren Einblicken müssen sich die Forscher allerdings beeilen. Denn die OPAL- Leitung wird aus einzelnen, 18 Meter langen und 15 Tonnen schweren mit Gummi ummantelten Stahlrohren zu Segmenten von mehreren hundert Meter Länge zusammengeschweißt, die am Stück in den Graben gehoben werden. Da der Graben nach wenigen Tagen wieder geschlossen wird, eröffnen sich den Forschern oft nur kurze Zeitfenster, in denen vor Ort Proben genommen und Bestandsaufnahmen durchgeführt werden können.

„Insgesamt sind wir sehr froh über diese Kooperation mit der WINGAS GmbH, die zusammen mit der E.ON Ruhrgas AG das OPAL-Projekt durchführt“, so Juschus. „Sie ermöglicht uns diesen aktuellen Blick in die jüngere Erdgeschichte seit der letzten Eiszeit. Das bisherige Kartenmaterial ist bruchstückhaft und darüber hinaus auch schon mehr als 50 Jahre alt.“
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