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Montag, 13.02.2012
Tödlicher Pilz löst Massensterben amerikanischer Fledermäuse aus
Erreger auch in Europa präsent, aber seltsamerweise hier harmlos
Eine Pilzerkrankung hat in Nordamerika bereits mehr als eine Million Fledermäuse getötet und breitet sich noch immer aus. Jetzt haben Forscher den Erreger auch in Europa nachgewiesen. Doch hier scheint die Infektion für die Tiere völlig folgenlos abzulaufen. Wird die Ursache dafür gefunden, könnte dies die Rettung für die bereits vom Aussterben bedrohten amerikanischen Fledermäuse bedeuten.

Haar einer europäischen Fledermaus mit Pilzsporen überzogen (REM-Bild)
Haar einer europäischen Fledermaus mit Pilzsporen überzogen (REM-Bild)
© Forschungsverbund Berlin Haar einer europäischen Fledermaus mit Pilzsporen überzogen (REM-Bild)
Nordamerika verzeichnet seit einigen Jahren dramatische Verluste winterschlafender Fledermäuse. Die Zahlen der am „Weißnasen-Syndrom“ gestorbenen Tiere haben mittlerweile die Millionengrenze überschritten. Das Massensterben fokussierte sich bisher auf die nordöstlichen Staaten und breitet sich seither konzentrisch aus. Ausgelöst wird die Krankheit durch eine Infektion mit dem Pilz Geomyces destructans. Die Krankheit wird als Weißnasen-Syndrom bezeichnet, da der Pilz in kleinen, weißen Polstern vornehmlich um die Nase und auf den Flügeln wächst. Er gehört zu den kälteliebenden Pilzen, die vorzugsweise von keratinhaltigen Materialien wie Hautschuppen oder Haaren leben. In den USA verursacht der Pilz bei den Tieren schwerste Gewebezerstörungen, die zum Tode führen. In Europa wächst derzeit die Sorge, dass eine Verschleppung des Erregers zu einer ähnlichen Bedrohung der einheimischen Fledermausarten führen könnte.

Pilz längst auch in Europa präsent
Eine gemeinsame Studie, von Forschern aus Deutschland, der Schweiz, Ungarn und Großbritannien belegt jetzt jedoch, dass der tödliche Pilz Geomyces destructans in weiten Teilen Europas bereits vorkommt. Zusätzlich fanden sich alte Aufzeichnungen, die belegen, dass der Pilz bereits seit mindestens 25 Jahren in Deutschland auf winterschlafenden Fledermäusen gesichtet wurde – allerdings ohne gravierende Folgen: „Bisher scheint der Pilzbefall keinen tödlichen Einfluss auf hiesige Fledermausarten gehabt zu haben“, erklärt Projektleiterin Gudrun Wibbelt vom Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW).

Gleicher Pilz – andere Folgen
Das Forscherteam um Wibbelt analysierte Proben aus über 350 Fledermauswinterquartieren verschiedener europäischer Länder und stellte fest, dass 21 Tiere vom Pilzbefall betroffen waren.
Seltsamerweise im Unterschied zu den USA hier ohne gravierende Folgen: „Überraschenderweise zeigten molekularbiologische Analysen eine hundertprozentige Übereinstimmung der in Europa untersuchten Pilz- Genabschnitte zu denen aus Nordamerika. Wir müssen jetzt unbedingt klären, warum der Pilzbefall bei europäischen Fledermäusen bisher nicht zum Tode führt, um Anhaltspunkte zur Rettung der amerikanischen Fledermäuse zu erlangen – und um allenfalls eine Verschleppung des fatalen Pilzes aus den USA nach Europa zu verhindern“. Weitere Untersuchungen sollen helfen, die Fledermauspopulationen in Europa und Nordamerika zu schützen“ so Wibbelt.

Große Mausohr-Fledermäuse mit Pilzbesiedlung an Nase und Flügeln
Große Mausohr-Fledermäuse mit Pilzbesiedlung an Nase und Flügeln
© Forschungsverbund Berlin Große Mausohr-Fledermäuse mit Pilzbesiedlung an Nase und Flügeln
Amerikanische Fledermausarten vom Aussterben bedroht
In Amerika waren in den vergangenen Wintern Fledermäuse zu früh aus dem Winterschlaf erwacht, verließen ihre Höhlenquartiere und wurden zu Hunderten tot im Schnee vor den Höhlen gefunden. Ehemals häufig vorkommende Fledermausarten wurden in bekannten Höhlen um 80 bis 99 Prozent dezimiert und sind in den betroffenen Regionen vom Aussterben bedroht. Dies erinnert an die ebenfalls seit neuerer Zeit auftretende Pilzerkrankung „Chytridiomykose“, die bei Fröschen die Haut angreift und zum globalen Amphibiensterben beiträgt.

In Europa leben rund 40 insektenfressende Fledermausarten, die kleinste nur vier Gramm schwer, die größte mit einer Spannweite von mehr als 40 Zentimetern. Die meisten Fledermausarten sind stark bedroht und deshalb geschützt. Fledermäuse sind ein überaus wichtiger Bestandteil aller Lebensräume, beispielsweise sorgen sie für die enorme Verringerung von Schadinsekten, die eine ihrer Hauptnahrungsquellen darstellen. Das ist für die Landwirtschaft von erheblichem ökologischem und ökonomischem Nutzen, denn es wird nicht nur der Pestizideinsatz reduziert, es werden auch weniger Pflanzen von Schädlingen zerstört.

Gegenwärtig wird in Europa und Nordamerika mit größter Intensität an der Aufklärung des Weißnasen-
Syndroms gearbeitet, um zu verstehen, aus welchem Grund europäische Fledermäuse scheinbar immun gegen den Pilzbefall sind.
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