Scinexx-LogoSpringer-Verlag, Heidelberg
Montag, 13.02.2012
Schwämme genetisch komplexer als gedacht
Genvergleich enthüllt erstaunliche Mengen an Gemeinsamkeiten mit höheren Tieren
Das Genom des Schwamms, einem der primitivsten Mehrzeller überhaupt, ist erstaunlich komplex. Die 600 Millionen Jahre alte Tiergruppe besitzt bereits die meisten für die Mehrzelligkeit höherer Tiere entscheidenden „Genwerkzeuge“. Das enthüllt eine jetzt in „Nature“ veröffentlichte genetische Vergleichsstudie auf Basis des erst kürzlich sequenzierten Erbguts dieser Tiergruppe.

Amphimedon queenslandica
Amphimedon queenslandica
© M. Adamska et al. / PloS ONE / CC-by-sa 2.5 Amphimedon queenslandica
Schwämme gehören zu den ältesten und primitivsten Stämmen des Tierreichs. Sie gelten als dem Übergang zwischen in Kolonien lebenden Einzellern und echten Mehrzellern sehr nahe. Die meist im Meer lebenden Tiere besitzen noch keine Organe, sind auf dem Untergrund festsitzend und filtern sich ihre Nahrung mittels Geißelzellen aus dem Wasserstrom. Wegen ihrer Position an der Basis mehrzelligen tierischen Lebens ist die rund 600 Millionen Jahre alte Tiergruppe auch genetisch besonders interessant. Vor kurzem wurde daher die DNA eines im Great Barrier Reef lebenden Hornkieselschwamms Amphimedon queenslandica sequenziert.

Genetischer Werkzeugkasten komplexer als angenommen
Jetzt haben Wissenschaftler vom Whitehead Institute for Biomedical Research im amerikanischen Cambridge vergleichende Analysen der Schwamm-DNA durchgeführt, die eine bemerkenswerte genetische Komplexität des vermeintlich primitiven Lebewesens enthüllen. So enthält das Amphimedon-Genom bereits zahlreiche Gene, die die Voraussetzung für die bei Mehrzellern typische Arbeitsteilung im Organismus bilden. Dazu gehören Prozesse wie Zellteilung, Wachstum und Spezialisierung.

Nach Angaben von Whitehead-Forscherin Mansi Srivastava ist dieser genetische Werkzeugkasten der Schwämme dem anderer Tiergenome in Inhalt, Struktur und Organisation bereits erstaunlich ähnlich. Interessanterweise finden sich bei den Schwämmen auch schon viele Gene, die beim Menschen und Tieren in Verbindung mit Krebs stehen. Das zeigt, dass viele Tumorerkrankungen ihre Wurzel in Defekten haben, die grundlegende Prozesse tierischer Mehrzelligkeit betreffen.
Artikel drucken
Nach verwandten Themen suchen:
Schwamm, Schwämme, Genom, Genvergleich, Mehrzeller, Einzeller, Evolution, Mehrzelligkeit, Zellteilung, Physiologie, Biologie
Weitere News zum Thema
Mitläufer fördern die Demokratie (19.12.2011)
Studie: Mehrheit kann profitieren, wenn Individuen nicht informiert sind
Nie wieder Brille putzen? (05.12.2011)
Fluorierte Beschichtung aus Silikat wirkt dank kugelförmiger Nanostruktur wasser- und ölabweisend
Antarktische Wale machen "Hautkur" in wärmeren Gewässern (26.10.2011)
Forscher beobachten erstmals regelmäßige Langstreckenwanderungen bei Orcas
Rätselhafte Riesenfisch- Ansammlungen verändern Flusswasser (06.10.2011)
Welse in der französischen Rhone zeigen ungewöhnliches Schwarm-Verhalten
Leckende Bienen profitieren vom süßesten Nektar (27.09.2011)
Höherer Zuckergehalt macht Blütensaft für Schmetterlinge zu zähflüssig
Suche
Erweiterte Suche
Special
Dossier: Mythos 2012 - Die Maya, der 21. Dezember und die Fakten
Newsletter
Bestellen Sie jetzt den kostenlosen Newsletter!
Diaschauen zum Thema
Schatzkammer Ozean
Dossiers zum Thema
Sprungbrett der Evolution
Was Hohltiere vom Werden der Menschen verraten
Eine Erde voller Arten
Darwins Vermächtnis in der heutigen Evolutionsbiologie
Unfälle der Evolution
...oder doch geniale Anpassungsstrategien?
DNA
Von Genen, Mördern und Nobelpreisträgern
Epigenetik – Mehr als nur die Gene
Hatte Lamarck doch recht?
Gott oder Darwin?
Der Kreationismus auf dem Vormarsch
News des Tages
„Katzenkrokodil" hatte Säugetierzähne
Pulsierende Leere im Atom
Sternenexplosion in 3D
Schwämme genetisch komplexer als gedacht
Funk-Etikett aus Holz hilft bei der Fortwirtschaft
Cholesterin und Blutddruck auch genetisch bedingt
Batterie für „intelligenten Staub“ entwickelt
Bücher zum Thema
Geschichten vom Ursprung des Lebens
Eine Zeitreise auf Darwins Spuren von Richard Dawkins
Tierisch!
Expedition an den Rand der Schöpfung von Dirk Steffens
Gipfel des Unwahrscheinlichen
Wunder der Evolution von Richard Dawkins
Wie Zellen funktionieren
Wirtschaft und Produktion in der molekularen Welt von David S. Goodsell
Top-Clicks der Woche
1. Forscher haben See unter Antarktis-Eis angebohrt
2. Krebsmedikament macht Alzheimer-Symptome rückgängig
3. Röntgenlicht macht Eisen durchsichtig
4. Fasten lässt Krebstumore schrumpfen
5. Gletscher verlieren jährlich 230 Milliarden Tonnen Eis